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Analyse

Weizenpreise steigen wieder, Marktdaten aber bärisch

von , am
18.05.2015

In Europa haben sich die Weizenpreise trotz der überwiegend bärischen Fundamentaldaten erholt und starten auch in die neue Woche im Plus.

© krick/agrar-press
 
In Europa haben sich die Weizenpreise trotz der überwiegend bärischen Fundamentaldaten erholt und starten auch in die neue Woche im Plus. Am Terminmarkt in den USA gab es letzte Woche sogar einen sehr kräftigen Preissprung von mehr als 6 Prozent nach oben. In Europa haben die sehr guten und zuletzt noch weiter verbesserten Ernteprognosen sowie der feste Euro einen ähnlich kräftigen Preisanstieg wie in den USA jedoch verhindert bzw. die Preiserholung deutlich verhaltener ausfallen lassen.
 
Große Europäische Ernte, weniger Exporte
So schätzte das europäische Analystenhaus Strategie Grains die europäische Weichweizenernte 2015 Ende der letzten Woche um 1,2 Mio. t auf 142,6 Mio. t nach oben und rückt damit immer weiter an die Rekordernte von 2014 (149,3 Mio. t) heran. Die erwarteten Exporte im neuen Wirtschaftjahr 2015/16 hat Strategie Grains wegen der verbesserten Wettbewerbsfähigkeit der Russen und wegen des stärkeren Euros hingegen  recht deutlich um 2,6 Mio. t auf 28,6 Mio. t reduziert, nach einer Rekordausfuhrmenge von rund 32,3 Mio. t i Weizen im zu Ende gehenden Wirtschaftjahr 2014/15.
 
Russland drängt auf die Exportmärkte
Gleichzeitig hat der Wettbewerb mit den  Schwarzmeerländern zum Ende des alten Wirtschaftsjahres an den Exportmärkten noch einmal spürbar zugenommen, denn in Russland gelten ab 15. Mai keine Exportzölle mehr beim Weizen und offenbar lagert noch einiges an Weizen der alten Ernte an den russischen Exporthäfen. In der vorigen Woche meldete unter anderem Tunesien den Kauf von 100.000 t Weichweizen und 142.000 Hartweizen vor allem aus Russland. Insgesamt haben die Russen bis zum 13. Mai in diesem Wirtschaftsjahr schon 20,08 Mio. t Weizen exportiert. Analysten halten bis Ende Juni noch Ausfuhren von rund 1,5 Mio. t für wahrscheinlich.
 
Russische Weizenfläche größer als 2014
Die Erntefläche für die neue russische Weizenernte (Sommer- und Winterweizen) schätzte das USDA zuletzt mit 25,0 Mio. ha deutlich größer ein als im vorigen Jahr (2014) mit 23,64 Mio. ha und  mit nur 23,4 Mio. ha vor zwei Jahren (2013). Die Erträge dürften mit derzeit erwarteten 2,14 t/ha jedoch niedriger sein als 2014 (2,50 t/ha). Das russische Landwirtschaftsministerium meldete am 15. Mai eine bisherige Aussaatfläche bei Sommerweizen von 4,0 Mio. ha bzw. 30,1 % der geplanten Sommerweizenfläche von 13,2 Mio. ha.
 
Weizenpreise beginnen die Woche erneut im Plus
Am Montag Vormittag bewegen sich die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt im Sog der steigenden US-Preise nach oben. Der Septemberkontrakt (neue Ernte) beginnt den Handel mit einem Aufschlag von 1,00 Euro bei 175,50 Euro/t. Der Dezember-Weizen wird am Montag Vormittag mit 177,75 Euro gehandelt und damit ebenfalls 1,00 Euro höher als am Freitag. Am vorigen Freitag (15.05) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt nach dem Preisanstieg vom Vortrag zunächst wieder etwas zurückgegangen.
 
Die neue Ernte (September) notiert bei 174,50 Euro/t und damit 1,50 Euro niedriger als am Vortag (176,0 Euro). Gegenüber der Vorwoche (173,25 Euro) haben die Weizenpreise an der MATIF damit 1,25 Euro bzw. 0,7% zugelegt. Der Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen ging mit 176,25 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (177,75 Euro) hatten die Preise um 0,6 % oder 1,0 Euro zugelegt. Gegenüber der Vorwoche (174,75 Euro) haben die Weizenpreise für den Dezembertermin damit um 1,50 Euro zugelegt. Im Vergleich zum Vorjahr (195,25 Euro) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt derzeit 20,75 Euro niedriger.
 
Weizenpreise am Kassamarkt gestiegen
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise in der letzten Woche gestiegen, auch wenn der physische Handel wegen des Feiertags am Ender der Woche eher gering war. Zum Beginn dieser Woche dürften die Weizenpreise wohl erneut den etwas festeren Terminmarktkursen nach oben folgen. Am Ende der vorigen Woche handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg durchschnittlich mit 178 Euro/t und damit 4 Euro höher als zum Beginn der Woche (174 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg  durchschnittlich 188 Euro/t geboten und damit ebenfalls 4 Euro höhere Preise als noch am Montag (184 Euro). Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise im Schnitt bei 223 Euro und damit ebenfalls 4 Euro hoher als zum Wochenbeginn (219 Euro). Gleichzeitig wurde Futterweizen in Hamburg mit 176 Euro notiert damit unverändert. Beim größten europäischen Exporteur Frankreich, wurde Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am vorigen Freitag mit 170 Euro/t gehandelt und damit sogar 8 Euro höher als zum Beginn der Woche mit 162 Euro .
 
Deutsche Exporte erreichen 8 Mio. t
Die wöchentlichen Exportverkäufe (Lizenzen) von Weizen aus der Europäischen Union in Drittländer waren in der aktuellen Abrechnungswoche wieder höher als in der Woche zuvor. Die EU-Kommission meldet für die Woche bis 12. Mai Exportverkäufe von 477. 000 t und damit eine Zunahme der Drittlandsverkäufe um 75 % gegenüber der Vorwoche (273. 000 t) jedoch geringere Ausfuhren als vor zwei Wochen (587.000 t).
 
Insgesamt haben die Europäer im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 allerdings schon 28,4 Mio. t Weichweizen in Drittländer verkauft und damit 2,74 Mio. t mehr als im bisherigen Rekordjahr 2013/14 mit 25,66 Mio. t. Die Gesamtausfuhrmenge Deutschlands liegt bereits bei 8,0 Mio. t, Frankreich verkaufte bislang 8,66 Mio. t, Rumänien 2,22 Mio. t Polen rund 1,94 Mio. t und Litauen 1,6 Mio. t Weizen in Drittländer.
 
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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