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Ukraine: Landwirte halten Getreide zurück

von , am
06.03.2014

In der Ukraine führt die dramatische Abwertung der Währung zu einem deutlichen Rückgang der von den Landwirten angeboten und vermarkteten Getreidemengen

© Mühlhausen/landpixel
 
Der Getreidehandel und Export der Ukraine wird nicht nur durch mögliche logistische Probleme in Folge der politischen Krise auf der Krim und in der Ostukraine gestört. Vielmehr führt die dramatische Abwertung der ukrainischen Währung zu einem deutlichen Rückgang der von den Landwirten angeboten und vermarkteten Getreidemengen. Das bestätigt jetzt jedenfalls das US-Grain-Council, dass ein Regionalbüro in Ukraine besitzt.
 
Verlagerung der Exportnachfrage
Die Terminmärkte (und zahlreichen Analysten) haben diese Entwicklung jedenfalls schon eingepreist und gehen offenbar von einer stärkeren Verlagerung der Exportnachfrage bei Mais und Weizen auf die USA aus. Davon sind jedenfalls auch die Experten des Grain-Council überzeugt. Insbesondere Nordafrika, der Mittlere Osten, aber auch China waren zuletzt wichtige Absatzmärkte für Weizen, Mais und Gerste aus der Ukraine. Allerdings dürften die Länder der Europäischen Union mindestens ebenso wie die USA von der Verlagerung der Nachfrage der bisherigen ukrainischen Abnehmer bei Weizen und Gerste profitierten. Beim Mais sieht die Sache hingegen anders aus. Hier ist die Ukraine der mit Abstand wichtigste Lieferant für die EU.
 
Drastische Abwertung der Währung
Die Abwertung der ukrainischen Hryvnia um fast 19 % seit dem 22 Februar hat nach Einschätzung des US-Grain Councils das Getreideangebot am ukrainischen Markt spürbar verringert, auch wenn die großen Export-Häfen am Schwarzen Meer weiterhin zu erreichen sind und bislang auch ohne große Störungen arbeiten können. Letzteres bestätigen bislang auch die vor Ort tätigen großen internationalen Getreidehändler wie AMD, Cargil und Bunge. Über die Häfen direkt auf der Krim werden allerings nur 10 % aller ukrainsichen Getreideexporte abgewickelt.
 
Vor allem Weizen- und Maisexporte stehen noch aus
Bis Anfang März hatte die Ukraine bereits 7,4 Mio. t Weizen exportiert. Das USDA ging für das Wirtschaftsjahr von einer Gesamt-Exportmenge von 10 Mio. t aus, nach 7,1 Mio. t im letzten Jahr. Mais exportierte die Ukraine bis zum Anfang März 15 Mio. t. Für das gesamte Wirtschaftsjahr erwartete das USDA eine Ausfuhr 18 Mio. t nach 12,7 Mio. t im letzten Jahr. Bei Gerste lag die Ausfuhrmenge Anfang März bei 2,15 Mio. t und einer insgesamt erwarteten Exportmenge von 2,5 Mio. t. Damit liegen insbesondere bei Weizen, aber auch bei Mais, noch größere Mengen in den Betrieben oder den Lägern der Händler und Exporteure. Beim Weizen fehlen an den erwarteten Gesamtexporten noch 3,5 Mio. t, beim Mais 3 Mio. t und bei Gerste 0,4 Mio. t.
 
Beispiel Argentinien
Die Experten des Grain-Councils und andere Analysten vergleichen das Verhalten der ukrainischen Landwirte mit dem ihrer Berufskollegen in Argentinien. Auch die hatten im letzten Jahr mit der starken Abwertung (Inflation) des argentinischen Pesos vor allem Sojabohnen, aber auch Mais, auf ihren Betrieben zurückgehalten und so trotz einer sehr guten Ernte für eine knappe Marktversorgung und steigende Soja- und Maispreise gesorgt. Für die EU könnten – neben den besseren Exportmöglichkeiten bei Weizen und Gerste - insbesondere die Maisimporte aus der Ukraine ins Gewicht fallen. Nach den aktuellen Daten der EU-Kommission kamen in den ersten 6 Monaten des aktuellen Wirtschaftsjahres 55 % aller europäischen Maisimporte aus der Ukraine, 23 % aus Brasilien und 5 % aus Russland sowie kleinere Menge aus Serbien, Argentinien und Kanada.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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