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Erlöse deutlich stärker gefallen als die Kosten

von , am
24.06.2015

Die Schere zwischen Erlösen und Kosten in Landwirtschaft ist zuletzt deutlich auseinander gegangen.

© Frog 974/fotolia.com
 
Die langwirtschaftlichen Erzeugerpreise waren in Deutschland im April 2015 rund 12 % niedriger als im vorigen Jahr. Gleichzeitig sind die Einkaufpreise für landwirtschaftliche Betriebsmittel lediglich 3 % niedriger als im Jahr zuvor. Damit ist die Schere zwischen Erlösen und Kosten in der Landwirtschaft zuletzt deutlich auseinander gegangen.
 
Zwar sind die Erzeugerpreise seit dem letzten Tiefpunkt Anfang 2015 wieder leicht gestiegen, jedoch nicht für alle Produkte und zudem haben sich auch die Betriebsmittel im gleichen Zeitraum wieder verteuert. Allerdings ist der sehr kräftige Rückgang der Erzeugerpreise nicht auf den europäischen Binnenmarkt beschränkt, sondern beim Welthandel mit Agrarprodukten sind die Preise noch weitaus stärker gefallen als am europäischen Binnenmarkt.
 
Schwacher Euro verteuert Rohstoffimporte
Am Weltmarkt sind seit dem letzten Jahr jedoch auch die Preise für eine ganze Reihe wichtiger Produktions- und Betriebsmittel kräftig zurückgegangen. Dazu gehören Rohöl und Erdgas (Energie) sowie für Düngemittel und Kohle sowie Futtermittel (Soja und Sojaschrot) und zahlreiche wichtige Industriemetalle.
 
Allerdings kommt der kräftige Rückgang der globalen Rohstoffpreise in Europa nicht in vollem Umfang oder nur eingeschränkt zur Wirkung, denn der Wert des Euro ist gegenüber dem Dollar zweitweise um 25 % gefallen und die Importpreise für das am Weltmarkt in Dollar gekaufte Rohöl oder den Dünger haben sich entsprechend erhöht. Zuletzt hat der Euro zwar wieder etwas an Wert gewonnen, ist jedoch weiterhin deutlich niedriger als im letzten Jahr zur gleichen Zeit.
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Landwirtschaftliche Erzeugerpreise stark gefallen
In Deutschland waren die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise im April 2015 etwa 11,8 % niedriger als ein Jahr zuvor. Dabei lagen die Preise für pflanzliche Produkte 11,5 % unter dem Vorjahr und für tiereiche Erzeugnisse waren die Preise 12,0 % niedriger als ein Jahr zuvor. In der Tierproduktion war der Abstand zu den Vorjahrespreisen bei Milch mit gut 22,7 % besonders hoch und bei Schweinen waren die Preise knapp 9 % niedriger als im April des Vorjahres Lediglich bei Rindern und bei Eiern war ein leichtes Plus zum Vorjahr zu verzeichnen.
 
Im Pflanzenbau lagen die Getreidepreise im April 13,9 % unter dem Vorjahr, für Raps bekamen die Landwirte 8 % weniger und für Kartoffeln betrug der Preisrückgang im Vergleich zum Vorjahr 37,7 %. Damit waren die großen Produktionsbereiche besonders von den niedrigeren Preise betroffen, denn der Anteil der Milchprodukten an allen landwirtschaftlichen Verkaufserlösen lag im Jahr 2013 bei etwa 26 %, die Schweineproduktion steuerte 13 % zu den landwirtschaftlichen Verkaufserlösen bei, aus dem Rindersektor kamen 10 %. Der Anteil der Getreideproduktion an den landwirtschaftlichen Verkaufserlösen erreicht etwa 20 %, aus der Produktion von Ölsaaten kommen 5 % und aus der Produktion von Kartoffeln knapp 3 %.
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Futtermittelpreise kräftig gefallen, Dünger etwas teurer
Die Preise für landwirtschaftliche Betriebsmittel waren bei der letzten Erhebung des Statistischen Bundesamtes im April 2015 lediglich 2,8 % niedriger als im Jahr zuvor. Bei den landwirtschaftlichen Verbrauchsgütern betrug der Preisrückgang 4,0 %. Der deutlichste Rückgang (neben den Energiepreisen) war dabei bei den zugekauften Futtermittel (Mischfutter, Einzelfutter) zu beobachten. Diese kosteten infolge der kräftig gefallenen Weltmarktpreise zwischen 6,8 % und 15,5 % weniger als im Vorjahr. Deutlich wird allerdings, dass durch den schwachen Euro einen Teil des Preisrückgangs am Weltmarkt nicht am europäischen Binnenmarkt wirksam werden konnte.
 
Ähnlich war die Entwicklung bei Düngemitteln, für die die Landwirte in Deutschland im April 2015 rund 3,3 % höhere Preise zahlen mussten als 2014. Nach den Daten der Weltbank waren die Düngemittelpreise (Index) am Weltmarkt (in USD) im Durchschnitt 5 % niedriger als vor einem Jahr.

Treibstoffkosten gefallen, Strompreise unverändert
Einen großen Kostenblock bilden mit einem Anteil von etwa 13 % der landwirtschaftlichen Gesamtkosten, die Kosten für Energie, Strom und für Treibstoff. Hier waren die Kosten für die deutschen Landwirte im April 2015 rund 7,7 % niedriger als ein Jahr zuvor. Ursache sind die zwischen 40 % und 55 % gefallen Preise für Erdgas und Rohöl am Weltmarkt sowie ein Preisrückgang von 20 % bei Kohle. Diese sehr kräftigen Preisrückgänge haben trotz des schwachen Euro auch zu einem Rückgang der Importpreise für Energie geführt. Deshalb waren auch die Preise für Treibstoffe in der Landwirtschaft im April 2015 rund 11,3 % niedriger als 2014.
 
Eine wichtige Energieart bei der sich die Kosten in Deutschland kaum verändert haben, sind hingegen die Strompreise. Diese sind in Deutschland in etwa so hoch sind wie im letzten Jahr. Unverändert zum letzten Jahr waren die Preise für Saat- und Pflanzgut und auch Veterinärleistungen kosteten ebenfalls so viel wie 2014.
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Preise für Investitionsgüter  gestiegen
Um etwa 1,0 % gestiegen sind die Kosten für landwirtschaftliche Investitionen in Dienstleistungen, Maschinen und Bauten. Dieser Kostenblock macht etwa 26 % bzw. gut ein Viertel der landwirtschaftlichen Gesamtkosten aus und die Preise ändern sich anders als bei den Verbrauchsgütern langfristig nur relativ langsam. Einen Preis-Anstieg von 1,6 % verzeichnete man in diesem Bereich bei den Preisen für landwirtschaftliche Bauten. Außerdem sind die Preise für landwirtschaftliche Maschinen und Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 % bis 1,1 % gestiegen.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
 
Eine ausführliche Analyse zur Entwicklung der Betriebsmittelpreise finden Sie in der aktuellen Ausgabe (07/2015) des Agrarmanagers.
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