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Analyse

Rind: Export nach Russland wird dem Markt fehlen

von , am
16.09.2014

Der Export von Rindfleisch aus der Europäischen Union hat in den ersten 6 Monaten um rund 19 Prozent zugenommen. Dabei sind bis zur Jahresmitte die Ausfuhren nach Russland besonders kräftig gewachsen

Mittlerweile sind die Schlachtzahlen vor allem bei Bullen deutlich höher. © agrar-press
Der Export von Rindfleisch aus der Europäischen Union hat in den ersten 6 Monaten (Januar bis Juni) des Jahres 2014 um rund 19 Prozent zugenommen. Dabei sind bis zur Jahresmitte die Ausfuhren nach Russland, auf den Balkan, in den Libanon und in die Schweiz kräftig gewachsen, während die Exporte in die Türkei weiter kräftig zurückgingen. Infolge des russischen Importstopps werden sich die Exporte im zweiten Halbjahr 2014 deutlich schwächer entwickeln. Deutschland exportierte in den ersten 6 Monaten des Jahres 2014 knapp 13 Prozent mehr Rindfleisch als 2013 und bleibt damit (deutlich) vor Frankreich und Irland der größte Rindfleisch-Exporteur der EU. Im Jahr 2013 waren die europäischen Rindfleischexporte um etwa 15 % geschrumpft, wobei die deutschen Ausfuhren 2013 fast stabil geblieben waren (-2 %).
 
Exporte mehr als doppelt so hoch wie Importe
In den ersten sechs Monaten des Jahres 2014 haben die Länder der EU rund 19 Prozent mehr Rindfleisch in Drittländer exportiert als 2013. Außerdem blieb die EU im ersten Halbjahr 2014 Nettoexporteur von Rindfleisch. Mit insgesamt 293.846 t (Produktgewicht) übersteigt die bisherige Exportmenge den Umfang der Rindfleischimporte (126.433 t) in der EU um mehr als das Doppelte. Dabei hat der Rindfleisch-Import im Vorjahresvergleich leicht abgenommen. Deutschland bleibt bislang ebenfalls Nettoexporteur von Rindfleisch. Mit insgesamt 42.490 t (Produktgewicht) übersteigt die Exportmenge den Umfang der deutschen Rindfleischimporte (19.466 t) um mehr als das Doppelte.
 
Absatz bis zum Importstopp Russlands gewachsen
Der wichtigste Exportmarkt für Rindfleisch war in den ersten 6 Monaten des Jahres 2014 Russland. Das dürfte sich mit dem russischen Importstopp im zweiten Halbjahr 2014 spürbar ändern und die Ausfuhrdynamik deutlich abbremsen. Dabei haben die Ausfuhren nach Russland in den ersten 6 Monaten des aktuellen Jahres sogar um 84 % zugenommen. Der russische Anteil an allen europäischen Exporten lag bei 19 %. Das Anfang August ausgesprochene Einfuhrverbot für europäische Lebensmittel nach Russland hat für den europäischen (deutschen) Rindfleischexport also erhebliche Folgen. Um etwa 33 % zugenommen haben zudem die Exporte in den Libanon. Damit bleibt der Libanon vor Ghana, Bosnien und der Schweiz der zweitwichtigste Exportmarkt der EU. Der Anteil der Libanesen an allen Exporten liegt bei 11 %.
 
Mehr Exporte in Schweiz und auf den Balkan
Kräftig um 12 Prozent zugenommen haben zudem die Exporte in die Schweiz. Knapp 5 Prozent aller europäischen Rindfleischexporte gingen bislang in die Alpenrepublik. Zugenommen hat auch der europäische Export auf den Balkan. Hier liegt sowohl die Exportmenge nach Kosovo (+67 %) sowie nach Bosnien (+31 %), Mazedonien (+7 %) und Albanien (+5 %) über dem Vorjahrestand. Deutlich kleinere Exporte meldete die Kommission hingegen Richtung Norwegen (-50 %) und nochmals in die Türkei (-63%). Größer waren die Ausfuhrmengen dagegen an die Elfenbeinküste (+39 %) und etwas kleiner nach Ghana (- 4%).
 
Deutschland vor Frankreich größter Exporteur
Größter Rindfleischexporteur der Europäischen Union war in den ersten sechs Monaten 2014 Deutschland. Dabei nahm der deutsche Export gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent zu. Der deutsche Anteil an den europäischen Gesamtexporten lag bei knapp 15 %. Der Anteil der Exporte Frankreichs an den Gesamtausfuhren lag bei 11 %, Irland kommt auf 10 %, Polen auf 8 %, Spanien auf 7 %, die Niederlande auf 7 % und Österreich liegt bei rund 6 %. Bei allen genannten Exporteuren haben die Ausfuhrmengen im ersten Halbjahr zugenommen. Das dürfte sich mit dem russischen Importstopp im zweiten Halbjahr ändern.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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