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Analyse

Welt/Zucker: Globaler Überschuss lässt Zuckerpreise abstürzen

von , am
18.09.2014

Die globale Zuckerproduktion und damit auch das Angebot am Weltmarkt wird im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 wohl größer ausfallen als zunächst erwartet.

© agrar-press
Die globale Zuckerproduktion und damit auch das Angebot an Rohzucker wird am Weltmarkt im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 (Oktober/September) wohl größer ausfallen als zunächst erwartet. Davon geht jetzt auch das australische Landwirtschaftsamt ABARES in einer aktuellen Einschätzung zur Entwicklung am internationalen Zuckermarkt aus. Dabei hat ABARES seine Produktionsprognose im Vergleich zu seiner letzten Schätzung (Juni) für eine ganze Reihe von Ländern nach oben gesetzt. Die stärkste Wirkung auf den Markt und die Preise hatte dabei sicherlich die Aufwärtskorrektur für den mit Abstand größten globalen Exporteur Brasilien. Aber auch für Thailand (Rekordernte) sowie für die EU, für Indien und für Russland sowie die Ukraine setzte ABARES die erwarteten Produktionsmengen nach oben. Die Folge dieser Aufwärtskorrekturen ist nicht nur ein erneuter globaler Produktionsüberschuss sondern auch kräftiger Absturz der Weltmarktpreise um rund 30 Prozent auf den tiefsten Stand seit mehr als 5 Jahren (2009).
 
Produktion übersteigt Verbrauch, Bestände wachsen weiter
Die globale Zuckerproduktion wird nach Einschätzung von ABARES im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 (Oktober/September) im Vergleich zum letzten Jahr um etwa 1,0 Mio. t auf auf 183,7 Mio. t zunehmen. Im Vergleich zur Junischätzung von ABARES von 179,9 Mio. t wäre die erwartete Produktionsmenge damit fast 4,0 Mio. t größer. Der bisherige Produktionsrekord aus dem Jahr 2012 von 185,3 Mio. t wird im neuen Wirtschaftsjahr jedoch knapp verfehlt. Dennoch würde die Produktionsmenge das fünfte Jahr in Folge über dem Verbrauch liegen. Dabei nimmt der erwartete Verbrauch jedoch schneller zu als die Produktion und steigt um knapp 4 Mio. t auf 182,5 Mio. t (Juni: 179,6 Mio. t) an. Damit beträgt der erwartete Produktionsüberschuss nur noch 1,2 Mio. t, nach 4,0 Mio. t im letzten Jahr. Dennoch wachsen die globalen Bestände von 79,8 Mio. t auf den neuen Rekordstand von 81,0 Mio. t. Das entspricht etwa 44,4 % der Verbrauchsmenge. Der Welthandel mit Rohzucker soll im Vergleich zum letzten Jahr um 0,6 Mio. t auf 59,2 Mio. t (Juni: nur 56,2 Mio. t) zunehmen, bleibt damit jedoch unter dem bisherigen Handelsrekord von 2012/13 mit 61,1 Mio. t.
 
Brasiliens Ernte wird größer als erwartet
Die Aussichten auf eine deutlich bessere globale Marktversorgung mit Rohzucker haben die Zuckerpreise am Weltmarkt bereits seit der Jahresmitte heftig unter Druck gesetzt. Zum Beginn des Jahres hatten die Erwartungen an eine witterungsbedingt (Trockenheit) deutlich kleinere Zuckerernte beim mit Abstand größten Exporteur Brasilien die Zuckerpreise am Weltmarkt zunächst kräftig nach oben getrieben. Brasilien exportiert mehr als zwei Drittel seiner Produktion und ist für fast die Hälfte der globalen Handelsmenge verantwortlich. Derzeit schätzen die Experten von ABARES die aktuelle brasilianische Ernte auf 39,3 Mio. t, nach 40,2 Mio. t im letzten Jahr. Im Juni waren die Analysten von ABARES wegen der Trockenheit in der wichtigsten Anbauregion Zentralsüd-Brasilien (Center South) noch von einer Produktion von 38,0 Mio. t Zucker für Brasilien ausgegangen.
 
Rekordernte in Thailand, hohe Prognosen für die EU und Indien
Für den zweitgrößten globalen Exporteur Thailand liegt die Produktionserwartung von ABARES im September auf dem neuen Rekordwert von 12,2 Mio. t, nach einer erwarteten Ernte von 10,9 Mio. t im Juni und 11,6 Mio. t im vorigen Jahr. Die thailändische Exportmenge dürfte damit ebenfalls auf einem Rekordwert von deutlich über 8,0 Mio. t (Vj. 7,5 Mio. t) steigen. Für die Europäische Union liegt die von ABARES im September erwartete Produktion bei 18,0 Mio. t, nach 17,1 Mio. t in der Junischätzung und nur 16,6 Mio. t im vorigen Jahr. Grund für den Produktionsanstieg ist die Anbauausweitung in Deutschland und Frankreich und die relativ hohen Erträge. Für Indien wurde die erwartete Produktionsmenge wegen des guten Monsuns im September auf 27,3 Mio. t nach oben gesetzt, nach 26,0 Mio. t in der Junischätzung und einer Produktion von 26,3 Mio. t im letzten Jahr. Die russische Ernte wird von ABARES auf 5,0 Mio. t veranschlagt, nach 4,6 Mio. t in der Junischätzung und 4,4 Mio. t im Vorjahr. Die chinesische Produktion hat ABARES im September unverändert zur Juniprognose bei 14,0 Mio. t belassen und damit etwas kleiner als im letzten Jahr (14,4 Mio. t).
 
Weltmarktpreise fallen um 30 Prozent auf 5Jahrestief
Wegen des zunächst deutlich stärker erwarteten Produktionsrückgangs für Brasilien stiegen die Weltmarktpreise für Zucker am internationalen Terminmarkt (Sugar #11) in Chicago von Januar bis März 2014 um etwa 18 % auf rund 18,80 US-Ct/lb und behaupteten sich dann bis etwa Ende Juni auf diesem hohen Niveau. Wegen der über den über den ursprünglichen Erwartungen liegenden Ernteergebnisse in Brasilien und der die erwartete Rekordernte in Thailand sind Zuckerpreise am Terminmarkt in Chicago dann im Juli zunächst um 12 % gefallen und im August gaben die Kurse um weitere 6 % nach. Mit dem immer besseren Ernte- und Exportprognosen verloren die Zuckerpreise am Terminmarkt dann bis Mitte September nochmals 13 % und rutschten auf 13,50 Ct/lb. Das war die niedrigsten globalen Zuckerpreis (Sugar #11) seit März 2009 also seit mehr als 5 Jahren. Von Juni 2014 bis September 2014 sind die Zuckerpreise um rund 30 % gefallen. Mitte September gab es eine moderate Preiserholung um etwa 3 % auf 13,9 Ct/lb.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass.com
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