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Analyse

Zuckerwirtschaft: Besorgnis trotz Rekorderträgen

von , am
10.04.2015

Die Freude über die Zuckerrüben-Rekorderträge der Kampagne 2014/15 wird durch die von der EU-Kommission beschlossenen Einfuhrmaßnahmen für Zucker getrübt. Die Börsenpreise für Zucker sinken seit Ende Januar kontinuierlich.

Die Rübenanlieferung stieg um knapp 36 Prozent auf 28,9 Mio. t, während der Zuckergehalt unwesentlich unter dem Vorjahreswert lag. © Mühlhausen/landpixel
Das Wirtschaftsjahr 2014/15 gilt als Rekordjahr für die deutsche Zuckerwirtschaft. Wie die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) mitteilte, weist der Kampagne-Schlussbericht eine Zuckererzeugung von 4,49 Mio. t aus, das ist ein Anstieg um rund 1 Mio. t beziehungsweise 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Zuckertrag erreichte 13,3 t/ha. Die Rübenanlieferung stieg um knapp 36 Prozent auf 28,9 Mio. t, während der Zuckergehalt der Rüben mit 17,33 Prozent nur unwesentlich unter dem Vorjahreswert lag.
 
„Noch nie war der Zuckerertrag so hoch wie in dieser Kampagne. Das ist für Rübenanbauer und Zuckerindustrie eigentlich sehr erfreulich“, so der WVZ-Vorsitzende Dr. Hans-Jörg Gebhard. Die optimale Ausprägung aller ertragsbestimmenden Faktoren in einem Jahr sei selten und habe zu dieser Rekordernte geführt.
 
Preisverfall durch Einfuhrmaßnahmen
 
Allerdings werde die Freude über die hohe Zuckererzeugung durch die schwierige Lage am Zuckermarkt getrübt. „Die große Ernte hat in Kombination mit den von der Kommission in den zurückliegenden Jahren beschlossenen Einfuhrmaßnahmen zu einem für den Sektor existenziell bedrohlichen Preisverfall geführt“, erklärte Gebhard. Die Börsenpreise für Zucker geben seit Ende Januar stetig nach. Während am 22. Januar noch knapp 16 US-Ct/lb (entspricht etwa 33 Ct/kg) erreicht wurden, so sind die Preise bis Anfang April um etwa 20 Prozent auf 12,82 US-Ct/lb (entspricht 27 Ct/kg) gesunken.
 
Die aktuelle Entwicklung stelle für den Sektor die größte Herausforderung der letzten Jahrzehnte dar, so der WVZ-Vorsitzende. Es sei deshalb nicht hinnehmbar, dass die EU der Zuckerwirtschaft eine weltweit einmalige Liberalisierung des Marktes abverlange, ihr aber in der derzeit schwierigen Lage jegliche Unterstützung verweigere.
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