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Briten ernten viel mehr Weizen und Gerste als erwartet

von , am
14.10.2015

Die Weizenernte im Vereinigten Königreichs war in diesem Jahr deutlich größer als von vielen Analysten und auch der EU-Kommission erwartet wurde.

© Mühlhausen/landpixel
 
Die Weizenernte im Vereinigten Königreichs war in diesem Jahr deutlich größer als von vielen Analysten und auch der EU-Kommission erwartet wurde. Auch die Gerstenernte liegt deutlich über den bisherigen Schätzungen und könnte sogar die größte Ernte seit 1997 also seit 18 Jahren. Die Folgen wären sowohl bei Weizen als auch bei Gerste ein relativ großer Exportüberschuss im Vereinigten Königreich, zumal die Ernten bei beiden Kulturen bereits im vorigen Jahr sehr groß waren. Der Import von Weizen dürfte hingegen deutlich zurückgehen.
 
Im vergangenen Wirtschaftsjahr hatte Deutschland knapp 0,5 Mio. t Weizen in das in Vereinigte Königreich verkauft. Dabei sind die Weizen-Qualitäten in diesem Jahr besser als im vorigen Jahr und die Qualität der Gerste ist ähnlich. Der Proteingehalt für den Weizen wird mit 11,9% angegeben nach nur 11,3 % im Vorjahr und 11,8 % im langjährigen Mittel. Die Fallzahlen liegen bei 293 (Vj: 308) und das spezifische Gewicht bei 78,8 kg(hl (Vj: 77,1). Das zeigen die Erntedaten und die ersten Marktbilanz die das Getreideamt (HGCA) des Vereinigten Königreichs diese Woche vorgelegt hat.
 
Weizenernte deutlich größer als erwartet
Die Weizenernte wird vom vom britischen Getreide-Amt dieses Jahr auf 16,1 Mio. t veranschlagt und damit fast 1,0 Mio. t größer als zuletzt von der EU-Kommission mit etwa 15,2 Mio. t erwartet wurde. Gleichzeitig wäre die Produktionsmenge nur 0,35 Mio. t oder 2 % kleiner als die sehr große Ernte von 16,45 Mio. t aus dem vorigen Jahr. Die sehr kleine Ernte 2013 von 11,8 Mio. t würde immerhin um 4,3 Mio. t oder 36 % übertroffen und die Ernte 2012 von 13,3 Mio.t würde man ebenfalls um 2,8 Mio. t hinter sich lassen. Mehr Weizen ernteten die britischen Farmer nach 2014 (16,45) zuletzt im Spitzenjahr 2008 mit 17,2 Mio. t.
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Importbedarf geht weiter zurück
Den Importbedarf des Vereinigten Königreichs (vor allem von Qualitätsweizen) veranschlagt das britische Getreide-Amt für das Wirtschaftsjahr 2015/16 auf nur noch 1,2 Mio. t und damit rund 0,44 Mio. t kleiner als im vorigen Wirtschaftsjahr (1,6 Mio. t) und sogar 1,0 Mio. t kleiner als vor zwei Jahren (2,2 Mio. t). Im vorigen Wirtschaftsjahr kamen 0,46 Mio. t bzw. 29 % der britischen Weizen-Importe aus Deutschland und 0,32 Mio. t aus Frankreich. Vor zwei Jahren lieferten die Deutschen 0,6 Mio. t bzw. 27 % der Importe und Frankreich 0,38 Mio. t.
 
Reichlich Weizen für den Export
Der Weizenexport aus dem Vereinigten Königreich lag im vorigen Wirtschaftsjahr bei 1,9 Mio. t und vor zwei Jahren bei 0,4 Mio. t. Die Endbestände wurden für das zurückliegende Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 2,4 Mio. t angegeben und damit deutlich höher als im Wirtschaftsjahr 2013/14 mit nur 1,56 Mio. t. Zusammen mit der großen Ernte dürften die sehr großen Bestände aus dem vorigen Wirtschaftsjahr zu einem erheblich größeren Exportbedarf der Briten führen.
 
Der erwartete Inlandsverbrauch liegt nämlich nur bei etwa 14,6 Mio. t und damit 1,5 Mio. t unter der Produktion und etwa 5,15 Mio. t (Vj: 4,4 Mio. t) unter dem Gesamtangebot (19,75 Mio. t) einschließlich Beständen und Importen. Den Verbrauch von Futterweizen schätzt das Getreideamt im aktuellen Wirtschaftsjahr auf 7,2 Mio. t nach 7,1 Mio. t im vorigen Jahr und 6,3 Mio. t vor zwei Jahren.
 
Größte Gerstenernte seit 1997
Die Gerstenernte wird vom britischen Getreide-Amt dieses Jahr auf 7,3 Mio. t veranschlagt und damit fast 0,7 Mio. t größer als zuletzt von der EU-Kommission (und anderen Analysten) mit etwa 6,6 Mio. t erwartet wurde. Gleichzeitig wäre die Produktionsmenge 0,3 Mio. t oder 5 % größer als die Ernte von 6,9 Mio. t aus dem vorigen Jahr. Die sehr gute Ernte 2013 von 7,1 Mio. t würde um 0,2 Mio. t übertroffen und die Ernte 2012 von 5,5 Mio.t würde man um 1,8 Mio. t hinter sich lassen. Mehr Gerste ernteten die britischen Farmer zuletzt im Jahr 1997 mit 7,8 Mio. t.
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Hoher Überschuss an Futtergerste
Der Gerstenexport aus dem Vereinigten Königreich lag im vorigen Wirtschaftsjahr bei 1,5 Mio. t und vor zwei Jahren bei 1,2 Mio. t. Die Endbestände wurden für das zurückliegende Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 1,46 Mio. t angegeben und damit etwas höher als im Wirtschaftsjahr 2013/14 mit 1,38 Mio. t. Zusammen mit der großen Ernte könnten die großen Bestände aus dem vorigen Wirtschaftsjahr zu größeren Gerstenexporten führen.
 
Der erwartete Inlandsverbrauch liegt bei etwa 5,4 Mio. t und damit 1,9 Mio. t unter der Produktion und 3,4 Mio. unter dem Gesamtangebot (8,8 Mio. t) einschließlich Beständen und Importen. Den Verbrauch von Futtergerste schätzt das Getreideamt im aktuellen Wirtschaftsjahr auf 3,3 Mio. t nach 3,3 Mio. t im vorigen Jahr und 5,7 Mio. t vor zwei Jahren
 
UK-Weizenpreise kaum höher als 2014
Am Terminmarkt in London kostet der dort gehandelte Futterweizen ( November) am 13 Oktober 117 GBP (umgerechnet 157 Euro) und damit 23 Euro weniger als die der Brotweizen in Europa an der MATIF mit 180 Euro. Im Vergleich zum vorigen Jahr (113 GBP / 152 Euro), waren die Preise für Futterweizen am Terminmarkt in London etwa 5 GPB höher. An der MATIF beträgt der Preisabstand zum Vorjahr derzeit immerhin 20 Euro und ist deutlich größer.
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Die aktuellen britischen Importpreise (cif) für Getreide aus der Europäischen Union liegen nach Angaben des britischen Getreideamtes (HGCA) für deutschen A-Weizen (13 % Protein) umgerechnet zwischen 200 Euro (Oktober) und 204 Euro/t (Dezember). Französischer Weizen (10,75 % Protein) wurde für den Oktober mit 195 Euro/t angeboten und Futterweizen aus Europa wurde für den Oktober mit 174 Euro notiert. Die Angebotspreise für europäische Futtergerste lagen an den britischen Importhäfen bei 168 Euro/t.
 
Dr. Olaf Zinke
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