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Deutsche Getreideernte deutlich kleiner als 2013

von , am
28.07.2014

Der Drusch von Gerste, Raps und Roggen ist in vielen Teilen abgeschlossen. Die erste Bilanz ist ernüchternd: Trockenheit im Frühsommer verhinderte im Nordosten und Südwesten Spitzenerträge.

© Burkhardt Trautsch/aboutpixel.de
Angesichts der bisherigen Getreide- und Rapserträge dürfte in etlichen Bundesländern Ernüchterung eingetreten sein. So bleiben nach ersten Erhebungen bei Landwirten beziehungsweise ersten vorläufigen Schätzungen Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen unter den Vorjahresergebnissen. Auch die Statistiker in Baden-Württemberg berichteten von nur unterdurchschnittlichen Erträgen.
 
Eine Getreideproduktion auf mittlerem Niveau zeichnete sich im Rheinland ab, während in Brandenburg die Ernteaussichten noch sehr unterschiedlich beurteilt werden. Leicht überdurchschnittlich fielen bisher die Druschergebnisse in Sachsen-Anhalt aus.
 

Thüringen: 11 Prozent weniger Halmgetreide

Nach Angaben des Thüringer Landesamtes für Statistik dürfte im Freistaat eine Halmgetreideernte von 2,3 Millionen Tonnen zusammenkommen, was einem Rückgang von 11 Prozent zum Vorjahr beziehungsweise 7 Prozent zum langjährigen Mittel entsprechen würde. Hauptursache für den Rückgang ist den Statistikern zufolge die überwiegend trockene Witterung in den vergangenen Monaten. Bei einer leicht reduzierten Fläche von 357.700 Hektar wird der Flächenertrag nach ihren Berechnungen mit 65 dt/ha voraussichtlich um 10 Prozent unter dem Wert von 2013 liegen.
 
Einen besonders deutlichen Dämpfer wird für Winterweizen erwartet, der im Schnitt nur 67 dt/ha und damit 9 dt/ha oder fast 12 Prozent weniger als im Vorjahr bringen soll. Insgesamt geht das Statistikamt von 1,5 Millionen Tonnen Winterweizen aus, verglichen mit 1,7 Millionen Tonnen im Jahr zuvor.
 
Für den Winterraps wird die mittlere Hektarleistung aktuell auf 36 Dezitonnen geschätzt, womit das Vorjahresniveau um 2 Prozent verfehlt würde. Die Behörde wies aber darauf hin, dass die aktuellen Prognosen auf Meldungen vom Juni basierten und daher je nach Witterungsverlauf durchaus noch Veränderungen bei den Ertragsschätzungen - auch nach oben - möglich seien.

Mecklenburg-Vorpommern: 300.000 Tonnen weniger

Laut Angaben des Statistischen Amtes Mecklenburg-Vorpommerns haben die ersten Erhebungen von mehr als 500 Landwirten aus allen Teilen des Landes  große regionale Abweichungen ergeben. Überwiegend hätten sich bei den einzelnen Getreidearten und beim Raps jedoch nur durchschnittliche Erträge gezeigt, die nicht selten unter den hervorragenden Vorjahreswerten lägen, berichtete die Behörde.
 
Nach ihrer Hochrechnung dürfte die diesjährige Getreideernte in Mecklenburg-Vorpommern mit rund 4,0 Millionen Tonnen um etwa 300.000 Tonnen kleiner ausfallen als 2013. Auch die Rapsernte soll mit geschätzten 0,97 Millionen Tonnen deutlich hinter dem Spitzenwert des Vorjahres von 1,1 Millionen Tonnen zurückbleiben.
 

Baden-Württemberg: 240.000 Tonnen weniger

Eher mäßige Erträge werden auch für die Getreideernte in Baden-Württemberg in Aussicht gestellt. Laut Angaben des Statistischen Landesamtes in Stuttgart wird der Halmgetreideertrag im Schnitt von den amtlichen Ernteberichterstattern aktuell auf 64,5 dt/ha geschätzt, womit sowohl das Sechsjahresmittel von 65,3 dt/ha als auch das sehr gute Vorjahresergebnis von 68,0 dt/ha unterschritten würde.
 
Lege man die vorläufigen Ergebnisse zum Getreideanbau aus der diesjährigen Bodennutzungshaupterhebung zugrunde, werde die Ernte etwa 2,86 Millionen Tonnen erreichen und um fast 240.000 Tonnen kleiner ausfallen als 2013, berichtete das Statistikamt. Bei Winterraps rechnen die Statistiker in Baden-Württemberg mit einem "guten" Durchschnittsertrag von 37 dt/ha, was ein leichtes Plus zumVorjahr bedeuten würde.
 

Rheinland: Durchschnittliche Ernte

Nach Einschätzung des Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau (BWV), Leo Blum, hatte in diesem Jahr bei den landwirtschaftlichen Kulturen in der Region die Chance auf eine "Jahrhunderternte" bestanden. Im Frühjahr hätten die Niederschläge allerdings nur 60 Prozent des langjährigen Durchschnittswertes erreicht, was für eine optimale Entwicklung der Bestände nicht ausgereicht habe. Blum ging deshalb beim diesjährigen Erntegespräch von einer insgesamt durchschnittlichen Ernte aus. Qualitätsprobleme erwartete er vor allem dort, wo sich anhaltende Trockenheit und Niederschläge abgewechselt hatten. Hier seien aufgrund von Zwiewuchs und Lagergetreide Qualitätsverluste zu befürchten.
 

Brandenburg bleibt hinter Vorjahresertrag

Der Drusch der Wintergerste ist zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen und hat mit durchschnittlich 71 dt/ha hervorragende Erträge gebracht, die das Vorjahresniveau um 13 Prozent übertroffen hätten, so der Landesbauernverband. Die Erträge beim Winterraps schätzt der Verband in diesem Jahr auf 39 dt/ha. Demnach lägen diese deutlich über dem fünfjährigen Mittel von 34 dt/ha und auch über dem Vorjahresergebnis von 37 dt/ha.
 
Vorsichtiger äußerte sich dagegen das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, das in seiner ersten Ernteschätzung auf Grundlage der im Juni erhobenen Meldungen für die Wintergerste einen durchschnittliche Ertrag von nur 58 dt/ha in Aussicht stellte, der damit klar hinter dem Vorjahreswert von 63 dt/ha zurückbleiben würde.
 
Bei Winterraps gehen die Statistiker aufgrund der Meldungen der Ernteberichterstatter von 34 dt/ha im Landesmittel aus. Die trockene Witterung könne zum Zeitpunkt der Erhebung im Juni zu einer Verzerrung der Schätzung geführt haben, berichtet AgraEurope. Im Rahmen der zweiten Ernteschätzung könnten sich daher noch Korrekturen nach oben ergeben.
 
Die Roggen-Aussaatfläche ist nach Angaben des brandenburgischen Landesbauernverbands in diesem Jahr um ein Fünftel oder 45.000 ha zurückgegangen.Weitere 25.000 ha seien schon als Grünroggen oder Ganzpflanzensilage geerntet worden, so dass nur noch 167.500 ha zum Korndrusch zur Verfügung stünden. Der ersten Ernteschätzung des Landesstatistikamtes zufolge dürfte die Brandenburger Roggenernte daher in diesem Jahr mit 784.000 t um rund 400.000 t kleiner ausfallen als 2013.
 

Sachsen-Anhalt: Leicht überdurchschnittliche Erträge

Wie der Bauernverband Sachsen-Anhalt mitteilte, hatten die Landwirte im Land die Ernte von Wintergerste zu Beginn der vergangenen Woche zumeist abgeschlossen und bei gutem Erntewetter mit dem Drusch von Raps, Roggen und Weizen begonnen. Die laufende Erhebung von Erntedaten aus den unterschiedlichen Regionen bestätigt nach Angaben des Verbandes die Vorernteschätzung, nach der in diesem Jahr leicht überdurchschnittliche Erträge zu erwarten sind. Beim Roggen seien in Abhängigkeit von den Niederschlägen auf den leichten Standorten im Osten des Landes auch geringere Durchschnittswerte möglich. Gute Erträge erwartet der Landesbauernverband allerdings für Raps, der nach seinen Angaben in diesemJahr auf etwa 17 Prozent derAckerfläche Sachsen-Anhalts wächst.

Hofreport aus Niedersachsen: Gerste im Lager, Raps verhagelt

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