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Analyse

Weizenpreise steigen immer weiter, Ende nicht in Sicht

von , am
29.06.2015

Mit einer außergewöhnlich heftigen Preisrallye reagierten Weizenpreise an den Terminmärkten in Nordamerika und in Europa auf die weitere Verschärfung der Wetterprobleme.

© krick/agrar-press
 
Mit einer außergewöhnlich heftigen Preisrallye reagierten Weizenpreise an den Terminmärkten in Nordamerika und in Europa auf die weitere Verschärfung der Wetterprobleme in den USA, in Europa und in Kanada. Die Weizenpreise kletterten Ende der vorigen Woche an den Terminmärkten auf den höchsten Stand seit Januar 2015 und auch am europäischen Kassamarkt machten die Weizenpreise einen gewaltigen Sprung nach oben. Am heutigen Montag steigen die Weizenpreise an den Termmärkten in USA und in Europa weiter und die Kassapreise ziehen ebenfalls weiter nach oben.
 
In den USA stehen die Felder unter Wasser
In den den USA reagierten die Kurse vor allem auf die Meldungen von US-Wetterdiensten über die Fortsetzung der sintflutartigen Regenfälle im Mittelwesten der USA sowie in den nordöstlichen Anbaugebieten für den Winterweizen der Sorte Soft Red Winter (Chicago Weizen). Auch in den südlichen Weizenanbaugebieten (Plains) regnet es weiter und die Einschätzungen zur Qualität der neuen US-Weizenernte (Eiweiß, Feuchtigkeit, Pilzbefall) verschlechtern sich sowohl für den südlichen Hard Red Winter (Kansas Weizen) als auch für den Chicago-Weizen immer weiter. Viele Felder stehen zudem unter Wasser und die laufende Weizenernte kommt nicht oder nur sehr langsam voran. Aktuelle Informationen über den Zustand der Weizenpflanzen und über die Auswirkungen des Dauerregens auf den Erntefortschritt liefert heute Abend das Crop-Monitoring des USDA.
 
Trockenheit und Hitze in Europa
In Europa hat das sehr trockene Wetter der letzten Wochen zu weiteren Verschlechterungen und Korrekturen der Ertrags- und Produktionserwartungen bei Weizen geführt und die Preise ebenfalls kräftig nach oben getrieben. So meldete die französische Landwirtschaftsbehörde FranceAgrimer Ende der Woche eine weitere deutliche Verschlechterung  des Crop-Ratings beim Weizen. Ähnliche Meldungen kamen zuletzt aus dem Vereinigten Königreich, aus Deutschland und aus Polen. Diese Woche wird für weite Teile Europa eine extreme Hitzewelle erwartet, mit Temperaturen deutlich über 30 Grad Celsius. Dann könnten die Weizenbestände weiter in Mitleidenschaft gezogen werden und die Ertrags- und Produktionserwartungen weiter sinken.
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Weizenpreise steigen auch am Montag weiter
Am vorigen Freitag (26.06) haben die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt einen Sprung auf den höchsten Stand seit Januar 2015 gemacht. Der Septembertermin (neue Ernte) beendete den Handel bei 194,25 Euro/t und damit 8,75 Euro bzw. 4,7 % höher als am Vortag (185,50 Euro). Gegenüber der Vorwoche (178,50 Euro) sind die Weizenpreise an der MATIF um 15,75 Euro bzw. 8,8 % gestiegen.
 
Der Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen ging am Freitag mit 196,0 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (187,75 Euro) haben die Preise für den Dezember am Freitag um 4,4% oder 8,25 Euro zugelegt. Gegenüber der Vorwoche (180,25 Euro) sind die Weizenpreise für den Dezembertermin jedoch um 15,75 Euro bzw. 8,7 % gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr (188,75 Euro) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt jetzt 5,50 Euro höher.
 
Am heutigen Montag folgen die Weizenpreise (September) am europäischen Terminmarkt dem steigende US-Preisen weiter nach oben und liegen am Nachmittag (15:00) erneut 3,25 Euro im Plus bei 197,50 Euro. Der Dezember steigt um 3,25 Euro auf 199,25 Euro und März notiert 2,75 Euro höher bei 200,75 Euro.
 
Kassamarkt noch mit Nachholbedarf
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise in der vorigen Woche ebenfalls kräftig gestiegen. Am heutigen Montag dürften die Kurse mit Unterstützung der weiter steigenden Terminmarktpreise ebenfalls weiter kräftig zulegen. Im Vergleich zu den aktuellen Terminmarktpreisen besteht bei den Kassapreisen am Wochenanfang ein weiterer Nachholbedarf von etwa 5 bis 7 Euro.
 
Am vorigen Freitag (26.06) handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg durchschnittlich mit 190 Euro/t. Das waren 10 Euro mehr als eine Woche zuvor (180 Euro). Die Preisangebote für die neue Ernte (September) lagen am Freitag bei etwa 194 Euro und damit etwa 4 Euro über den aktuellen Preisen und 11 Euro höher als vor einer Woche. Vor einem Jahr (Juni 2014) lagen die Preise für den Brotweizen in Hamburg bei etwa 193 Euro und waren damit rund 3 Euro höher als in diesem Jahr. Zum Wochenbeginn dürften die Weizenpreise um weitere 5 bis 7 Euro steigen, wie die aktuelle Entwicklung in Frankreich zeigt.
 
Preise für Qualitätsweizen kräftig gestiegen
Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden am Exporthafen Hamburg am Freitag (26.06) durchschnittlich 200 Euro/t geboten und damit ebenfalls 10 Euro höhere Preise als in der Woche zuvor (190 Euro). Die Preisvorstellungen für die neue Ernte lagen beim A-Weizen zuletzt allerdings 3 bis 4 Euro niedriger als die aktuellen Preise. Vor einem Jahr (Juni 2014) handelte man A-Weizen in Hamburg mit 195 Euro und damit zu 5 Euro niedrigeren Preisen als in diesem Jahr.
 
Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise am vorigen Freitag im Schnitt bei 230 Euro und damit ebenfalls 10 Euro höher als in der vorigen Woche (220). Die Preisvorstellungen für die neue Ernte (September) lagen bei E-Weizen zuletzt etwa 15 unter den aktuell (Juni) an den Exporthäfen gebotenen Preisen für alterntige Ware. Vor einem Jahr (Juni 2014) lagen die Preise für E-Weizen in Hamburg bei 205 Euro und waren 25 Euro niedriger als die aktuellen Preise.
 
Weizen in Frankreich 15 Euro teurer
Beim größten europäischen Weizen-Exporteur Frankreich, wurde für Brotweizen der neuen Ernte mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am Montag dieser Woche (29.06) 189 Euro geboten. Das waren 15 Euro höhere Preise wie vor einer Woche (174 Euro).
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USA: Weizenpreise steigen in einer Woche 15 Prozent
Am vorigen Freitag (26.06) haben sich die Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago und der Kansas-Weizen eine Riesensprung nach oben gemacht und sind auf den höchsten Stand seit Anfang Januar (also seit 6 Monaten) gestiegen. Der Julikontrakt für den Chicago-Weizen (SRW) ging mit einem Aufschlag von 5,7% bei 562,2 Cent je Buschel (184,92 Euro/t) aus dem Handel. Die neue Ernte (September) notierte 5,6 % höher bei 568,0 Ct je Buschel (186,8 Euro/t). Im Wochenvergleich sind die Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago damit um 15 Prozent (!!!) gestiegen.
 
Für den in Kansas gehandelten proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter (HRW) haben die Preise am Freitag um 4,5 % auf 559,2 USD je Buschel (183,9 Euro) zugelegt. Die neue Ernte (September) notierte 4,7 % höher bei 569 Ct je Buschel (187,1 Euro/t). Im Wochenvergleich sind die Preise für den Kansas-Weizen der Sorte Hard Red Winter (HRW) jedoch um 11,1 % gestiegen. Gleichzeitig ist der Chicago-Weizen am Terminmarkt jetzt teurer als der proteinreiche HRW-Weizen.
 
Am Montag Mittag (15:00 MEZ) liegen die Weizenpreise (Julikontrakt) in Chicago erneut sehr deutlich 1,6 % bei 571,2 Ct je Buschel (187,9 Euro/t)im Plus. Für den in Kansas gehandelten proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter (Juli-Kontrakt) steigen die Preise am Montag Mittag um 1,3 % auf 566,6 Ct je Buschel (186,3 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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