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Analyse

EU-Kommission rechnet mit höheren Rinderpreisen

von , am
29.04.2015

Die europäische Produktion von Rindfleisch nimmt im Jahr 2015 zu. Gleichzeitig geht der Verbrauch moderat zurück.

 
Die europäische Produktion von Rindfleisch nimmt im Jahr 2015 zu. Gleichzeitig geht der Verbrauch moderat zurück. Jedoch übersteigt die erwartete Verbrauchsmenge weiterhin die Produktion, auch wenn die Lücke zwischen Produktion und Verbrauch kleiner wird. Die Preise für Schlachtrinder dürften 2015 vor allem bei Schlachtkühen, aber auch bei Bullen, höher sein als im Jahresmittel 2014. Zu dieser Markteinschätzung kommt die EU-Kommission Ende April auf der Grundlage der vorliegenden Länderdaten aus den 15 „alten“ EU-Ländern. Die Rindfleischproduktion in der sogenannten EU 15 repräsentiert etwa 87 % der gesamten Produktion der EU 28 und etwa 90 % der Verbrauchsmenge.
 
Lücke zwischen Produktion und Verbrauch wird kleiner
Die Produktion von Rindfleisch in der EU 15 nimmt nach Einschätzung der Kommission im Jahr 2015 um 2,7 % auf 6,81 Mio. t zu. Für das zurückliegende Jahr 2014 weisen die Kommissionsdaten eine Produktion von 6,63 Mio. t aus und für das Jahr 2013 von rund 6,66 Mio. t. Gleichzeitig erwarten die Kommissionsexperten (wegen der steigenden Rinder- und Rindfleischpreise) für das Jahr 2015 einen Rückgang des Verbrauchs um knapp 1,0 % auf 6,99 Mio. t. Für das Jahr 2014 wurde für die Länder der EU 15 eine etwas größere Verbrauchsmenge von 7,06 Mio. t ermittelt und für 2013 von 7,05 Mio. t. Damit schrumpft die Lücke zwischen Produktion und Verbrauch nach Einschätzung der EU-Kommission von 429.000 t (2014) auf 182.000 t (2015), bleibt jedoch weiterhin bestehen.
 
Kuhpreise deutlich höher als 2014
Bei den Rinderpreisen rechnen die EU-Experten auf der Grundlage der aktuellen Produktionsdaten für 2015 mit einem höheren Preisniveau als im Jahr 2014. Diese Annahme scheint sich in den ersten Monaten des Jahres 2015 eindrucksvoll zu bestätigen, denn vor allem die Preise für Schlachtkühe, aber auch die Bullenpreise liegen bis April 2015 für alle Handelsklassen recht deutlich über den Werten des Vorjahres (2014).
Für das Jahresmittel 2015 rechnen die Analysten der Kommission mit Schlachtkuhpreisen von 306,6 Euro je 100 kg Schlachtgewicht . Das wäre im Vergleich zum Durchschnitt des Jahres 2014 mit Schlachtkuhpreisen von 290,4 Euro/100 kg ein Anstieg von 5,6 % oder 16,2 Euro je 100 kg bzw. rund 16 Ct je kg SG. Im Jahr 2013 lagen die Kuhpreise allerdings bei 313,5 Euro je 100 kg und waren noch rund 6,9 Euro je 100 kg höher als für 2015 erwartet wird.
 
Bullenpreise steigen leicht an
Auch bei Bullen rechnen die Analysten der Kommission für das Jahr 2015 mit höheren Durchschnittspreisen als im Jahr 2014, auch wenn der Anstieg nach der aktuellen Einschätzung deutlich moderater ausfällt als bei Schlachtkühen. Für das Jahresmittel 2015 rechnen Kommissions-Experten derzeit mit Bullenpreisen von 384,1 Euro je 100 kg Schlachtgewicht. Das wäre im Vergleich zum Jahr 2014, mit Preisen von 380,7 Euro je 100 kg SG, ein relativ moderater Anstieg von 0,9 % oder 3,4 Euro je 100 kg bzw. gut 3 Ct je kg. Vor zwei Jahren (2013) lagen die Bullenpreise in der EU sogar schon einmal bei 398 Euro je 100 kg und waren damit rund 13,9 Euro je 100 kg höher als für 2015 erwartet wird. Ende April ist der Preisabstand der Bullenpreise zum Vorjahreswert allerdings für alle Qualitätsklassen bei Bullen erheblich größer als von der Kommission für 2015 prognostiziert wird. Möglichweise muss die Kommission ihre Einschätzung hier im weiteren Jahresverlauf noch nach oben korrigieren.
 
Deutsche Schlachtung etwas größer als 2014
Die Daten über die bisherige die Produktionsentwicklung (Schlachtung) im Jahr 2015 in der europäischen Union sind bislang noch relativ ungenau. Aus vielen Ländern liegen noch kaum aktuelle Schlachtzahlen für 2015 vor. In Deutschland war die Zahl der geschlachteten Jungbullen im Zeitraum von Januar bis Februar 2015 um 1,2 % kleiner als im Vorjahr und die Anzahl der geschlachteten Kühe war ähnlich groß wie ein Jahr zuvor. Insgesamt war die deutsche Rindfleischproduktion (einschließlich Färsen, Ochsen) in diesem Zeitraum um etwa 0,6 % größer als 2014.
 
Dänemark, Italien, Irland mit Produktionsrückgang
Für die meisten Länder der EU lagen der EU-Kommission bislang nur Schlachtzahlen vom Januar 2015 vor. In Frankreich war die erzeugte Menge Rindfleisch im Januar 2015 rund 1,3 % kleiner als 2014. Im Vereinigten Königreichreich war die Produktionsmenge hingegen 2,3 % größer, in Irland schrumpfte die Produktion um 4,3 % und in Dänemark war die Rinderschlachtung im Januar 2015 sogar  rund 9,8 % kleiner als 2014.
Dagegen wuchs die Produktion in Polen gegenüber dem Vorjahr (Kuhschlachtung) um fast 20 %. Gleichzeitig liegt die für den deutschen (und innereuropäischen) Rindfleischabsatz wichtige italienische Produktion auch im Januar 2015 4,6 % unter dem Vorjahr, nach dem die Produktion bereits 2014 zweistellig zurückging.
 
Dr. Olaf Zinke
 
 
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