Login
Analyse

Weizenpreise suchen neuen Boden

von , am
04.05.2015

Noch haben die Weizenpreise keinen neuen Halt gefunden.

© landpixel
 
Noch haben die Weizenpreise keinen neuen Halt gefunden. Dabei drückten zuletzt die guten Ernteprognosen vom Schwarzen Meer sowie aus Europa und Kanada auf die Preise. Zudem rechnen viele Analysten mit einer vorzeitigen Kappung der russischen Exportzölle beim Weizen. Ausschlaggebend für den Preisdruck zum Monatswechsel waren jedoch die sehr schwachen Exportverkäufe der USA bzw. die massiven Stornierungen bereits getätigter Weizeneinkäufe durch Importeure von US-Weizen. Dagegen laufen die Exportverkäufe der Europäer weiterhin recht gut und Russland verkauft zuletzt beträchtliche Mengen (sehr) preiswerten Weizen der neuen Ernte nach Asien an traditionelle US-Abnehmer. Aus Deutschland berichten Händler für den Mai (alter Ernte) noch über beträchtliche Lieferverpflichtungen Richtung Iran, Algerien und Saudi-Arabien. Damit erfolgte Wettbewerb und die Preisfindung weiterhin vor allem über den Export. Nachteilig für die Europäer ist jedoch, dass der Euro in der letzten Woche etwa 3 % an Wert gewonnen hat und die Exporte damit deutlich verteuert.
 
Weizenpreise beginnen den Mai schwächer
Am Montag Vormittag geben die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt weiter nach. Die Kurse liegen 1,75 Euro im Minus bei 176,25 Euro/t. Die neue Ernte (September) wird am Montag Vormittag ebenfalls mit 174,25 Euro gehandelt und damit 1,50 Euro niedriger als am Vortag. Am letzten Handelstag im April (30.04) haben die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt leicht nachgegebenen. Der Maikontrakt für den MATIF-Weizen ging mit 178,0 Euro/t aus dem Handel. Gegenüber der Vorwoche (183,0 Euro) haben die Weizenpreise an der MATIF damit 5 Euro bzw. 2,8 % verloren. Die neue Ernte (September) notierte am letzten Handelstag im April (30.04) bei 176,25 Euro und damit  6,50 Euro niedriger als vor einer Woche (182,75 Euro). Gleichzeitig waren die Preise für die neue Weizenernte (September) 1,25 Euro niedriger als die Preise für den aktuellen Mai-Kontrakt. Im Vergleich zum Vorjahr (208,75 Euro) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt derzeit 30,75 Euro niedriger.
 
Weizenpreise am Kassamarkt gehen zurück
Am deutschen Kassamarkt hatten sich die Weizenpreise am letzten Handelstag im April (30.04) noch behauptet. Zum Wochenbeginn dürften die Kassapreise jedoch den schwächeren Terminmarktkursen weiter nach unten folgen. Am letzten Handelstag im April (30.04) handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg durchschnittlich mit 180 Euro/t und damit 5 Euro niedriger als eine Woche zuvor (185 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg kurz vor dem Monatswerchsel 190 Euro/t geboten und damit ebenfalls 5 Euro niedrigere Preise wie vor einer Woche (195 Euro). Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise im Schnitt bei 225 Euro und damit ebenfalls 5 Euro unter der Vorwochennotierung (230 Euro). Gleichzeitig wurde Futterweizen in Hamburg mit 178 Euro gehandelt und damit 5 Euro billiger als 8 Tage zuvor (183 Euro). Beim größten europäischen Exporteur Frankreich, wurde der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am heutigen Montag 165 Euro/t gehandelt und damit 5 Euro niedriger als vor einer Woche mit 170 Euro .
 
US-Exportpreise für Weizen fallen kräftig
An den US-Exporthäfen wurde der Chicago-Weizen Ende April (30.04) für 209 USD/t (Vw: 218 USD/t) verladen und damit 9 USD niedriger als eine Woche zuvor. Für den proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter lagen die Preisforderungen an den US-Exporthäfen bei 231 USD/t (Vw: 234 USD) und damit 3 USD niedriger als eine Woche zuvor. Die Exportpreise (fob) für die neue US-Ernte (August) lagen an den Exporthäfen beim Chicago Weizen (SRW) bei 209,5 USD/t (Vw: 214 USD) und beim Hard Red Winter bei 238 USD/t (Vw: 242) und damit 4 bis 5 USD niedriger als eine Woche zuvor. Gleichzeitig waren die Exportpreise für den neuerntigen Weizen der Sorte SRW ähnlich hoch wie die aktuellen Exportpreise, während die neue Ernte beim proteinreichen HRW rund 7 USD/t mehr kostet wie die aktuelle Verladung.
 
Deutsche Weizenexporte schon bei 7,6 Mio. t
Die wöchentlichen Exportverkäufe (Lizenzen) von Weizen aus der Europäischen Union in Drittländer waren in der aktuellen Abrechnungswoche etwa geringer als in den beiden Wochen zuvor. Die EU-Kommission meldet für die Woche bis 28. April Exportverkäufe von 587. 000 t und damit einen Rückgang der Drittlandsverkäufe von 14 % gegenüber der Vorwoche (679. 000 t) und auch weniger als vor zwei Wochen (741.000 t). Insgesamt haben die Europäer im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 bis jedoch schon 27,7 Mio. t Weichweizen in Drittländer verkauft und damit 2,6 Mio. t mehr als im bisherigen Rekordjahr 2013/14 mit 25,11 Mio. t. Die Gesamtausfuhrmenge Deutschlands liegt derzeit bei 7,6 Mio. t, Frankreich verkaufte bislang 8,47 Mio. t, Rumänien 2,22 Mio. t Polen rund 1,80 Mio. t und Litauen 1,6 Mio. t Weizen in Drittländer.
 
US-Weizen-Exporte brechen drastisch ein
Bei den wöchentlichen Exportverkäufen der USA von Weizen für das aktuelle Wirtschaftsjahr meldet das USDA in der letzten Woche den schlechtesten Wert seit Anfang der 90er Jahre. Grund waren massive Stornierungen (zu teuer) von bereits erfolgten Bestellungen. Per Saldo ergaben sich daraus für die letzte Abrechnungswoche Exportverkäufe (netto, abzüglich Stornierungen) für das Wirtschaftsjahr 2014/15 von Minus 449.200 t Weizen. Gleichzeitig wurden jedoch für das nächste Wirtschaftsjahr (neue Ernte) immerhin schon Verkäufe (Netto)von 853.000 t gemeldet. Insgesamt haben die USA im aktuellen Wirtschaftsjahr rund 23,2 Mio. t Weizen ins Ausland verkauft. Für das gesamte Wirtschaftsjahr 2014/15 erwartete das USDA bislang US-Weizenexporte von 23,95 Mio. t. Im vorigen Wirtschaftsjahr 2013/14 lag die US-Ausfuhrmenge zum aktuellen Termin bei 31,3 Mio. t und war damit 35 % oder 8,1 Mio. t größer.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
{BILD:634159:png} {BILD:634160:png}
Auch interessant