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Gerste mit positivem Abschluss, Weizenernte stockt

von , am
30.07.2014

Momentan sind die Landwirte intensiv mit der Ernte von Winterraps, Roggen und Winterweizen beschäftigt. Dabei führen die häufigen Niederschläge zu wiederholten Ernteunterbrechungen.

© Mühlhausen/landpixel
Die Mitte Juli einsetzende Schönwetterphase hat das Getreide bei hohen Temperaturen abreifen lassen und einen zügigen Fortgang der Erntearbeiten ermöglicht. Seit der vergangenen Woche erschweren die immer wieder einsetzenden Regenschauer jedoch den Fortgang des Getreide- und Rapsdrusches. Denn durch die Niederschläge sind die Feuchtigkeitsgehalte der Getreidekörner zu hoch. Außerdem haben Unwetter und starke Niederschläge zu Lager geführt, berichtet der Deutsche Bauernverband in seinem 2. Erntebericht.

Über 9 Mio. t Wintergerste

Die Ernte der Wintergerste ist praktisch abgeschlossen. Lediglich in Baden, Hessen und in Westfalen sind noch letzte Bestände an Wintergerste zu ernten. Die zu Beginn der Ernte vermuteten guten Hektarerträge haben sich im weiteren Verlauf der Ernte bestätigt. Allerdings schwanken die Erträge regional sehr stark. Während in Rheinland-Pfalz die guten Vorjahreserträge um bis zu 10 Prozent verfehlt und nun lediglich durchschnittliche Erträge erzielt wurden, wurden vor allem in den östlichen Bundesländern die Erträge des Vorjahres nochmals deutlich übertroffen. Im Bundesdurchschnitt ist von einem Ertrag von 73 Dezitonnen pro Hektar auszugehen. Damit wird das gute Vorjahresergebnis in Höhe von 69 Dezitonnen pro Hektar nochmals übertroffen. Bei einer Anbaufläche von 1,24 Millionen Hektar ist eine Gesamterntemenge von neun Millionen Tonnen Wintergerste zu erwarten.
 

Winterroggen: Gute Hektarerträge

Winterroggen wird vor allem in den Bundesländern Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt angebaut. Nur in Niedersachsen konnten mit etwa der Hälfte der Anbaufläche bisher nennenswerte Flächenanteile gedroschen werden. Verlässliche Aussagen über die zu erwartende Erntemenge sind daher schwierig. Die bisherigen Ernteergebnisse zeigen jedoch, dass die guten Hektarerträge des Vorjahres in Höhe von knapp 60 Dezitonnen erneut erreicht werden.
 

Winterweizen: Erträge schwanken regional

Ebenso wie beim Winterroggen geraten die Erntearbeiten beim Winterweizen wegen der wiederholten Niederschläge in weiten Teilen Deutschlands ins Stocken. Nur in Bayern, in Hessen und im Rheinland konnte die Winterweizenernte in größerem Umfang begonnen werden. Die Erträge schwanken regional sehr stark. So wurden in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz nur durchschnittliche Erträge geerntet, während die Betriebe in Bayern und Ostdeutschland regional sogar auf überdurchschnittliche Ergebnisse hoffen dürfen. Entscheidend für den weiteren Verlauf der Winterweizenernte ist die Witterung der kommenden Tage. Nur bei beständig trockenen Witterungsverhältnissen ist Winterweizen zügig und vor allem in den gewünschten Qualitäten einzubringen.
 

Winterraps: 41 Dezitonnen je Hektar

Mit einer Anbaufläche von 1,4 Millionen Hektar ist der Winterraps eine bedeutende Kultur im deutschen Ackerbau, wobei Mecklenburg-Vorpommern die größte Anbaufläche der gelbblühenden Ölfrucht aufweist. Schon mehr als zwei Drittel der diesjährigen Rapsanbaufläche sind geerntet. Die bisherigen Erträge lagen im Bundesdurchschnitt bei 41 Dezitonnen je Hektar. Damit könnte insgesamt eine Winterrapsernte von 5,8 Millionen Tonnen erreicht werden.
 

Schlechte Marktentwicklung

Sorgen bereitet den Landwirten die aktuelle Marktentwicklung. Angesichts der erwarteten guten europäischen und weltweiten Getreide- und Ölsaatenernten haben die Erzeugerpreise in den vergangenen Wochen deutlich nachgegeben. Beispielsweise erzielt ein Landwirt im Bundesdurchschnitt für eine Tonne Futtergerste derzeit nur noch 138 Euro. Das entspricht gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt einem Preisrückgang von 18 Euro pro Tonne. Die Rapspreise sind gegenüber dem Vorjahr sogar um 58 Euro pro Tonne auf aktuell nur noch 289 Euro pro Tonne gefallen. Diese Preisrückgänge werden in vielen Betrieben auch durch die zu erwartenden höheren Erntemengen nicht auszugleichen sein, weswegen die Erlöse im Ackerbau geringer als im Vorjahr ausfallen werden.
 

Preise können sich im Herbst erholen

Nach Einschätzung des DBV ist jetzt besonderes Augenmerk auf die Strategie bei der Vermarktung der Ernte zu legen. Es bestehen durchaus Aussichten, dass sich das Preisniveau für Getreide und Raps im Herbst / Winter wieder erholen kann. "Auch wenn die betriebsindividuelle Abwägung von Erntemengen und -qualitäten einerseits und Vermarktungszeitpunkten andererseits schwierig ist, lohnen sich Vorkontrakte, um im Mittel der Vermarktungszeitpunkte gewinnbringende Preise zu erzielen", erklärt Wolfgang Vogel, Vorsitzender des DBV-Fachausschusses für Getreide.
 
Der Vorkontrakt sei ein wirksames Instrument des Risikomanagements, den laut aktuellem Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar des Deutschen Bauernverbandes auch in diesem Jahr wieder zwei Drittel der über 400 befragten Rapsanbauer zur Preisabsicherung genutzt haben. Von den getreideanbauenden Landwirten hat immerhin knapp die Hälfte der 600 Befragten einen Teil ihrer Erntemenge über Vorkontrakte vermarktet.
 
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