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Russische Getreideernte überschätzt?

von , am
17.08.2015

In Russland waren bis Ende letzter Woche knapp die Hälfte der Weizen- und der Gerstenfläche abgeerntet.

© Stefan Rampfel/landpixel
 
In Russland waren bis Ende letzter Woche knapp die Hälfte der Weizen- und der Gerstenfläche abgeerntet. Die durchschnittlichen Erträge waren bislang jedoch sowohl beim Weizen als auch bei der Gerste niedriger als im vorigen Jahr (2014) und lassen zumindest vorsichtige Zweifel an den sehr hohen aktuellen Ernteprognosen des USDA aufkommen. Allerings ist die russische Erntefläche 2015 insbesondere bei Weizen erheblich größer als 2014. Der russische Getreideexport läuft in den ersten Wochen des neuen Wirtschaftsjahres offenbar lange nicht so gut wie im vorigen Jahr zum gleichen Termin. Die Ausfuhremenge liegt  Mitte August 40 % unter dem Vorjahr.
 
Bis zum 13. August hatten die russischen Landwirte etwa 55,5 Mio. t Getreide (Bunkergewicht) von 18,7 Mio. ha geerntet. Im vorigen Jahr (2014) waren zum gleichen Termin bereits 61,1 Mio. t Getreide und Ölsaaten von etwa 19,2 Mio. ha geerntet. Die bisher abgeerntete Fläche entspricht etwa 39,8 % der insgesamt für 2015 geplanten Erntefläche von knapp 47,0 Mio. ha. Der bisherige Durchschnittertrag lag allerdings nur noch bei 2,97 t/ha und war damit knapp 4 % niedriger als Jahr 2014 mit 3,19 t/ha.
 
Niedrigere Weizenerträge und langsame Ernte
Weizen haben die russischen Landwirte bis zum 13. August etwa 41,4 Mio. t (Bunkergewicht) von 12,6 Mio. ha geerntet und damit von 46,8 % der vom russischen Landwirtschaftsministerium als Plangröße angegebenen Erntefläche von 26,9 Mio. ha. Der bisherige Durchschnittertrag beim Weizen lag bei 3,29 t/ha und war damit rund 8 % niedriger als im Jahr 2014 mit 3,58 t/ha. Im vorigen Jahr (2014) waren zum gleichen Termin bereits 43,6 Mio. t Weizen von etwa 12,2 Mio. ha geerntet.
 
Gerstenerträge sind 10 % niedriger als 2014
Gerste haben die russischen Landwirte bis zum 13. August rund 9,6 Mio. t (Bunkergewicht) von 3,8 Mio. ha geerntet. Das waren 42,6 % der offiziell erwarteten Ernte-Fläche von etwa 8,9 Mio. ha. Bei Gerste erreicht der bisherige Durchschnittertrag 2,54 t/ha und war damit 10 % niedriger als 2014 mit 2,82 t/ha. Im vorigen Jahr (2014) waren zum gleichen Termin bereits 11,4 Mio. t Gerste von etwa 4,1 Mio. ha geerntet.
 
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Weizenernte vom USDA kräftig nach oben geschätzt
Die August-Schätzung des USDA zur russischen Weizenernte lag bei 60 Mio.t und damit 3,0 Mio. t höher als noch im Juli (57 Mio. t). Wegen der deutlich größeren Erntefläche als 2014 und höherer Erträge als bislang unterstellt, übertrifft die vom USDA erwartete Weizenernte das sehr gute Vorjahresergebnis um rund 1,0 Mio. t. Im Jahr 2014 ernteten die russischen Landwirte 59,1 Mio. t Weizen.
 
Die Erntefläche (nicht Aussaatfläche) für die Weizenernte 2015 wurde vom USDA zuletzt auf 25,7 Mio. ha geschätzt und damit noch etwas größer als im Juli mit 25,5 Mio. ha und rund 2,1 Mio. ha größer als zur Ernte 2014 mit nur 23,6 Mio. ha. Die durchschnittlichen Weizenerträge (Sommer und Winterweizen) erwartete das USDA für 2015 jetzt bei 2,33 t/ha, nach einer Prognose von 2,24 t/ha im Juli. Zur Ernte 2014 waren die Weizenerträge mit 2,50 t/ha jedoch deutlich höher.
 
Ernteerwartung bei Gerste nicht verändert
Die aktuelle August-Schätzung des USDA zur russischen Gerstenernte liegen bei 17,0 Mio. t und unverändert zum Juli (17,0 Mio. t). Im Jahr 2014 brachten die russischen Landwirte die Riesenernte von 20,0 Mio. t Gerste ein. Die Erntefläche 2015 wurde vom USDA im August (wie schon im Juli) bei etwa 8,0 Mio. ha erwartet. Das wären etwa 0,8 Mio. ha weniger als 2014 mit 8,8 Mio. ha.
 
Grund für die kleinere Anbaufläche bei (Sommer) Gerste für die Ernte 2015 ist die kräftigen Expansion des Weizenanbaus. Die durchschnittlichen Gerstenerträge für die Ernte 2015 erwartet das USDA derzeit bei 2,13 t/ha und damit eben so hoch wie vor vier Wochen (Juli) mit 2,13 t/ha, jedoch niedriger als im letzten Jahr mit 2,27 t/ha.
 
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40 Prozent weniger Exporte als 2014
Die bisherigen russischen Getreideexporte gibt das Landwirtschaftsministerium für den Zeitraum vom 1ten. Juli bis 5ten August mit 2,3 Mio. t an. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine 39,8 % (!!)  kleinere Ausfuhrmenge. Die Exportmenge bei Weizen wird mit 1,44 Mio. t angegebenen, die Ausfuhrmenge bei Gerste mit 0,69 Mio. t und der Maisexport summiert sich bislang auf 0,15 Mio. t
 
 
Dr. Olaf Zinke
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