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Analyse

Welt/Zucker: Weltmarkt gut versorgt, Überschuss schrumpft

von , am
27.05.2014

Die globale Zuckerproduktion übersteigt den Verbrauch auch im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 deutlich.

© landpixel
 
Die globale Zuckerproduktion übersteigt den Verbrauch auch im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 deutlich. Allerdings schrumpft der Überschuss. Ursache ist, dass die Produktion stagniert, während der globale Verbrauch zunimmt. Dennoch wäre 2014/15 das fünfte Jahr in Folge mit einem Produktionsüberschuss und die globalen Zuckerbestände bleiben sehr hoch. Diese Daten liefert das US-Landwirtschaftsministerium in seinem halbjährlichen Marktüberblick zum globalen Zuckermarkt. Die Zuckerpreise sind am Weltmarkt im ersten Quartal 2014 zunächst um rund 15 % gestiegen, haben zuletzt aber wieder moderat nachgegeben.
 
Produktion stagniert, Verbrauch wächst
Für das neue Wirtschaftsjahr 2014/15 geht das USDA in seiner aktuellen Prognose von einer relativ stabilen globalen Zuckerproduktion von 175,6 Mio. t aus. Im letzten Wirtschaftsjahr 2013/14 lag die Produktionsmenge bei 175, 7 Mio. t und vor zwei Jahren (2012/13) wurde die bisherige Rekordmenge von 177,48 Mio. t erzeugt. Damit übersteigt die Produktion auch im neuen Wirtschaftsjahr den Verbrauch, wächst aber nicht weiter. Gleichzeitig nimmt die Verbrauchsmenge weiter zu und könnte 2014/15 den neuen Rekordwert von 170,5 Mio. t erreichen, nach einem Verbrauch von 167,5 Mio. t im letzten Jahr. Die globalen Zucker-Bestände schrumpfen um etwa 1,0 Mio. t auf 44,4 Mio. t. Das ist immer noch der zweithöchste jemals erreichte Stand. Vor fünf Jahren (2009/10) lag die globale Bestandsmenge lediglich bei 28 Mio. t. Die weltweite Handelsmenge bleibt 2014/15 mit 55,2 Mio. t nahezu stabil (Vj. 55,9 Mio. t)
 
Brasilien mit etwas kleinerer Ernte
Der für den Weltmarkt wichtigste Zuckerproduzent und Exporteur ist Brasilien. Allerdings fällt die brasilianische Produktion 2014 /15 witterungsbedingt (Trockenheit) etwa 1,0 Mio. t kleiner aus als im Vorjahr. Von der für 2014/15 auf 36,8 Mio. t geschätzten Zuckerproduktion Brasiliens wird etwa die Hälfte für die Herstellung von Bioethanol verwendet. Die andere Hälfte wird als Nahrungszucker (11,3 Mio. t) verbraucht oder exportiert. Mit einer Exportmenge von 25,2 Mio. t erwartet das USDA die brasilianischen Ausfuhren ebenfalls rund 1,0 (Vj. 26,2 Mio. t) kleiner als im letzten Jahr. Die Exporte Brasiliens machen beinahe die Hälfte der globalen Gesamtexporte (55,2 Mio. t) aus, die insgesamt fast stabil bleiben.
 
Indien mit ausgeglichenem Markt
Beim zweitgrößten globalen Zuckerproduzenten Indien, erwartet das USDA für 2014/15 eine moderate Zunahme um 0,9 Mio. t auf etwa 27,9 Mio. t. Damit könnte der indische Verbrauch von geschätzten 27,0 Mio. t durch die eigene Produktion gedeckt werden. Indien ist vor der EU (18,5 Mio. t), China (17,4 Mio. t), Brasilien (11,4 Mio. t) und den USA (10,6 Mio. t), der mit Abstand größte Zuckerkonsument der Welt. Außerdem sind die indischen Zuckerbestände mit 9,8 Mio. t (Vj. 10,4 Mio. t) die höchsten der Welt. Das USDA rechnet wegen der relativ guten Marktversorgung Indiens mit rund 1,5 Mio. t Zuckerexporten.
 
EU-Produktion nimmt zu, Importe stabil
Drittgrößer Zucker-Produzent nach Brasilien und Indien ist die EU. Mit rund 16,3 Mio. t nimmt die erwartete europäische Produktionsmenge gegenüber dem letzten Jahr (16,1) um 0,2 Mio. t zu. Gründe sind eine moderate Anbauausweitung und etwas höhere Erträge. Dennoch verfehlt die europäische Zuckerproduktion den relativ stabilen Verbrauch von 18,3 Mio. t um rund 2 Mio. t. Die europäischen Importe sollen nach Einschätzung des USDA relativ stabil bei 3,75 Mio. t liegen. Der europäische Export von Zucker wird durch die WTO-Auflagen (wie im Vorjahr) auf 1,5 Mio. t begrenzt. Vor drei Jahren (2011/12) lag die Ausfuhrmenge noch bei 2,3 Mio. t und vor zwei Jahren (2012/13) bei 1,6 Mio. t. Die europäischen Endbestände sollen 2014/15 leicht von 3,5 Mio. t auf 3,75 Mio. t wachsen.
 
Thailand weitet Exporte aus
Einen moderaten Produktionsrückgang um 0,39 Mio. t auf 11,0 Mio. t erwartet das USDA für den zweitgrößten globalen Zuckerexporteur Thailand. Dennoch nimmt die Exportmenge der Thailänder von 7,5 Mio. t Mio. t auf 8,3 Mio. t zu und das südostasiatische Land baut seine Position als zweitgrößter Zuckerexporteur nach Brasilien weiter aus. Für China, den weltweit viertgrößten Zuckerproduzenten, erwarten die Analysten des USDA ebenfalls einen moderaten Produktionsrückgang um 0,65 Mio. t auf 13,7 Mio. t. Der chinesische Verbrauch liegt bei 17,4 Mio. t und ist damit fast 1 Mio. t größer als vor einem Jahr (16,5 Mio. t). Gleichzeitig verfügt China mit 8,0 Mio. t über die nach Indien zweitgrößten Zuckerbestände der Welt. Die für 2014/15 erwartete chinesische Importmenge liegt bei 3,3 Mio. t nach 3,9 Mio. t im Jahr 2013/14.
 
Russland mit stabilen Importen
Für Russland erwartet das USDA im Jahr 2014/15 eine relativ stabile Produktion von 4,4 Mio. t (Vj. Ebenfalls 4,4 Mio. t). Vor zwei Jahren erzeugten die Russen allerdings noch 5,0 Mio. t und vor drei Jahren sogar 5,5 Mio. t. Der russische Verbrauch soll nach Meinung des USDA leicht von 5,6 Mio. t auf 5,5 Mio. t zurückgehen. Gleichzeitig rechnet man mit stabilen russischen Importen von 1,1 Mio. t. Die Produktion in der Ukraine wird mit 1,6 Mio. t rund 0,3 Mio. t größer erwartet als 2013 aber deutlich kleiner als vor zwei Jahren (2,4 Mio. t).
 
Zuckerpreise etwa auf Vorjahresniveau
Von Januar bis März 2014 ist der internationale Zuckerpreis um gut 15 % gestiegen, dann aber wieder moderat zurückgegangen. Im Vergleich zum April 2014 waren die Weltmarktpreise fast ähnlich hoch. In der EU sind die Importpreise für Zucker bereits seit Herbst 2013 relativ stabil. Gleichzeitig sind die Weltmarktpreise seit Herbst 2012 wieder niedriger als die Preise in der EU. Im April 2014 lagen die Weltmarktpreise für Zucker etwa bei 38,82 US-Ct/kg. Gleichzeitig kostete der Zucker bim Import auf den EU-Binnenmarkt (Importpreise) 45,11 US-Ct/kg und war damit 16 % teurer als am Weltmarkt.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass.com
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