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Börse in Chicago will Handelszeiten verkürzen

von , am
01.02.2013

Die weltweit größte Terminbörse für Agrarprodukte in Chicago, will ihre Handelszeiten für Getreide und Ölsaaten wieder reduzieren. Außerdem denkt man offenbar über eine Handelsunterbrechung, nach der Veröffentlichung der für die Marktentwicklung maßgeblichen USDA-Reports nach.

© kk artworks/fotolia
 
Die weltweit größte Terminbörse für Agrarprodukte in Chicago, die CME, der auch die Getreidebörse CBOT gehört, will ihre Handelszeiten für Getreide und Ölsaaten wieder reduzieren. Vor wenigen Monaten, im Mai letzten Jahres, hatte die CME den Terminhandel von 17 auf 21 Stunden ausgeweitet. Außerdem denkt man offenbar über eine Handelsunterbrechung, nach der Veröffentlichung der für die Marktentwicklung maßgeblichen USDA-Reports nach.
 
Befragung bildet Grundlage
Grundlage für diese Entscheidung ist eine umfassende Befragung der handelnden Industrieunternehmen, teilte ein Börsensprecher diese Woche mit. Die Befragung habe ergeben, dass die Unternehmen mehrheitlich für eine Kürzung der Handelszeiten plädieren. Die Rücknahme der erst im Mai letzten Jahres gemachten und bereits damals kontrovers diskutierten Handelsverlängerung, muss allerdings noch von der Commodity Futures Trading Commission bestätigt werden.
 
Handelsstopp nach USDA-Report
Offenbar wird außerdem auch über ein Aussetzten des Handels (Handelsstopp), nach der Veröffentlichung des für die Marktentwicklung entscheidenden USDA-Monatsreports nachgedacht. Dessen Veröffentlichung wurde zum Beginn des neuen Jahres von 8:30 auf 12:00 (Washingtoner Zeit) nach hinten verlegt. Damit wurde die Reaktionszeit auf die neuen Daten deutlich verkürzt.
 
In den letzten Monaten kam es nach der Veröffentlichung des USDA-Reports immer wieder zu heftigen Preisausschlägen, die aber nicht selten nach einiger Zeit wieder korrigiert wurden. Dabei ist die Entscheidung über einen Handelstopp offenbar noch offen. Während einige wichtige Entscheidungsträger der CME im Anhalten des Handels keinen Sinn sehen, war die offizielle Meinung der CME, eher auf ein Stopp des Handels nach Veröffentlichung der USDA-Daten ausgerichtet.
 
ICE will nichts ändern
Ein Sprecher des Konkurrenzunternehmens Interkontinental-Exchange (ICE), mit Sitz in Atlanta, wo neben Canola unter anderem Weizen, Durum und Gerste gehandelt werden, gab zeitgleich bekannt, dass man nicht vorhat die längeren Handelszeiten zu verkürzen oder zu verändern. Auch ein Anhalten des Handels nach der Veröffentlichung des USDA-Report ist nicht geplant.
 
Getreidehändler wollen Handelsstopp
Die Nationale Vereinigung der Getreide- und Futterhändler der USA, die mehr als 70 % des gesamten US-Getreidehandels repräsentiert, gab in einer Stellungnahme bekannt, dass die geplanten Maßnahmen der CME ein erster positiver Schritt in Richtung einer Reduzierung der Handelszeiten sind. Die Getreidehändler befürchten zudem, einen wachsenden Einfluss von Hochfrequenzhändlern im Getreidesektor und befürworten deshalb eine Aussetzung des Handels nach Veröffentlichung des USDA-Reports.
 
Kaum Handelsverluste erwartet
Der Meinung der Getreidehändler schlossen sich auch zahlreiche Broker an, die zudem auch Verluste von Handelsvolumen der CME an die ICE für nicht sehr wahrscheinlich halten. Im letzte Jahr (2012) wurden an der die CBOT (die seit 1877 besteht) 73 Mio. Maiskontrakte, 52 Mio. Sojakontrakte, und 27 Mio. Weizenkontrakte gehandelt. An der ICE, lag das Handelsvolumen im letzten Jahr bei 0,46 Mio. Kontrakten für den insgesamt gehandelten Getreide und Ölsaatenarten.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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