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Analyse

Wettbewerb im Export zieht Weizenpreise nach unten

von , am
01.06.2015

In Europa sind die Weizenpreise in der vorigen Woche kräftig gefallen.

An der Matif notierte der Weizen gestern wieder bei über 170 Euro je Tonne. © hapo/landpixel
 
In Europa sind die Weizenpreise in der vorigen Woche kräftig gefallen. In den USA gaben die Weizenpreise jedoch noch weitaus stärker nach als in Europa. Am europäischen Kassamarkt folgten die Weizenpreise den deutlich nach unten korrigierten Terminmarktkuren weitaus langsamer nach unten. Dabei hat vor allem der Druck von den Exportmärkten noch einmal kräftig zugenommen, denn Russland verkauft den Weizen der neuen Ernte noch einmal zu deutlich niedrigen Preisen als man nach der Aufhebung der Exportzölle verlangt hatte. Dabei gelten auch für die neue russische Ernte Exportregelungen. Diese fallen jedoch bei dem aktuellen sehr niedrigen Preisniveau fast nicht ins Gewicht. Druck auf die Weizenpreise kam auch von der neuen Ernteprogose des Internationalen Getreiderates der die erwarteten Weizenernten in Russland und der Ukraine, sowie in der Europäischen Union und in China nach oben korrigierte hatte.
 
Zu den russischen Exportpreisen und den neuen russischen Exportzöllen:
https://agrarmanager.agrarheute.com/s/aegypten-weizenauktion-29-mai-15
 
Weizenpreise im Wochenvergleich 6,50 Euro gefallen
Am Montag Mittag (01.06) können sich die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt zunächst etwas von den Verlusten vom vorigen Freitag erholen. Der Septemberkontrakt (neue Ernte) beginnt den Handel mit einem leichten Plus von 0,75 Euro bei 176,75 Euro/t. Am vorigen Freitag (29.05) haben  die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt jedoch deutlich nachgegeben. Der Septembertermin (neue Ernte) notiert am Freitag bei 176,0 Euro/t und damit 3,00 Euro niedriger als am Vortag (179,0 Euro). Gegenüber der Vorwoche (182,50 Euro) sind die Weizenpreise an der MATIF damit um 6,50 Euro bzw. 3,6 % gefallen.
 
Der Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen ging am Freitag mit 177,75 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (180,25 Euro) hatten die Preise am Freitag um 1,4 % oder 2,5 Euro nachgegeben. Gegenüber der Vorwoche (184,0 Euro) haben die Weizenpreise für den Dezembertermin um 6,25 Euro bzw. 3,4 % nachgegeben. Im Vergleich zum Vorjahr (190,75 Euro) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt derzeit 14,75 Euro niedriger.
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Weizenpreise am Kassamarkt könnten noch nachgeben
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise in der letzten Woche im Vergleich zu den Terminmarktpreisen nur moderat zurückgegangen und dürften deshalb am heutigen Montag noch einmal nachgeben. Am Ende der vorigen Woche (29.05) handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg durchschnittlich mit 184 Euro/t und damit nur 2 Euro niedriger als eine Woche zuvor (186 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg am vorigen Freitag durchschnittlich 194 Euro/t geboten und damit ebenfalls 2 Euro niedrigere Preise als eine Woche zuvor (196 Euro). Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise im Schnitt bei 224 Euro und damit ebenfalls 2 Euro niedriger als eine Woche zuvor (226 Euro).
 
Gleichzeitig handelte man Futterweizen am vorigen Freitag in Hamburg mit 179 Euro damit 1 Euro niedriger als eine Woche zuvor (180 Euro). Beim größten europäischen Weizenexporteur Frankreich, wurde Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen zum Beginn der aktuelle Woche (01.06) mit 172 Euro/t gehandelt und damit 5 Euro niedriger als eine Woche davor (177 Euro) .
 
Europäische Exporte zuletzt etwas schwächer
Die wöchentlichen Exportverkäufe (Lizenzen) von Weizen aus der Europäischen Union in Drittländer hatten sich in der letzten Abrechnungswoche deutlich abgeschwächt. Die EU-Kommission meldet für die Woche bis 26. Mai Exportverkäufe von 228. 000 t und damit eine Abnahme der wöchentlichen Drittlandsverkäufe von 65 % gegenüber der Vorwoche (650. 000 t).
 
Aus Deutschland wurde in der letzten Abrechnungswoche (erstmals in diesem Wirtschaftsjahr) kein Weizen in Drittländer verkauft, aus Frankreich gingen 183.000 t Weizen in Drittländer. Insgesamt haben die Europäer im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 jedoch bereits die Rekordmenge von 29,3 Mio. t Weichweizen in Drittländer verkauft und damit 2,9 Mio. t mehr als im bisherigen Rekordjahr 2013/14 mit 26,4 Mio. t. Die Gesamtausfuhrmenge Deutschlands liegt bei 8,2 Mio. t, Frankreich verkaufte bislang 9,1 Mio. t, Rumänien 2,3 Mio. t Polen rund 1,99 Mio. t und Litauen 1,6 Mio. t Weizen in Drittländer.
 
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US-Exportpreise letzte Woche kräftig gefallen
An den US-Exporthäfen wurde der Chicago-Weizen am vorigen Freitag (29.05) für 205 USD/t (Vw: 219 USD/t) verladen und damit 14 USD preiswerter als eine Woche zuvor. Für den proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter lagen die Preisforderungen an den US-Exporthäfen bei 233 USD/t (Vw: 246 USD) und damit 13 USD niedriger als eine Woche zuvor. Die Exportpreise (fob) für die neue US-Ernte (August) lagen an den Exporthäfen beim Chicago Weizen (SRW) bei 205 USD/t (Vw: 216 USD) und beim proteinreichen Hard Red Winter bei 236 USD/t (Vw: 249) und damit nochmals 11 bzw. 13 USD niedriger als eine Woche zuvor. Gleichzeitig waren die Exportpreise für den neuerntigen Chicago-Weizen ähnlich hoch wie die aktuellen Exportpreise, während die neue Ernte beim proteinreichen HRW 3 USD mehr kostete wie die aktuelle Verladung.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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