Login
News

Russland führt Exportzölle bei Getreide ein

von , am
23.12.2014

Russlands Regierung hat sich offenbar entschieden Exportzölle für den Export von Getreide (Weizen) einzuführen.

© krick/agrar-press
Russlands Regierung hat sich offenbar entschieden Exportzölle für den Export von Getreide (Weizen) einzuführen. Allerdings stehen bislang weder der genaue Termin der Einführung, noch die Höhe der Zölle oder die exakten Durchführungsbestimmungen fest. Das berichtete am Montag der russische Vize- Ministerpräsidenten Arkady Dvorkovich vor der Presse.
 
Gleichzeitig meldet man aus dem Büro des Ministerpräsidenten Medvedev, dass die geplanten Regelungen möglichst in Übereinstimmung mit den Markteinschätzungen der führenden Getreideexporteure und Händler umgesetzt werden sollen und zudem so flexibel sein sollen, dass man damit die Situation am russischen Getreidemarkt regulieren und die Inflation bei Brot und Getreideprodukten drosseln kann.
 
Verschiebung der Exportzölle gefordert
Die großen russischen (und internationalen) Getreideexporteure, die in der russischen Vereinigung der Exporteure von Agrarprodukten (NAESP) organsiert sind, hatten kurze Zeit später indessen eine Verschiebung der neuen Export-Regelungen bis zum 1ten März 2015 gefordert und den Behörden einen entsprechenden Vorschlag gemacht. Nach Einschätzung der NAESP-Unternehmen erlaubt eine Verschiebung der Regelungen die bereits bestehen Lieferverpflichtung zu erfüllen und ermöglicht allen Marktbeteiligten sich auf die neuen Regelungen einzustellen.
 
Nach Einschätzung der NEASP widerspricht die Einführung von Exportzöllen bei Getreide zur Stabilisierung des russischen Binnenmarktes auch nicht den Regeln der WTO. Bereits Ende der letzten Woche hatten die russischen Getreideexporteure den Ankauf von Getreide für den Export zunächst einmal ausgesetzt, um die Getreidepreise am russischen Binnenmarkt zu stabilisieren. Etwa zeitgleich hatte die russischen Eisenbahn (JSC) den Transport von Getreide zu den Exporthäfen gestoppt bzw. ausgesetzt.
 
Schon 30 Prozent mehr Getreide exportiert
Bis Mitte Dezember liefen die russischen Getreideexporte außergewöhnlich gut. Ein Grund war sicherlich der extreme Wertverlust des Rubels gegenüber dem USD-Dollar, der den russischen Weizen am Weltmarkt verbilligte und den russischen Exporteuren gegenüber den Wettbewerbern erhebliche Preisvorteile verschaffte. Gleichzeitig wurde jedoch  auch die Nachfrage nach russischen Weizen weiter angekurbelt und am Binnenmarkt stiegen die Preise immer schneller. Bis Mitte Dezember liefen die russischen Exporte bei Weizen und Gerste deshalb auf Rekordniveau.
 
Bis zum 17ten Dezember 2014 wurde nach russischen Angaben bereits 19,67 Mio. t Getreide exportiert und damit 30 Prozent mehr als im letzten Jahr zu diesem Termin (14,3 Mio. t). Von den bisherigen Gesamtausfuhren waren 15,52 Mio. t Weizen, 2,95 Mio. Gerste und 0,97 Mio. t Mais. Bis zur Regulierung der russischen Exporte lagen die Erwartungen an die Getreideexporte 2014/15 bei etwa 30 Mio. t, davon entfielen etwa 22 Mio. t bis 23 Mio. t auf Weizen, 3 Mio. t auf Mais und mehr als 4 Mio. t auf Gerste.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
Auch interessant