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Analyse

Zweitgrößte europäische Weizenernte erwartet

von , am
05.05.2015

Zum Monatswechsel hat die EU-Kommission ihre Prognose zur neuen europäischen Weizenernte 2015 sowie die Eckdaten zum europäischen Markt aktualisiert.

An der Matif notierte der Weizen gestern wieder bei über 170 Euro je Tonne. © hapo/landpixel
 
Zum Monatswechsel hat die EU-Kommission ihre Prognose zur neuen europäischen Weizenernte 2015 sowie die Eckdaten zum europäischen Weizenmarkt aktualisiert. Im Vergleich zur letzten Prognose von Ende März haben die EU-Experten die Erwartungen leicht nach oben gesetzt. Ein Grund für die nach oben korrigierte Ernteschätzung sind die weiter verbesserten Produktionserwartungen für Frankreich, Deutschland und für das Vereinigte Königreich. Den für das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 erwarteten Weizenexport hat die Kommission auf dem hohen Niveau der vorigen Prognose belassen, jedoch bleiben die Ausfuhren damit niedriger als die Rekordausfuhren im aktuellen Wirtschaftsjahr. Trotz der im Vergleich zum Vorjahr kleineren Weizenernte wachsen die Endbestände 2015 nochmals an, allerdings nicht so kräftig wie in der vorigen Prognose erwartet wurde. Gleichzeitig stimmt die Ernteschätzung der Kommission sehr gut mit der Ernteerwartung der Analysten von Strategie Grains überein.
 
Zweitgrößte Weichweizenernte scheint möglich
Die neue europäische Weichweizenernte 2015 schätzt die Kommission zum Monatswechsel auf 141,6 Mio. t. Im Vergleich zur Märzprognose (141,1 Mio. t) ist dies ein Anstieg der Erntemenge um 0,5 Mio. t. Gegenüber der Rekord-Ernte aus dem letzten Jahr (2014) von 148,2 Mio. t wäre die neue Ernte 2015 damit 6,6 Mio. t oder 4,5 % kleiner. Gleichzeitig wäre die Ernte 2015 größer als die bisher zweitgrößte europäische Ernte aus dem Jahr 2008 (139,4) und damit die zweitgrößte Weichweizenernte überhaupt. Die aktuelle Anbaufläche von Weichweizen veranschlagt die Kommission in der Ende April auf 24,22 Mio. ha und damit 0,11 Mio. ha größer als bei der März-Schätzung (24,11 Mio. ha). Im Vergleich zur Weizenfläche im letzten Jahr (24,46 Mio. t) wäre dies ein Rückgang von 0,24 Mio. ha oder 1 %. Die Anbauflächen der letzten 15 Jahre davor (jeweils unter 24,0 Mio. ha) würden jedoch durchweg übertroffen. Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hatte die Ernte Mitte April auf 141,4 Mio. t geschätzt und damit 1,0 Mio. t größer als bei der letzten Schätzung und nur 0,2 Mio. t kleiner als die Kommission. Die Anbaufläche für Weichweizen veranschlagte Strategie Grains auf 24,0 Mio. ha und damit ebenfalls geringfügig kleiner als die Kommission.
 
Weniger Weizenexporte, mehr Bestände, reichlich Futterweizen
Bei den Weizenexporten erwartet die Kommission im nächsten Wirtschaftsjahr 2015/16 einen spürbaren Rückgang, dennoch bleiben die europäischen Ausfuhren im langfristigen Vergleich sehr hoch. Mit geschätzten 27,1 Mio. t wäre die erwartete Exportmenge rund 3,9 Mio. t bzw. 13 % kleiner als die für die laufende Saison unterstellen Rekord-Ausfuhren von 31,0 Mio. t und unverändert zur vorigen Prognose. (Strategie Grains erwartet für das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 Exporte von 31,2 Mio. t). Trotz der kleineren Ernte nehmen die Endbestände von 13,1 Mio. t im laufenden Wirtschaftsjahr auf 15,0 Mio. t in der nächsten Saison zu. Das wäre ein Zuwachs von 15 % oder 1,9 Mio. t. Vor vier Wochen hatte die Kommission allerdings noch ein deutlich stärkeres Bestandswachstum auf 16,2 Mio. t erwartet. Grund für die Korrektur ist der höhere Verbrauch von Futterweizen, der anstelle von 50 Mio. t (Märzprognose) nun 51,5 Mio. betragen sollen. Damit ist der erwartete Futterverbrauch nur noch 0,4 Mio. t kleiner als im aktuellen Wirtschaftsjahr (51,9 Mio. t).
 
Frankreich mit Rekordernte, Deutschland mit zweitgrößter Ernte
Für Frankreich, den größten Weizenproduzenten der EU, schätzt die Kommission die Produktion von Weichweizen derzeit auf 38,5 Mio. t. Das wären nicht nur 1,0 Mio. t mehr als zur im sehr guten letzten Jahr (37,5 Mio. t) und 0,2 Mio. t mehr als zur Märzprognose (38,3 Mio. t) sondern die bislang größte französische Weichweizen-Ernte überhaupt. Strategie Grains hatte Mitte April eine französische Weichweizenernte von 37,8 Mio. t erwartet. Für Deutschland erwarteten die Experten der Kommission in der aktuellen Prognose eine Weizenernte von 26,6 Mio. t. Im Vergleich zur Weizenernte von 2014 (27,7 Mio. t) wäre die aktuell für 2015 erwartete deutsche Produktion 1,1 Mio. t oder 4,0 % kleiner und die Kommissions-Schätzung von März (26,4 Mio. t) würde um 0,2 Mio. t übertroffen. Strategie Grains hatte die deutsche Weichweizenernte Mitte April auf 26,1 Mio. t geschätzt und damit ebenfalls kleiner.
 
Ernten in UK und Polen nach oben korrigiert
Die Weizenernte im Vereinigten Königreich soll nach der aktuellen Prognose der EU-Kommission eine Größenordnung von 15,7 Mio. t erreichen. Das wäre im Vergleich zur Ernte 2014 (16,6 Mio. t) ein Rückgang von 0,9 Mio. t oder 4,4 % . Die Kommissions-Schätzung von März (14,9 Mio. t) wird allerdings sehr deutlich um 0,8 Mio. t übertroffen. Strategie Grains hatte die Weizenernte für das Vereinigte Königreich Mitte April auf 15,1 Mio. t geschätzt. Die Nummer vier unter den europäischen Weizenproduzenten ist Polen. Bei unseren östlichen Nachbarn geht die Kommission aktuell von einer Weizenernte von rund 10,5 Mio. t aus, nach nur 9,8 Mio. t bei der vorigen Schätzung. Damit wäre die neue polnische Ernte nur noch 1,1 Mio. t kleiner als 2014 (11,6 Mio. t). Die aktuelle Schätzung von Strategie Grains für Polen liegt bei 10,7 Mio. t. Für Rumänien erwartet die Kommission derzeit eine Weichweizenernte von 6,6 Mio. t (März: 6,8 Mio. t) und damit 1,1 Mio. t weniger als 2014 mit 7,7 Mio. t. Strategie Grains rechnet für Rumänien mit 6,8 Mio. t.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter Markt
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