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EU vereinbart Agrar-Freihandel mit Vietnam

von , am
05.08.2015

Die Europäische Union und Vietnam haben sich auf Grundzüge eines Freihandelsabkommens (FTA) geeinigt. Der Agrarhandel soll weitgehend liberalisiert werden.

© Fotolia/BE und W
EU-Außenhandelskommissarin Cecilia Malmström und der vietnamesische Handelsminister Vu Huy Hoang räumten letzte Stolpersteine gestern in einem ausführlichen Telefonat aus. Nun sollen die Rechtstexte nach zweieinhalb Jahren intensiver Verhandlungen bis zum Jahresende ausformuliert sein.
 
Das Abkommen sieht einen weitreichenden Zollabbau zwischen den beiden Partnern vor. Im Bereich der Landwirtschaft verbessert sich der Marktzugang für EU-Exporteure vor allem für Wein, Spirituosen, Bier, Fleisch und Molkereiprodukte. So wird Vietnam seinen Markt für Molkereiprodukte innerhalb von fünf Jahren nach Inkrafttreten des Abkommens für EU-Einfuhren liberalisieren. Beim Rindfleisch beträgt die Übergangsfrist bis zum vollständigen Zollabbau drei Jahre und für gefrorenes Schweinefleisch sieben Jahre. Für Geflügel ist die Frist mit zehn Jahren etwas länger, während es bei Wein und Spirituosen ebenfalls sieben Jahre sind.
 
Für wenige, besonders sensible Märkte wie Zucker und Eier wurden Ausnahmen vereinbart. Umgekehrt erleichtert auch die EU den vietnamesischen Lieferanten den Zugang zum Binnenmarkt. Allerdings gelten auch in diese Richtung für einige sensible Erzeugnisse wie Reis, Süßmais, Knoblauch, Pilze, Zucker, zuckerreiche Produkte, Maniokstärke, Dosenthunfisch und Surimi zollgeschützte Einfuhrkontingente.

Hogan zufrieden

EU-Agrarkommissar Phil Hogan äußerte sich erfreut über die Grundsatzeinigung. Die EU habe für den Agrarhandel ein gutes Abkommen erreicht, vor allem bei den Zöllen, den geschützten Ursprungsangaben und den Herkunftsvorschriften, betonte Hogan. So anerkennt Vietnam geschützte geographische Angaben für eine Reihe von EU-Produkten in vollem Umfang.

Rasantes Wachstum

Der Agrarhandel zwischen der EU und Vietnam, das eines der wirtschaftlich erfolgreichsten Länder Asiens ist, hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Die EU-Agrarexporte wuchsen von 502 Mio. Euro in 2010 auf 813 Mio. Euro im vergangenen Jahr. Hauptumsatzträger waren Abfälle der Lebensmittelindustrie sowie Mühlen- und Molkereiprodukte, aber auch Fleisch und genießbare Innereien.
 
Vietnam steigerte seine Lieferungen in die Europäische Union im gleichen Zeitraum von 1,10 Mrd. Euro auf 1,87 Mrd. Euro, ist also Nettoexporteur. Mit Abstand wichtigste Produktgruppe waren Kaffee, Tee und Gewürze, gefolgt von Früchten und Nüssen, die zusammen 89 Prozent der EU-Agrareinfuhren aus Vietnam ausmachten.
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