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Analyse

Zweitgrößte europäische Weizenernte, Riesenbestände

von , am
30.09.2015

Ende September hat die EU-Kommission ihre Prognose zur europäischen Weizenernte 2015 deutlich angehoben

© Doctorbest/fotolia.com
 
 
Ende September hat die EU-Kommission ihre Prognose zur europäischen Weizenernte 2015 sehr deutlich angehoben. Dabei wurden die Weizenernten für Frankreich, Deutschland sowie für Ungarn kräftig nach oben gesetzt. Demgegenüber blieben die Prognosen für das Vereinigte Königreich und auch für  Polen zunächst unverändert, obwohl Analysten auch von dort höhere Ernten meldeten. Damit sind wohl auch im nächsten Monat noch Aufwärtskorrekturen der europäischen Weizenernte möglich.
 
Den für das laufende Wirtschaftsjahr 2015/16 erwarteten Weizenexport hat die Kommission gegenüber der vorigen Prognose unverändert gelassen. Dafür ging es mit den erwarteten Endbeständen (trotz der kleineren Ernte) kräftig nach oben, so dass diese sogar deutlich größer sind als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr.
 
Zweitgrößte Europäische Weizenernte
Die europäische Weichweizenernte 2015 veranschlagte die EU-Kommission Ende September auf 144,6 Mio. t. Im Vergleich zur Augustprognose (140,6 Mio. t) wäre die Erntemenge damit 4,0 Mio. t oder knapp 2,8 % größer. Die Rekordernte vom letzten Jahr (2014) von 148,8 Mio. t würde mit der jetzt erwarteten Produktion um 4,2 Mio. t oder rund 2,8 % verfehlt.
 
Dennoch wäre die Erntemenge 2015 nun deutlich größer als die bislang zweitgrößte europäische Weichweizenernte aus dem Jahr 2008 (139,4 Mio. t) und zudem die zweite europäische Weichweizen-Ernte über 140 Mio. t. Zusammen mit einer Hartweizen-Produktion von knapp 8,0 Mio. t summiert sich die europäische Gesamt-Weizenernte auf 152,6 Mio. t.
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Analysten sehen noch größere Ernte
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hatte die Weizenernte Mitte September sogar auf 147,5 Mio. t veranschlagt und damit 3,5 Mio. t größer als bei der vorigen Schätzung und 2,9 Mio. t größer als die Kommission. Die aktuelle Schätzung des Getreidehändlers ADM/Töpfer liegt mit 147,9 Mio. t am oberen Ende der Prognose und zudem 3,3 Mio. t über der aktuellen Kommissions-Prognose und nicht mehr weit von der Rekordernte aus dem Vorjahr entfernt.  
 
Weizenexporte deutlich  kleiner als 2014
Bei den Weizenexporten erwartet die Kommission im Wirtschaftsjahr 2015/16 weiterhin einen deutlichen Rückgang. Diese Annahme wird auch durch die laufenden Ausfuhrdaten bestätigt. Dennoch wären die europäischen Weizenexporte im langfristigen Vergleich weiterhin sehr hoch.
 
Im September rechnet die Kommission für das Wirtschaftsjahr 2015/16 mit Exporten von 27,9 Mio. t Weichweizen und erwartet die Ausfuhren im Vergleich zum Vormonat (27,9) unverändert. Gleichzeitig wäre die für das Wirtschaftsjahr 2015/16 erwartete Exportmenge von Weichweizen rund 5,4 Mio. t bzw. 14 % kleiner als die Rekord-Ausfuhren aus dem zurückliegenden Wirtschaftsjahr (33,3 Mio. t).
 
Bestände wachsen sehr kräftig
Wegen der rückläufigen Exporte und der nach oben korrigierten Ernte sollen die Endbestände am Ende des Wirtschaftsjahres 2015/16 bei etwa 14,5 Mio. t liegen und damit sogar 3,5 Mio. t größer sein als am Ende der zurückliegenden Saison mit knapp 11,0 Mio. t. Vor vier Wochen hatte die Kommission  (wegen der kleineren Ernte) noch mit Endbeständen von 10,6 Mio. t gerechnet.
 
Den Verbrauch von Futterweizen erwartet die Kommission für 2015/16 bei 52,0 Mio. t und damit ähnlich hoch wie vor vier Wochen (52,0), jedoch 0,4 Mio. t kleiner als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr (52,4 Mio. t).
 
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Weizenpreise in Deutschland höher als 2014
Am deutschen Exporthafen in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein zum Monatswechsel (30.09)  mit 174 Euro und damit 3 Euro höher als vor vier Wochen (171 Euro) und 11 Euro höher als vor einem Jahr (163 Euro).
 
Für A-Weizen mit 13 % Protein werden derzeit in Hamburg 180 Euro geboten und damit 4 Euro mehr als vor vier Wochen (176 Euro) und 14 Euro mehr als vor einem Jahr (166 Euro). Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise bei etwa 189 Euro und damit 3 Euro höher als vor vier Wochen (186 Euro) und 13 Euro höher als vor einem Jahr (176 Euro).
 
Beim größten europäischen Weizen-Exporteur Frankreich, wurde der Brotweizen der neuen Ernte (mit 11 % Protein), am wichtigsten Handelsplatz in Rouen, mit 158 Euro je t gehandelt und damit 7 Euro höher als in vor vier Wochen (151 Euro) und genau so hoch wie im vorigen Jahr (158 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke
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