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Analyse

Zucker/EU: Etwas größere Produktion, Zuckerpreise gestiegen

von , am
18.04.2014

Die europäische Zuckerproduktion könnte im nächsten Wirtschaftsjahr 2014/15 etwas größer ausfallen als 2013/14.

© monregard/fotolia.com
 
Die europäische Zuckerproduktion könnte im nächsten Wirtschaftsjahr 2014/15 etwas größer ausfallen als 2013/14. Hauptgrund für den moderaten Produktionsanstieg ist eine Ausweitung der Anbaufläche in Deutschland. Ein Jahr zuvor wurde die deutsche Anbaufläche allerdings drastisch reduziert. Grund hierfür waren die sehr großen Zuckerbestände. In den meisten übrigen Mitgliedsstaaten bleibt die Anbaufläche bis zum Ende des Quotensystems im Jahr 2017 relativ stabil. Die europäischen Zuckerpreise (Importpreise) waren im März 2014 rund 7 % höher als vor einem Jahr und lagen zudem auf dem höchsten Stand seit August 2011. Am Weltmarkt sind die Preise für Rohzucker nach einem deutlichen Rückgang von Oktober bis Januar seitdem ebenfalls wieder kräftig um 15 % gestiegen.
 
Anbauausweitung in Deutschland
in einer aktuellen Analyse des europäischen Zuckermarktes geht das US-Landwirtschaftsministerium auf Basis von Daten der Kommission von einer Zunahme der Anbaufläche für Zuckerrüben in der EU aus. In der neuen Saison 2014/15 soll die Anbaufläche um rund 45.800 ha auf 1,623 Mio. wachsen. Im vorigen Jahr war die Anbaufläche allerdings um insgesamt 63.800 ha auf 1,577 Mio. ha geschrumpft. Grund für den Rückgang war vor allem die starke Einschränkung des Anbaus in Deutschland von 402.100 Hektar auf 358.000. In diesem Jahr soll die deutsche Anbaufläche wieder bei 380.000 ha liegen und damit rund 22.000 ha größer sein. Grund für den Anbaurückgang in Deutschland waren die sehr großen Zuckerbestände zum Ende des Wirtschaftsjahres 2012/13. Für Frankreich ermittelte das USDA für 2014 eine relativ stabile Anbaufläche von 393.000 ha (Vj. 393.000). In Polen ist die Anbaufläche mit 190.000 ha (Vj. 185.000) etwas größer und im Vereinigten Königreich sind die Flächen mit 116.000 ha (VJ. 121.000) etwas kleiner.
 
Produktion deckt bei weitem nicht den Bedarf
Die europäische Produktion von Rohzucker schätzt das USDA für die neue Saison 2014/15 auf 16,3 Mio. t. Gegenüber der Produktion aus dem Wirtschaftsjahr 2013/14 von 16,1 Mio. t wäre dies ein moderater Produktionsanstieg von 0,2 Mio. t. Im Wirtschaftsjahr 2012/13 lag die europäische Produktion von Rohzucker bei 16,66 Mio. t und damit knapp 0,4 Mio. t höher als für das aktuelle Jahr erwartet wird. Der Verbrauch von Zucker in der EU erreichte 2013/14 eine Größenordnung von 18,3 Mio. t und lag damit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Für das nächste Wirtschaftsjahr 2014/15 wird ein moderater Zuwachs auf 18,5 Mio. t erwartet. Insgesamt liegt die Verbrauchsmenge damit rund 2,2 Mio. t unter der Produktion. Im aktuellen Wirtschaftsjahr 2013/14 sind die EU-Zuckerbestände um 0,2 Mio. t auf 3,78 Mio. t geschrumpft.
 
Import zuletzt hinter den Erwartungen
Die Importe von Rohzucker sind im aktuellen Wirtschaftsjahr 2013/14 trotz einer Ausweitung der Importquoten (unter anderem auf die Ukraine) kleiner als im Vorjahr. Ursache sind vor allem die hinter den Erwartungen bleibenden Lieferungen aus Brasilien. Diese Entwicklung hält bislang auch die Preise am EU-Binnenmarkt oben – deutlich über dem aktuellen Weltmarkpreis. Die Erwartungen an den Import von Rohzucker im laufenden Wirtschaftsjahr 2013/14 liegen bei 3,5 Mio. t und damit deutlich unter den Werten des Vorjahres (3,935 Mio. t). Im kommenden Wirtschaftsjahr werden vom USDA wieder deutlich größere EU-Importe von 3,75 Mio. t Rohzucker erwartet. Der europäische Export von Rohzucker liegt 2013/14 - wegen der WTO Exportbeschränkungen und Auflagen - nur noch 1,5 Mio. t und damit rund 0,11 Mio. t unter dem Vorjahreswert. Für 2014/15 wird mit 1,5 Mio. t eine ähnlich große Exportmenge erwartet.
 
EU-Zucker derzeit deutlich teurer als am Weltmarkt
Am Weltmarkt sind die Zuckerpreise von ihrer letzten Preisspitzen im Oktober 2013 bis Januar 2014 zunächst um rund 16 % auf 34,46 US-Ct/kg gefallen. Danach sind die Zuckerpreise bis März wieder um knapp 15 % auf 39,46 US-Ct/kg gestiegen. Dennoch liegen die Weltmarktpreise derzeit immer noch deutlich unter den Preisen am europäischen Markt. Im März 2014 kostete Rohzucker an den internationalen Märkten gut 13 % weniger als am EU-Binnenmarkt (45,14 US-Ct/kg). Außerdem waren die europäischen Zuckerpreise (Importpreise) im März 2014 rund 7 % höher als vor einem Jahr und lagen zudem auf dem höchsten Stand seit August 2011. Anderseits sind die europäischen Preise im Vergleich zu dem deutlich stärker schwankenden Weltmarkt seit Mitte des Jahres 2013 relativ stabil. Am europäischen Terminmarkt (London) geht man für die nächsten Monate eher von steigenden Preisen für Rohzucker aus, während man am Weltmarkt derzeit eher eine stabile Preisentwicklung erwartet.
 
Dr. Olaf Zinke / Marktanalyst dlv
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