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Analyse

Weizenpreise steigen deutlich über 180 Euro

von , am
01.12.2014

In Europa (und den USA) haben die Weizenpreise zum Monatswechsel am Terminmarkt und am Kassamarkt einen kräftigen Sprung nach oben gemacht

© landpixel
In Europa haben die Weizenpreise zum Monatswechsel am Terminmarkt und am Kassamarkt einen kräftigen Sprung nach oben gemacht. Höhere Weizenpreise hat es zuletzt im Juli 2014 gegeben also vor gut 5 Monaten. Seit dem letzten Tiefpunkt Ende September haben die Weizenpreise am Terminmarkt damit rund 30 Euro bzw. 19 Prozent zugelegt. Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise letzte Woche sogar noch kräftiger gestiegen als am Terminmarkt. Eine Ursache für den Preisanstieg ist der unverändert starke Export der Europäer. Dieser zieht die Weizenpreise kräftig oben. Bereits im letzten Jahr waren die europäischen Weizenpreise aus dem gleichen Grund (Export) kräftig gestiegen und haben  ebenfalls die ursprünglichen Erwartungen übertroffen.
 
Auswinterungsgefahr in Russland und den USA
Hinzu kommt  der sehr schwache Zustand des Winterweizens der neuen Ernte 2015 in Russland. Dort hat der Weizen seit dem Herbst deutlich zu wenig Regen bekommen. Gleichzeitig haben starke Fröste um 20 Grad Minus (bei geringer Schneebedeckung) die geschwächten Pflanzen nach Meinung von Analysten bereits erheblich geschädigt und das russische Crop-Monitoring gibt dem Winterweizen immer schlechtere Noten. Russische Analysten haben ihre Ernteerwartung wegen des erwarteten Flächenverlust durch Auswinterung und der Ertragsdepressionen (trotz einer mit 24,7 Mio. ha rund 1,0 Mio. t ha größeren Aussaatfläche gegenüber 2013) deshalb immer weiter nach unten korrigiert. Auch in den USA haben die starken Fröste in den Hauptanbaugebieten für Winterweizen die Pflanzen geschädigt, so dass das USDA den Zustand der Bestände in seinem letzten Crop-Monitoring schlechter eingeschätzt hat, worauf die US-Preise mit einem Anstieg reagierten.
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Europäischer Export weiter auf Rekordkurs
Bis zum 25. November haben die Europäer im laufenden Wirtschaftsjahr 2014/15 nach den Daten der EU-Kommission 12,02 Mio. t Weichweizen (Lizenzen) ins Ausland verkauft. Das ist eine gut 7 Prozent bzw. gut 0,8 Mio. t größere Exportmenge als im bisherigen Rekordjahr 2013/14 (11,2 Mio. t). Aus Deutschland wurde bisher 3,0 Mio. t in Drittländer verkauft, aus Frankreich 3,49 Mio. t, aus Rumänien 1,39 Mio. t und aus Litauen 1,13 Mio. t. In der aktuellen Woche verkauften die Europäer 518.000 t Weizen in Drittländer. Das war eine 18 Prozent kleinere Verkaufsmenge als in der Vorwoche (636.000 t). Aus den USA wurden letzte Woche Netto (abzüglich der Stornierungen) 431.500 t Weizen ins Ausland verkauft. Das war eine 14 Prozent größere Verkaufsmenge als in der Vorwoche (361.700 t). Die bisher insgesamt ins Ausland verkaufte Weizenmenge der USA liegt bei 16,6 Mio. t und damit 26 Prozent unter dem Vorjahreswert von 22,37 Mio. t.
 
Weizenpreise am Terminmarkt deutlich über 180 Euro
Die Weizenpreise haben am europäischen Terminmarkt im Verlauf der letzten Woche kräftig zugelegt und beendeten den Handel am Freitag (28.11) bei 184,25 Euro/t. Am Freitag davor (21.11) hatte der Weizen am europäischen Terminmarkt 177,75 Euro gekostet und damit 6,5 Euro weniger. Im Vergleich zu den Preisen vor einem Jahr (28. November 2013) kostet der Weizen am europäischen Terminmarkt derzeit rund 14 Euro bzw. 7 Prozent weniger (198 Euro). Auch für die hinteren Termine sind die Preise im Verlauf der letzten Woche kräftig gestiegen. Der Märzkontrakt notierte am letzten Freitag bei 185 Euro und damit 5,0 Euro höher als in der Vorwoche (Vw.: 180) und der Maitermin ging mit 187,0 Euro ebenfalls 5 Euro höher aus dem Handel (Vw.: 182).
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Kassapreise steigen stärker als Terminmarktpreise
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise letzte Woche kräftiger gestiegen als am Terminmarkt. Am deutschen Exporthafen in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für Dezember am letzten Freitag (28.11) mit 192 Euro/t und damit 10 Euro teurer als am Freitag zuvor (182 Euro). Die Preisangebote für Brotweizen zur Anlieferung im Januar lagen in Hamburg am Freitag bei 196 Euro/t (Vw: 187 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg für den Dezember 200 Euro/t (Vw: 190) geboten und für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise bei 222 Euro (Vw: 212 Euro). Gleichzeitig wurde der Futterweizen mit 181 Euro notiert (Vw. 167 Euro). Im Großhandel in Frankreich kostet der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am Freitag 182 Euro/t (Vw: 175).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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