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Analyse

Rind: Größere Produktion, mehr Exporte, hohe Preise

von , am
11.03.2015

Die Rindfleischproduktion wächst 2015 in der Europäischen Union das zweite Jahr in Folge.

© Frédéric Prochasson/Fotolia
 
Die europäische Rindfleischproduktion wächst 2015  das zweite Jahr in Folge. In den Jahren von 2010 bis 2013 war die Produktion allerdings um knapp 10 % geschrumpft. Im Jahr 2014 betrug der Produktionszuwachs 2,2 % und für 2015 rechnet die Kommission mit einem weiteren Wachstum der europäischen Rindfleischproduktion von 1,7 %. Ein Grund für den Produktionsanstieg der letzten beiden Jahre liegt in dem deutlichen Anwachsen des Milchkuhbestandes im Sog der gestiegenen Milchpreise. Vor allem in Osteuropa (Polen) wurden wegen des Rückgangs der Milchpreise dann jedoch in der zweiten Hälfte  2014 wieder mehr Kühe geschlachtet. Der Export von Rindfleisch ist trotz des russischen Importstopps 2014 um knapp 29 % gestiegen und soll auch 2015 weiter wachsen. Die Einfuhr von Rindfleisch in die EU blieb 2015 hingegen relativ stabil und geht 2015 sogar leicht zurück. Die Rindfleischpreise sind im zweiten Halbjahr 2014 zwar kräftig gefallen, haben sich Anfang 2015 jedoch überraschend deutlich erholt und liegen bei Bullen sogar auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren und auch die Kuhpreise steigen kräftig.
 
Produktion wächst 2014 und 2015
Für das gesamte Kalenderjahr 2015 rechnet die EU-Kommission mit einem Wachstum der europäischen Rindfleischproduktion von 1,7 % auf 7,788 Mio. t. Im zurückliegenden Jahr 2014 war die europäische Produktion um 2,2 % auf 7,661 Mio. t gestiegen. In den Jahren zuvor war die europäische Produktion von 2010 bis 2013 allerdings um knapp 10 % von 8,26 Mio. t auf 7,49 Mio. t geschrumpft. In Deutschland wuchs die Produktion 2014 um 1,7 % auf 1,13 Mio. t. In Frankreich war die erzeugte Menge mit 1,4 Mio. t (+0,2 %) relativ stabil und im Vereinigten Königreich wuchs die Produktionsmenge 2014 um 3,4 % auf 0,87 Mio. t, in Irland um 12,4 % auf 0,58 Mio. t und in Dänemark um 7,1 % auf 0,13 Mio. t. In Polen betrug der Produktionszuwachs 2014 gegenüber dem Vorjahr (Kuhschlachtung) sogar rund 20 % auf 0,41 Mio. t. Gleichzeitig schrumpft jedoch die für den deutschen Rindfleischabsatz äußerst wichtige italienische Produktion 2014 um 18 % auf 0,7 Mio. t.
 
Starker Exportboom 2014
Der Export von Rindfleisch und lebenden Rindern aus der EU hat 2014 um 23,9 % auf 562.000 t zugenommen. Für 2015 erwarte die Kommission einen weiteren Zuwachs der Ausfuhren bei Rindfleisch um 8,0 %. Der Grund für das starke Exportwachstum trotz des russischen Importstopps ab August, sind außergewöhnlich stark gewachsene Ausfuhren nach Hongkong (128 %), in den Libanon (+ 47%), nach Bosnien (+29 %) und in einige afrikanische Länder wie Elfenbeinküste und Angola und auch neue Abnehmer wie etwa die Philippinen. Auch die Türkei kaufte wieder mehr Rindfleisch in der EU. Interessanterweise hat Russland trotz seines ab August geltenden Importstopps im Gesamtjahr 2014 ebenfalls 17 % mehr Rindfleisch in der EU gekauft als im schwachen Jahr 2013 und ist deshalb auch 2014 der größte Importeur, mit einem Anteil an allen europäischen Exporten von einem Drittel.
 
Stabile Importe, höherer Verbrauch
Der Import von Rindfleisch in die EU lag 2014 relativ stabil bei 331.556 t. Für 2015 wird ein leichter Rückgang von etwa 1 % erwartet. Die EU ist weiterhin Nettoexporteur von Rindfleisch. Die wichtigsten Lieferanten von Rindfleisch in die EU waren Brasilien mit einem Lieferanteil von 43 %, Uruguay mit 15 %, Argentinien mit 13 % und Australien mit 10 % sowie die USA mit 7 % und Neuseeland mit 4 %. Dabei haben die südamerikanischen Länder 2014 Lieferanteile verloren und Australien und die USA Marktanteile hinzugewonnen. Der europäische Verbrauch von Rindfleisch hat nach einem Rückgang in den Jahren 2010 bis 2013 von reichlich 5 %, im Jahr 2014 wieder rum 1,5 % zugenommen. Für 2015 rechnet die Kommission mit einem weiteren Verbrauchswachstum von 1,2 %. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei etwa 10,6 kg und der Selbstversorgungsgrad pendelt sich knapp über der Marke von 100 % ein.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
 
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