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Getreide/Raps: Was kostet die neue Ernte?

von , am
30.04.2014

Noch dauert es einige Wochen bis zur neuen Getreideernte. Aber an den Märkten hat sich durchaus schon eine Vorstellung von der Größe der neuen Ernte und von der Angebotssituation an den Märkten entwickelt.

© landpixel
 
Noch dauert es einige Wochen bis zur neuen Getreideernte. Aber an den Märkten hat sich durchaus schon eine Vorstellung von der Größe der neuen Ernte und von der Angebotssituation an den Märkten entwickelt. Natürlich kann sich daran bis zur wirklichen Ernte vor allem durch Witterungseinflüsse (aber auch durch politische Entwicklungen wie in der Ukraine) noch einiges ändern. Gleichwohl haben sich vor dem Hintergrund der derzeitigen Markterwartungen schon Preisvorstellungen für die neue Ernte herausgebildet. Daran haben nicht zuletzt die Terminmärkte einen großen Anteil. Auch an den Terminmarktpreisen kann sich bis zur Ernte jedoch noch einiges ändern. Deshalb haben alle Prognosen natürlich einen vorläufigen Charakter und zeigen lediglich einen Zwischenstand.
 
Weizenpreise behaupten ihr Niveau (fast)
Beim Weizen liegen die Erwartungen für die deutsche Ernte bei den meisten Analysten derzeit ganz leicht unter dem Niveau des Vorjahres von rund 25 Mio. t. Dagegen rechnet man bei Weichweizenernte für die EU mit einer etwas größeren Ernte als im Vorjahr zwischen 135 Mio. t etwa 137 Mio. t. (Das wäre die bislang zweitgrößte europäische Ernte überhaupt). Die neue globale Weizenernte schätzte der IGC zuletzt mit 698 Mio. t 10 Mio. t kleiner als die alte Ernte und außerdem auch etwas kleiner als den Verbrauch. Den europäischen Export (von Weichweizen) erwarteten europäischen Analysten (Strategie Grains) mit 22,9 Mio. t etwas kleiner als im bisherigen Rekordjahr 2013/14 mit 26,8 Mio. t. Deutschland profitiert von der starken Exportnachfrage und hat wie Frankreich bis Ende April knapp 8 Mio. t Weizen in Drittländer verkauft. Die Weizenpreise für die neue Ernte lagen am Terminmarkt in Paris Ende April etwa bei 205 Euro und damit deutlich über der Marke von 200 Euro. Der Preisabstand zur alten Ernte (215 Euro) betrug etwa 10 Euro. Am Großmarkt in Hamburg wurde Brotweizen der alten Ernte zum gleichen Zeitpunkt ähnlich teurer mit 214 Euro gehandelt und die neue Ernte (September) kostete 207 Euro und damit nur 7 Euro weniger.
 
Preise für Futtergerste relativ stabil, Braugerste teurer
Die neue Gerstenernte wird in Deutschland bei etwa 10,0 Mio. t (Töpfer/Strategie Grains) bis 10,4 Mio. t (Raiffeisen) erwartet und damit etwa ähnlich groß wie im letzten Jahr (10,3 Mio. t). Dabei könnte die Produktion von Wintergerste leicht auf 8,6 Mio. t zunehmen, während die Erntemenge von Sommergerste mit etwa 1,8 Mio. t bis 1,9 Mio. t ähnlich groß oder etwas kleiner erwartet wird als im letzten Jahr (1,95 Mio. t). Der deutsche Bedarf an Braugerste liegt bei etwa 1,8 Mio. t bis 1,9 Mio. t, wovon im letzten Jahr etwa 1,3 Mio. t aus Deutschland kamen. Für Europa liegt die erwartete Gerstenproduktion derzeit bei knapp 56 Mio. t und  damit deutlich niedriger als im letzten Jahr mit 59,5 Mio. t. Dabei soll die Produktion von Sommergerste mit knapp 29 Mio. t deutlich kleiner ausfallen als im letzten Jahr mit rund 33 Mio. t. Der europäische Bedarf an Braugerste liegt bei etwa 9,5 Mio. t. Gleichzeitig erwarten die Analysten für die EU mit knapp 27 Mio. t eine rund 0,6 Mio. t größere Ernte bei Wintergerste als 2013 (26,5 Mio. t). Die aktuellen Preise für Futtergerste liegen derzeit am Großmarkt in Hamburg bei 183 Euro/t. Die neue Ernte kostet im Hamburg mit 184 Euro/t ähnlich viel. (Die Preise für Futterweizen der alten Ernte liegen derzeit bei 212 Euro und der neue die Futterweizen kostet 201 Euro und rund 15 Euro mehr als die Gerste.) Die Preise für Braugerste der alte Ernte liegen am Terminmarkt in Paris derzeit bei 211 Euro, während die neue Ernte 232 Euro kostet und damit 20 Euro mehr. Am Großmarkt in Mannheim lagen die Preise für alterntige Braugerste kurz vor dem Monatswechsel bei 226 Euro bis 228 Euro/t und die neue Ernte kostet 237 Euro bis 239 Euro und damit ebenfalls rund 10 Euro mehr.
 
Maispreise ändern sich nur wenig
Die Ernteprognosen für neue Maisernte liegen Ende April doch noch recht unsicher. Für Deutschland erwartet man derzeit eine Erntemenge zwischen 5,1 Mio. t (Raiffeisen) und 4,8 Mio. t (Töpfer) nach nur 4,4 Mio. t im letzten Jahr. Der jährliche deutsche Bedarf/Verbrauch liegt im Schnitt allerdings bei rund 7 Mio. t (davon 4,5 bis 5 Mio. t Futter). Die Erwartungen für die neue EU-Ernte l zwischen 65 Mio. t (Töpfer/IGC ) und 69 Mio. t (EUK). Je nach Erntemenge werden sich auch die Importe entwickeln. Für das aktuelle Wirtschaftsjahr erreicht die Einfuhrmenge aus Drittländern einen neuen Rekordwert von 12 Mio. t bis 13 Mio. t. Allein Deutschland hat bis Ende April schon 1 Mio. t Mais aus Drittländern importiert. Der IGC hat die neue globale Ernte wegen der widrigen Witterungsbedingungen in den USA (späte Aussaat) und der politischen Turbulenzen in der Ukraine Ende April um mehr als 10 Mio. t auf 959 Mio. t nach unten korrigiert. Diese Erntemenge deckt allerdings noch gut den erwarteten Verbrauch von 945 Mio. t. Die Maispreise liegen am europäischen Terminmarkt derzeit bei 185 Euro/ t (Juni), während die neuen Maisernte mit 192 Euro/t und damit etwa 7 Euro teuer gehandelt wird. (Am Kassamarkt liegen die Preisvorstellungen für die neue Ernte teilweise auch auf dem aktuellen Niveau oder leicht darunter). In den USA kostete der Mais am Terminmarkt derzeit mit rund 145 Euro/t für die neue Ernte eben so viel wie für die noch laufende Saison.
 
Raps wird wohl deutlich billiger
Die neue deutsche Rapsernte könnte nach der Prognosen von Ende April mit 5,4 bis 5,5 Mio. t etwas kleiner ausfallen aus im letzten Jahr (5,8 Mio. t). Allerdings könnte die EU-Ernte mit mehr als 21 Mio. t einen neuen Rekord markieren (Vj. 20,9 Mio. t) Ursachen sind eine deutliche Produktionssteigerung in Frankreich und eine etwas größere Erntemenge im Vereinigten Königreich. Am Rapsmarkt folgen die Preise allerdings nur zum Teil dem entsprechenden Angebot am EU-Markt sondern auch der aktuellen Entwicklung am Sojamarkt. Bei Soja sieht es für die nächste Saison nach einer Rekordernte in den USA mit einer entsprechenden Korrektur der Preise aus. Die aktuellen Rapspreise lieg für die alte Ernte am Terminmarkt nach eine kräftigen Zwischenkorrektur wieder deutlich über der 400 Euro-Marke (410 Euro). Hier hat vor allem der starke Preisanstieg bei Soja die Preise wieder nach oben gezogen. Die neue Ernte kostet derzeit mit 365 Euro t rund 45 Euro weniger als der alterntige Raps. Im deutschen Großhandel lagen die Preise für die alte Ernte zuletzt zwischen 400 und 405 Euro, während die neue Ernte (August) zwischen 355 Euro und 365 Euro gehandelt wurde und damit ebenfalls 35 bis 45 Euro billiger.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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