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Analyse

Europäische Produktion von Rindfleisch wächst

von , am
24.10.2014

Die europäische Produktion von Rindfleisch wächst 2014 erstmals seit vier Jahren wieder kräftig.

© Frédéric Prochasson/Fotolia
Die europäische Produktion von Rindfleisch wächst 2014 erstmals seit vier Jahren wieder kräftig. Allerdings war die Produktion im Jahr 2013 bei vielen wichtigen europäischen Rindfleischerzeugern auf historische Tiefstände gefallen. Für das Jahr 2015 erwartet die Kommission einen weiteren deutlichen Produktionsanstieg. Die europäische Verbrauchsmenge von Rindfleisch nimmt 2014 und auch 2015 (wegen der gefallenen Preise) ebenfalls kräftig zu. Infolgedessen ist die europäische Rindfleischbilanz sowohl 2014 als auch 2015 nahezu ausgeglichen. In Deutschland war Anzahl der geschlachteten Bullen im Zeitraum von Januar bis August 2014 um 3,7 % größer als im Vorjahr und die Anzahl der geschlachteten Kühe war 3,3 % höher. Die Preise für Jungbullen und für Schlachtkühe sind in Europa im Herbst 2014 deutlich niedriger als vor einem Jahr.
 
Europäische Produktion auch 2015 größer
Die EU-Kommission geht in ihrer aktuellen Markteinschätzung davon aus, dass die europäische Rindfleischproduktion (Bruttoeigenerzeugung) im Jahr 2014 mit etwa 7,63 Mio. t rund 1,8 % größer ausfällt als im Jahr 2013 mit etwa 7, 5 Mio. t. In den drei Jahren zuvor von 2010 bis 2013 war die europäische Produktion allerdings sehr deutlich um fast 9 Prozent von 8,22 Mio. t (2010) auf 7,5 Mio. t (2013) geschrumpft. Für das Jahr 2015 erwartet die Kommission derzeit einen weiteren sehr deutlichen Produktionsanstieg um 2,6 Prozent auf dann 7,83 Mio. t. Die europäische Verbrauchsmenge nimmt nach Einschätzung der Kommission im Jahr 2014 um 1,2 Prozent auf 7,63 Mio. t zu und entspricht damit in etwa der verfügbaren europäischen Produktion. Für 2015 wird wegen des deutlichen Rückgangs der Rindfleischpreise ein weiterer Verbrauchanstieg von 2,5 Prozent auf 7,81 Mio. t erwartet. Damit wäre der Rindfleischverbrauch zwar immer noch 4,5 % kleiner als im Jahr 2010 (8,18 Mio. t), die europäische Produktions- und Verbrauchsbilanz wäre jedoch weiterhin relativ ausgeglichen.
 
Deutsche Schlachtung über den Erwartungen
In Deutschland war die Zahl der geschlachteten Jungbullen im Zeitraum von Januar bis August 2014 um 3,7 % größer als im Vorjahr und die Anzahl der geschlachteten Kühe war 3,3 % größer. Insgesamt wuchs die deutsche Rindfleischproduktion (Schlachtung) in diesem Zeitraum um 3,0 %. Im August der Zuwachs bei der Bullenschlachtung sogar bei 6,3 % und die Kuhschlachtung lag 13,5 % über dem Vorjahr. Schätzungen des Thünen-Instituts waren auf Basis der Viehzählungsergebnisse von einem Wachstum bei der Rinder-Schlachtung für das gesamte Jahr 2014 von 1,4 % ausgegangen und damit von einem deutlich geringerem Zuwachs. In den Jahren zuvor war die deutsche Rindfleischproduktion von 2010 bis 2013 indessen um etwa 7 % auf 1,12 Mio. t bzw. 3,51 Mio. geschlachtete Tiere zurückgegangen. Dennoch war Deutschland damit nach Frankreich (1,4 Mio. t) und vor Italien (0,86 Mio.t) und dem Vereinigten Königreich (0,85 Mio. t) der zweitgrößte Rindfleischerzeuger der EU.
 
Entwicklung nicht in allen EU-Ländern gleich
Anders als für Deutschland weist die Kommission für Frankreich und Dänemark bis Juli 2014 einen leichten sowie für Italien einen drastischen Rückgang der Produktion (Schlachtung) aus. Relativ stabile Produktionsmengen meldete man für die ersten sechs Monate aus den Niederlanden und ein kräftiges Produktionswachstum beobachtet die Kommission auch in Polen und Irland sowie in einer Reihe osteuropäischer und baltischer Länder. Dabei war die Rindfleischproduktion (Schlachtung) bei einigen wichtigen Handelspartnern in der EU im 2013 ebenfalls auf historische Tiefstände gefallen. Das gilt ganz besonders für Frankreich, wo die Schlachtung von 2011 bis 2013 um 10 % zurückging, in Italien nahm die Erzeugung um 20 % ab und in Polen um 11 %. In den Niederlanden und Dänemark blieb die Rindfleischerzeugung in den letzten Jahren hingegen relativ stabil.
 
Europäischer Markt für Deutschland entscheidend
Der deutsche Selbstversorgungsgrad bei Rindfleisch liegt nach den Berechnungen von BLE und BMEL wegen der steigenden Produktion im Jahr 2014 bei etwa 112 % (2013: 109 %). Zur Stabilisierung der Rinderpreise in Deutschland sind also auf jeden Fall  Exporte nötig. Im letzten Jahr 2013 waren dies insgesamt 399.187 t. Gleichzeitig wurden 320.403 t Rindfleisch nach Deutschland importiert. (Davon kamen etwa 85 % aus anderen EU-Ländern). Von den deutschen Rindfleischexporten gehen lediglich 13 % in Drittländer. Die wichtigsten Drittlandsmärkte waren 2013 die Schweiz, Norwegen und Russland. Beinahe 90 % der deutschen Rindfleisch-Exporte werden jedoch in andere EU-Länder verkauft. Damit hat die Angebots- und Preisentwicklung in diesen Ländern für die Preise am deutschen Markt eine entscheidende Bedeutung.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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