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Frankreich: Rekordernte bei Weizen, Einbruch bei Mais

von , am
11.08.2015

Die fast abgeschlossene Weizenernte Frankreichs erreicht trotz der schwierigen Witterungsbedingungen wohl doch einen neuen Rekordwert.

© Stefan Rampfel/landpixel
 
Die fast abgeschlossene Weizenernte Frankreichs erreicht trotz der schwierigen Witterungsbedingungen wohl doch einen neuen Rekordwert. Das hatten die meisten Analysten nicht mehr erwartet. Dafür bricht die Maisernte beim größten europäischen Produzenten und Exporteur sehr kräftig ein und fällt auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2006. Die Wintergerstenernte ist hingegen deutlich größer als im letzten Jahr und die Sommergerstenernte deutlich kleiner. Auch die französische Rapsernte verfehlt das Vorjahresergebnis (wie erwartet) sehr deutlich. Das meldet diese Woche das französische Landwirtschaftsministerium Agreste in seiner zweiten Einschätzung zur Getreideernte 2015.
 
Weizen-Ernte erreicht doch Rekordwert
Die Anfang August fast abgeschlossene französische Weichweizenernte schätzt Agreste auf den neuen Rekordwert von 39,3 Mio. t und damit trotz der widrigen Witterungsverhältnisse deutlich größer als noch vor vier Wochen mit 37,9 Mio. t. Die sehr gute Ernte au dem Vorjahr von 37,4 Mio. t wird um 4,7 % oder 1,9 Mio. t übertroffen. Die durchschnittlichen Erträge werden für die Ernte 2015 auf 76,1 dt/ha veranschlagt und damit höher als noch vor vier Wochen mit 73,4 dt/ha erwartet wurden. Im vorigen Jahr ernteten die französischen Landwirte immerhin 74,8 dt/ ha und damit ebenfalls weniger. Allerdings befindet sich die Anbaufläche 2015 mit 5,16 Mio. ha, nach 5,01 Mio. ha im Jahr 2014, auf einem neuen Rekordstand.
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Die Analysten von Strategie Grains hatten die französische Weichweizen-Ernte im Juli auf 37,8 Mio. t nach unten geschätzt und die EU-Kommission war Ende Juli noch von 38,1 Mio. t ausgegangenen. Letzte Woche hatten allerdings auch die französischen Marktanalysten von Agritel die erwartete Erntemenge wegen der sehr guten Erträge von 37,0 Mio. t auf 38,9 Mio. t nach oben gesetzt.
 
Damit wäre die von Agreste erwarte französische Ernte von 39,3 Mio. t die bislang größte französische Weichweizenernte überhaupt, noch deutlich vor der bislang größten Ernte aus dem Jahr 1998 (38,3 Mio. t) und der bisher zweitgrößten Ernte aus dem Jahr 2004 (37,6 Mio. t).
 
Durum-Ernte deutlich größer als 2014
Die Hartweizenernte schätzte Agreste im August auf 1,76 Mio. t und damit geringfügig größer als im Juli (1,72 Mio. t) und 0,27 Mio. t bzw. 18,2 % größer als im letzten Jahr mit 1,49 Mio. t. Die durchschnittlichen Durum-Erträge werden auf 54,3 dt/ha veranschlagt, nach 53,0 dt/ ha in der Julischätzung und 52,0 dt/ha im Vorjahr. Allerdings wurde die Anbaufläche 2015 um 12,9 % auf 324.000 ha ausgedehnt, nach nur noch 287.000 ha im letzten Jahr.
 
In den Jahren vor 2014 waren sowohl die Durum-Anbaufläche als auch die Produktion jedoch in Frankreich schon deutlich größer. So ernteten die französischen Landwirte zwischen 2008 und 2012 jeweils zwischen 2,0 Mio. t und 2,55 Mio. t Durum von Anbauflächen zwischen 0,43 Mio. ha bis 0,5 Mio. ha. {BILD:640688:png}
 
Wintergerste kräftig nach oben korrigiert
Die französische Wintergerstenernte schätzt Agreste im August auf 9,4 Mio. t und damit 0,4 Mio. t größer als noch im Juli mit 8,95 Mio. t. Im letzten Jahr (2014) ernteten die französischen Landwirte 8,56 Mio. t Wintergerste und damit knapp 10 % 0,84 Mio. t weniger. Die durchschnittlichen Erträge wurden im August auf 72,4 dt/ha veranschlagt und damit deutlich höher als noch Juli mit 68,8 dt/ha. Im vorigen Jahr lagen die Wintergerstenerträge ebenfalls bei 68,8 dt/ ha. Allerdings haben die französischen Landwirte die Anbaufläche für Wintergerste 2015 um 4,6 % auf 1,3 Mio. ha ausgedehnt, nach einer Wintergerstenfläche von 1,24 Mio. ha im letzten Jahr.
 
Deutlich kleinere Ernte bei Sommergerste
Die Sommergerstenernte 2015 schätzt Agreste fast unverändert zum Juli ( 2,77 Mio. t) auf 2,8 Mio. t und damit 0,4 Mio. t bzw. 12,5 % kleiner als im letzten Jahr mit 3,22 Mio. t. Die durchschnittlichen Erträge werden auf 62,3 dt/ha veranschlagt, nach 61,2 dt7ha in der Julischätzung und 61,1 dt/ ha im Vorjahr. Allerdings wurde die Anbaufläche für Sommergerste 2015 um 14 % auf 452.00 ha eingeschränkt, nach 526.000 ha im letzten Jahr.
 
Die französische Gesamt-Gerstenernte 2015 schätzt Agreste im August auf 12,2 Mio. t und damit 0,4 Mio. t größer im letzten Jahr mit 11,8 Mio. t.
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Maisernte bricht drastisch ein
Die erste Schätzung von Agreste zur französische Maisernte liegt nur bei 13,47 Mio. t. Das wäre die kleinste französische Maisernte seit dem Jahr 2006 mit 12,9 Mio. t. Im letzten Jahr (2014) ernteten die französischen Landwirte 18,66 Mio. t Mais und damit knapp 39 % bzw. 5,19 Mio. t mehr. Die erwarten Mais-Erträge lagen im August bei 81,0 dt/ha. Im vorigen Jahr lagen die Maiserträge bei 100,8 dt/ ha und damit 24 % höher. Gleichzeitig haben die französischen Landwirte die Anbaufläche für Mais 2015 um 10 % auf 1,66 Mio. ha eingeschränkt, nach einer Maisfläche von 1,85 Mio. ha im letzten Jahr.
 
Rapsernte rund 9 % kleiner als 2014
Die französische Rapsernte 2015 meldet Agreste im August mit 5,03 Mio. t und damit ähnlich groß wie in der Juliprognose mit 5,07 Mio. t. Im Vergleich zur Rapsernte 2014 von 5,52 Mio. t wäre die neue Ernte 2015 rund 0,49 Mio. t bzw. 8,9 % kleiner. Die durchschnittlichen Raps-Erträge werden auf 34,0 dt/ha veranschlagt, nach 36,7 dt/ ha im Vorjahr. Die Anbaufläche 2015 wird mit 1,48 Mio. ha angegeben und damit 1,5 % kleiner als im Vorjahr mit 1,5 Mio. ha.
 
Dr. Olaf Zinke
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