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Frankreich: Trockenheit drückt Getreideernte

von , am
08.07.2015

Frankreichs Getreideernte wird durch die Trockenheit der letzten Wochen und durch die aktuelle Hitzewelle deutlich stärker beeinträchtigt als bislang von den meisten europäischen Analysten erwartetet wurde.

Englische Landwirte holten sich dank einer perfekten Saison den Weltrekord für die Weizenernte. © Mühlhausen/landpixel
 
Frankreichs Getreideernte wird durch die Trockenheit der letzten Wochen und durch die aktuelle Hitzewelle stärker beeinträchtigt als bislang von den meisten europäischen Analysten erwartetet wurde. Das meldet diese Woche das französische Landwirtschaftsministerium Agreste in seiner ersten Ernteschätzung für 2015.
 
Dennoch bleibt die Produktion bei Weizen, Wintergerste und Durum (vor allem wegen der Anbauausweitung) immer noch hoch. Die Erträge und die Erntemengen liegen jedoch insbesondere für Weichweizen und Raps unter den ursprünglichen Erwartungen und werden auch die nächsten Ernteschätzungen der Kommission und anderer Analysten beeinflussen.
 
Weizen-Ernte kleiner als erwartet, trotzdem Rekord?
Die im Süden Frankreich bereits sehr früh gestartete Weichweizenernte schätzt Agreste derzeit auf 37,87 Mio. t und damit „nur“ noch 0,4 Mio. t größer als im letzten Jahr mit 37,48 Mio. t. Die durchschnittlichen Erträge werden auf 73,4 dt/ha veranschlagt, nach 74,8 dt/ ha im Vorjahr. Allerdings befindet sich die Anbaufläche 2015 mit 5,16 Mio. ha, nach 5,01 Mio. ha im letzten Jahr, auf einem neuen Rekordstand.
 
Die Analysten von Strategie Grains hatten die französische Weichweizen-Ernte zuletzt auf 38,1 Mio. t geschätzt und die EU-Kommission war Ende Juni noch von 39,0 Mio. t ausgegangenen. Diese Woche hatten allerdings auch die französischen Marktanalysten von Agritel die erwartete Ernte von 38,5 Mio. t auf 37,0 Mio. t gesenkt.
 
Trotz der kräftigen Korrekturen wäre die vom Agreste erwarte Ernte von 37,87 Mio. t immer noch die bislang größte französische Weichweizenernte  überhaupt,  knapp vor der bislang größten Ernte aus dem Jahr 2004 (37,6 Mio. t) und der zweitgrößten Ernte aus dem Vorjahr (37,5 Mio. t).
 
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Durum-Ernte deutlich größer als 2014
Die Ende der letzten Woche bereits zu 20 % eingebrachte Hartweizenernte schätzt Agreste auf 1,72 Mio. t und damit 0,23 Mio. t bzw. 15,2 % größer als im letzten Jahr mit 1,49 Mio. t. Die durchschnittlichen Durum-Erträge werden auf 53,0 dt/ha veranschlagt, nach 52,0 dt/ ha im Vorjahr. Allerdings wurde die Anbaufläche 2015 um 12,9 % auf 324.000 ha ausgedehnt, nach nur noch 287.000 ha im letzten Jahr.
 
In den Jahren vor 2014 waren sowohl die Durum-Anbaufläche als auch die Produktion jedoch schon deutlich größer. So ernteten die französischen Landwirte zwischen 2008 und 2012 jeweils zwischen 2,0 Mio. t und 2,55 Mio. t Durum von Anbauflächen zwischen 0,43 Mio. ha bis 0,5 Mio. ha.
 
Flächenausweitung und größere Ernte bei Wintergerste
Die in Frankreich Ende der vorigen Woche bereits zu 47 % eingebrachte Wintergerstenernte schätzt Agreste auf 8,95 Mio. t und damit 0,4 Mio. t größer als im letzten Jahr mit 8,56 Mio. t. Die durchschnittlichen Erträge werden auf 68,8 dt/ha veranschlagt, nach ebenfalls 68,8 dt/ ha im Vorjahr.
Allerdings haben die französischen Landwirte die Anbaufläche für Wintergerste 2015 um 4,6 % auf 1,3 Mio. ha ausgedehnt, nach einer Wintergerstenfläche von 1,24 Mio. ha im letzten Jahr.
 
Deutlich kleinere Ernte bei Sommergerste 
Die Sommergerstenernte 2015 schätzt Agreste auf 2,77 Mio. t und damit 0,44 Mio. t bzw. 14 % kleiner als im letzten Jahr mit 3,22 Mio. t. Die durchschnittlichen Erträge werden auf 61,2 dt/ha veranschlagt, nach 61,1 dt/ ha im Vorjahr. Allerdings wurde die Anbaufläche für Sommergerste 2015 um 14 % auf 452.00 ha eigeschränkt, nach 526.000 ha im letzten Jahr.
 
Die französische Gesamt-Gerstenernte 2015 schätzt Agreste auf 11,70 Mio. t und damit geringfügig kleiner als im letzten Jahr mit 11,77 Mio. t.
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Rapsernte ähnlich groß (klein) wie in Deutschland
Die französische Rapsernte 2015 schätzt Agreste nur auf 5,07 Mio. t und damit 0,45 Mio. t bzw. 8,2 % kleiner als im letzten Jahr mit 5,52 Mio. t. Die durchschnittlichen Raps-Erträge werden auf 34,2 dt/ha veranschlagt, nach 36,7 dt/ ha im Vorjahr. Die Anbaufläche 2015 wird mit 1,48 Mio. ha ha angegeben und damit 1,5 % kleiner als im Vorjahr mit 1,5 Mio. ha ha.
 
Gleichzeitig wäre die französische Rapsernte ähnlich große oder sogar etwas kleiner als die schwache deutsche Ernte. Die Analysten von Strategie Grains hatten die französische Raps-Ernte letzte Woche auf 5,2 Mio. t geschätzt und die deutsche Ernte auf 5,1 Mio. t.
 
Dr. Olaf Zinke
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