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Analyse

Weizenpreise steigen auf 205 Euro

von , am
18.12.2014

Die Weizenpreise steigen und steigen. Grund ist die aktuelle Entwicklung in Russland.

© landpixel
Die Weizenpreise steigen und steigen. Grund ist die aktuelle Entwicklung in Russland und vor allen die Beschränkung der russischen Weizenexporte. Die Folge ist ein Rückgang des verfügbaren Weizenangebotes an den globalen Exportmärkten und noch eine stärkere Nachfrage nach Weizen aus Europa und von anderen wichtigen globalen Exporteuren. Am europäischen Terminmarkt kletterten die Kurse für den Januarkontrakt heute Nachmittag um über 3 Prozent bis auf 205 Euro/t. Bereits gestern waren die Preise auf 199 Euro gestiegen und im Wochenverlauf beträgt der bisherige Preisanstieg  16 Euro oder 8,5 %. Das sind die höchsten Weizenpreise seit Mai 2014 also seit 8 Monaten. Am deutschen Kassamarkt folgen die Weizenpreise den Terminmarktpreisen nach oben.
 
Russische Exportmöglichkeiten werden begrenzt
Auslöser für die aktuelle Preisrally ist die aktuelle Entwicklung in Russland. Dort hatte der extrem starke Wertverlust des Rubels auch erhebliche Auswirkungen auf den Getreidemarkt. Seit Ende September hat der Rubel gegenüber dem Dollar mehr als 45 % an Wert verloren. Dabei führte der Wertverlust des Rubels zu einem kräftigen Anstieg der Weizenpreise am Binnenmarkt und damit auch zu einem kräftigen Anstieg der Brotpreise. Gleichzeitig versuchten die russischen Landwirte ihre Weizen vor allen an die großen Exporteure zu verkaufen, denn die Erlösmöglichkeiten im Export waren mit Abstand am besten. Das kurbelte den Weizenexport an und trieb zudem die Binnenmarktpreise weiter nach oben. Bis zum 10ten Dezember hatten die Russen bereits 15 Mio. t Weizen exportiert und damit ein Drittel mehr als im letzten Jahr. Die russischen Behörden begrenzen deshalb die Exportmöglichkeiten ab dieser Woche auf bestimmte ausgewählte Länder: Dazu gehören mit der Türkei und Ägypten allerdings die beiden mit Abstand wichtigsten Abnehmer von russischem Weizen.
 
Russische Landwirte halten Weizen zurück
Der neuerliche dramatische Kurseinbruch des Rubels gegenüber dem Dollar in dieser Woche von 20 % (!!)  hat nun jedoch dazu geführt, dass die russischen Landwirte erst einmal gar keinen Weizen mehr am Binnenmarkt verkaufen und diesen zunächst lieber selbst einlagern. Gleichzeitig bekamen die Einkäufer des staatlichen Interventionsfonds keinen Weizen zu kaufen bzw. angeboten und die staatlichen Läger bleiben leer. In dieser Woche konnten trotz deutlich höherer Angebotspreise lediglich 2.160 t Roggen in den Interventionsfonds übernommen werden und der vor allem zur Marktstabilisierung geplante Aufkauf größerer Mengen Weizen hatte damit keinen Erfolg. Auch in der Woche zuvor wurden  lediglioch 18.765 t Roggen  und 3915 t Gerste sowie 801 t Weizen aufgekauft.
 
Europäische Weizenpreise kletterten auf 205 Euro
Die Weizenpreise sind am europäischen Terminmarkt für den Januarkontrakt am Donnerstag (18.12) Nachmittag (15:00) um knapp 3 % bzw. 6,25 Euro gestiegen und notierten bei 205 Euro/t. Damit sind die Weizenpreise am Terminmarkt rund 14 Euro höher als vor einem Jahr im Dezember (191 Euro). Für die hinteren Termine sind die Terminmarktpreise am Donnerstag (18.12) ebenfalls kräftig gestiegen. Der Märzkontrakt notierte am Donnerstag Nachmittag (15:00)  bei 205,75 Euro und der Maitermin wurde mit 205 Euro gehandelt.
 
Kassapreise sind jetzt höher als 2013
Am deutschen Kassamarkt folgen die Weizenpreise den Terminmarktpreisen nach oben. Am deutschen Exporthafen in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für Januar am Donnerstag (18.12) mit 210 Euro und damit 12 Euro hoher als am Montag (198 Euro/t). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg für den Januar 220 Euro geboten und damit ebenfalls 12 Euro mehr als zum Wochenbeginn (208 Euro/t). Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise am Donnerstag bei 232 Euro (Montag: 220 Euro). Gleichzeitig wurde  Futterweizen mit 187 Euro gehandelt und damit  5 Euro teurer als zum Wochenbeginn (183 Euro). Die Preise für A- und E-Weizen sind damit an den deutschen Exporthäfen derzeit etwa 10 Euro höher als im letzten Jahr und Brotweizen ist  knapp 5 Euro teurer als 2013. Futterweizen wird hingegen 18 Euro billiger gehandelt als im Dezember 2013.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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