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Analyse

Weizenpreise am Terminmarkt gestiegen, am Kassamarkt nicht

von , am
05.06.2015

Die Weizenpreise sind an den Terminmärkten in Europa und den USA diese Woche kräftig gestiegen.

© landpixel
 
Die Weizenpreise sind an den Terminmärkten in Europa und den USA diese Woche kräftig gestiegen. Hauptursache für den Preisanstieg waren die Erwartungen an eine witterungsbedingt kleinere und qualitätsmäßig schwächere Weizenernte in den USA. Vor diesem Hintergrund haben die Analysten der US-Firma Informa Economics diese Woche ihre Erwartungen an die kurz bevorstehende US-Weizenernte bereits reduziert und die Rallye weietr angeheizt. Auch beim derzeit drittgrößten Exporteur Kanada beeinträchtigen Spätfröste und zu trockenes Wetter das Wachstum des dort dominierenden Sommerweizens (ebenso wie von Canola).
 
Die Einschätzung des USDA in welchen Umfang das Wetter das Weizenangebot in den USA und weltweit in reduziert hat, werden die Märkte am kommenden Mittwoch Abend mit dem neuen USDA-Report erfahren. Die FAO hatte am Donnerstag die Erwartungen an die neue globale Weizenernte 2015/16 jedenfalls noch einmal nach oben gesetzt und gleichzeitig ihren globalen Preisindex für Getreide (Exportpreise) auf den tiefsten Stand seit Juli 2010 gesenkt.
 
Weizenpreis am Terminmarkt gestiegen
Am europäischen Terminmarkt sind die Weizenpreise (nach eine kräftigen Rückgang zum Ende der Vorwoche) im Verlauf dieser Woche erneut um gut 2 % von 182,25 auf 186,25 Euro (Septemberkontrakt) gestiegen. Am Freitag Nachmittag (14:00 MEZ) lagen die Weizenpreise mit 186,25 Euro im Vergleich zum Vortag knapp 2 Euro im Plus. Einen ähnlich kräftigen Anstieg der europäischen Weizenpreise wie in den USA (diese Woche 6,4 %), hat vor allem der sehr feste Euro verhindert, denn die steigenden Europreise (gegenüber dem Dollar) verteuern den europäischen Weizen an den Exportmärkten und verbessern die Wettbewerbsposition der USA und auch Russlands.
 
Vor diesem Hintergrund haben sich die Weizenpreise in der aktuellen Woche am deutschen Kassamarkt fast kaum verändert. Angesichts der um gut 2 % gestiegenen Terminmarktpreise besteht für die Weizenpreis am Kassamarkt jedoch durchaus noch Luft nach oben. Dabei unterscheiden sich die aktuell im deutschen Großhandel geboten Brotweizen-Preise (Juni) kaum von den Preisvorstellungen für die neue Ernte.
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Weizenpreise an den Exporthäfen kaum verändert
Am Freitag (05.06.) handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg durchschnittlich mit 184 Euro/t. Das war (trotz der gestiegenen Terminmarkpreise) ein ähnlicher Preis wie zum Wochenbeginn und auch wie in der vorigen Woche. Mitte Mai waren die Brotweizenpreise in Hamburg zweitweise allerdings auf 173 Euro abgesackt und damit rund 11 Euro unter das derzeitige Niveau. Die Preisangebote für die neue Ernte (September) liegen derzeit auf ähnlichem Niveau wie die aktuellen Preise. Vor einem Jahr (Juni 2014) lagen die Preise für den Brotweizen in Hamburg bei 193 Euro und 9 Euro höher als in diesem Jahr.
 
Prämien für E-Weizen schrumpfen 
Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg am Freitag durchschnittlich 194 Euro/t geboten und damit ein ähnlicher Preis wie zum Wochenbeginn und etwa 3 Euro niedrige Preise wie in der vorigen Woche. Vor einem Jahr (Juni 2014) lagen die Preise für A-Weizen in Hamburg bei 195 Euro und damit ähnlich hoch wie in diesem Jahr. Die Preisangebote für die neue Ernte (September) liegen ebenfalls auf ähnlichem Niveau wie die aktuellen Preise.
 
Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise am Freitag im Schnitt bei 224 Euro und damit ebenfalls etwa so hoch wie zum Beginn der Woche und 2 bis 3 Euro niedrige Preise als in der vorigen Woche. Die Preisangebote für die neue Ernte (September) lagen zuletzt bei etwa 210 bis 212 Euro (und damit anders als bei Brot- und A-Weizen) deutlich 10 bis 12 Euro unter den aktuell (Juni) an den Exporthäfen noch gebotenen Preisen (Juni). Vor einem Jahr (Juni 2014) lagen die Preise für E-Weizen in Hamburg bei 205 Euro und damit rund 20 Euro niedriger als die aktuellen Preise.
 
Preise in Frankreich niedriger als vorige Woche
Gleichzeitig wurde Futterweizen in Hamburg am Exporthafen in Hamburg am Freitag mit 179 Euro gehandelte und damit rund 1 Euro teuer wie zum Wochenbeginn jedoch 1 bis 1 Euro niedriger als in der vorigen Woche. Die Preisangebote für Futterweizen der neuen Ernte liegen in Hamburg auf einem ähnlichen Niveau wie die aktuellen Preise. Beim größten europäischen Exporteur Frankreich, wurde für Brotweizen der neuen Ernte mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am heutigen Freitag 177 Euro geboten. Das waren 2 Euro niedrigere Preise als vor einer Woche (179 Euro). .
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Weizenpreise im Osten zuletzt kaum verändert
In Ostdeutschland verlief die Entwicklung der Preise für Weizen ähnlich wie an den Exporthäfen. Ende der aktuellen Woche meldete man aus Sachsen für Brotweizen mit 12 % Protein Großhandelspreise von 164 Euro und für A-Weizen mit 13 % Protein wurden 174 Euro notiert. Damit waren die Preise im Wochenverlauf ebenfalls stabil und im Vergleich zur Vorwoche meist 2 bis 3 Euro niedriger. Die Preismeldung aus Brandenburg für Brotweizen mit 12 % Protein lag bei 162,50 Euro und für A-Weizen mit 13 % Protein bei 172,50 Euro. In Thüringen (Erfurt) notierte man für Brotweizen mit 12 % Protein 165 Euro bis 170 Euro. Am Großmarkt in Halle (Sachsen-Anhalt) meldete man für Brotweizen mit 12 % Protein 165 Euro.
 
Stabile Preise bei Brotweizenpreise in Niedersachsen
Aus Niedersachsen wurden in Mitte dieser Woche für Brotweizen mit 12 % Protein Angebotspreise von durchschnittlich 170 Euro notiert. Fob-Mittellandkanal lagen die Brotweizenpreise etwa bei 175 Euro und die Angebote für die neue Ernte bewegten sich auf ähnlichem Niveau. Für A-Weizen mit 13 % Protein lagen die Preise in Niedersachsen etwa bei 187 Euro und für E-Weizen mit 14 % Protein bei 225 Euro. Für die neue Ernte wurden für A-Weizen Preise von rund 175 Euro geboten und für E-Weizen 205 Euro (-20 Euro).
 
Im Süden Abschläge für Qualitätsweizen
Vom süddeutschen Großmarkt in München wurden in Mitte der Woche für Brotweizen mit 11,5 % Protein Preise von 165 Euro bis 172 Euro gemeldet. Ex-ernte lagen die Preisvorstellungen hier bei 165 bis 168 Euro und damit auf einem etwas niedrigeren Niveau. Für A-Weizen mit mindestens 13 % Protein lagen die aktuellen Preisangebote in München in einer sehr weiten Spanne zwischen 180 Euro und 190 Euro. Für die neue Ernte wurden in München für A-Weizen Preise allerdings nur noch Preise von 170 bis 175 geboten (-10 bsi 15 Euro). Futterweizen wurden aktuell in München mit 157 Euro bis 164 Euro gehandelt.
 
Dr. Olaf Zinke
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