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Analyse

Rind/EU: Produktion und Preise mit großen Unterschieden

von , am
11.06.2014

Die Preise für Jungbullen und Schlachtkühe sind in Deutschland niedriger als vor einem Jahr. Das ist zumindest bei Bullen nicht in allen EU-Ländern der Fall.

© Frédéric Prochasson/Fotolia
 
Die Preise für Jungbullen und Schlachtkühe sind in Deutschland niedriger als vor einem Jahr. Das ist zumindest bei Bullen nicht in allen EU-Ländern der Fall, wie die letzten Daten der EU-Kommission zur Produktion und zur Preisentwicklung zeigen. Außerdem läuft der Export von Rindfleisch aus der EU in Drittländer bislang sogar besser als im Vorjahr. Ein Grund für die rückläufigen Preise in Deutschland dürfte die deutlich größere Produktion (Angebot) bei Jungbullen auf Basis größerer Viehbestände sein. Bei Kühen ist der Bestand in Deutschland zwar ebenfalls gewachsen, die Schlachtmengen waren wegen der längeren Haltungsdauer (hohe Milchpreise) bislang jedoch relativ stabil. Das zeigt sich insbesondere in den Schlachtkuhpreisen, die seit Jahresbeginn gestiegen sind, während die Preise für Bullen deutlich nachgegeben haben und Anfang Juni ihr bisheriges Jahrestief erreichten.
 
Deutsche Bullenschlachtung deutlich gewachsen
Die EU-Kommission geht davon aus, dass die europäische Rindfleischproduktion (alle Rinderkategorien) im ersten Quartal 2014 um 0,6 % kleiner war als im Vorjahr. Dabei ist die Produktion von Bullenfleisch in der EU um 1,9 % geschrumpft, während man bei Kühen einen Anstieg der Schlachtmenge von 1,2 % unterstellt. In Deutschland hat sich die Produktion jedoch anders entwickelt. Die hohen Preise der letzten beiden Jahre haben sowohl bei Bullen auch bei Milchkühen zu einer Bestandsexpansion und damit auch zu einer Zunahme der Produktion geführt. Vor diesem Hintergrund lag Anzahl der geschlachteten Jungbullen im im ersten Quartal 2014 sogar um 7,0 % über Vorjahr und die Anzahl der geschlachteten Kühe war 1,4 % höher. Insgesamt erreicht der Zuwachs der deutschen Rindfleischproduktion im ersten Quartal 3,3 %. Dagegen weist die Kommission für Frankreich einen leichten und für Italien einen deutlichen Rückgang der Produktion aus. Produktionswachstum verzeichnet man indessen auch in den Niederlanden, in Polen und Irland.
 
Europäische Markt für Deutschland entscheidend
Der deutsche Selbstversorgungsgrad bei Rindfleisch lag nach den Berechnungen des BLE im Jahr 2013 bei etwa 109 %. Zu Stabilisierung der Preise in Deutschland sind also auf jeden Fall Exporte nötig. Im letzten Jahr waren dies etwa 438.000 t. Gleichzeitig werden jedoch 362.000 t Rindfleisch importiert. Etwa 13 % der deutschen Ausfuhren gehen in Drittländer, die wichtigsten Drittlandsmärkte sind die Schweiz, Norwegen und Russland. Beinahe 90 % der deutschen Exporte werden jedoch in andere EU-Länder verkauft. Damit hat die Angebots- und Preisentwicklung in diesen Ländern für die Preisentwicklung am deutschen Markt entscheidende Bedeutung. Die wichtigsten europäischen Abnehmer von deutschem Rindfleisch sind die Niederlande mit 22 % der deutschen Gesamtexporte, Frankreich mit 16 %, Italien mit 13 %, Dänemark mit 9 % und Spanien mit 6 %.
 
Bullenpreise vor allem in Deutschland unter Druck
Die deutschen Jungbullenpreise sind vor dem Hintergrund des Produktionswachstums in den ersten Monaten des Jahres 2014 stetig zurückgegangen und lagen im April mit 3,67 Euro/kg SG (Hkl. R3) rund 7 % niedriger als im Jahr zuvor. In den Niederlanden, dem wichtigsten Absatzmarkt für deutsches Rindfleisch, sind die Bullenpreise in den ersten vier Monaten hingegen leicht gestiegen, das Niveau des Vorjahres wurde im April mit 3,37 Euro/kg SG jedoch ebenfalls um 6 % verfehlt. Anders war die Entwicklung in Frankreich. Hier lagen die Preise im April mit 3,81 Euro/kg SG nur ganz knapp unter den Preisen vom Jahresanfang und zudem fast auf dem Niveau des Vorjahres. In Dänemark sind die Bullenpreise im den ersten 4 Monaten des Jahres sogar gestiegen und lagen mit 4,01 Euro/kg SG ebenfalls in etwa auf dem hohen Stand des letzten Jahres. Auch in Italien hatten die Preise für Jungbullen im den ersten vier Monaten des Jahres 2014 nur geringfügig nachgegeben und bewegen sich zudem auf dem Niveau von 2013.
 
Schlachtkühe europaweit besser bezahlt
Etwas anders ist die Entwicklung bei den Schlachtkuhpreisen. Hier sind die Preise in den ersten 4 Monaten de Jahres 2014 bei allen wichtigen europäischen Handelspartnern mehr oder weniger kräftig gestiegen. Gleichzeitig bleiben die Kuhpreise jedoch unter dem Rekordniveau des letzten Jahres. Den stärksten Preisanstieg verzeichneten im laufenden jähr bis April die Niederlande mit 10 %. In Deutschland beträgt der Aufschlag 6 %, in Italien 5 % und in Frankreich 3 %. Stabile Kuhpreise meldet man aus Dänemark. Das absolute Niveau der Schlachtkuhpreise (Hkl. O3) war in Frankreich mit 3,40 Euro/kg SG am höchsten und lag deutlich höher als etwa Deutschland und Dänemark mit jeweils 2,95 Euro/kg SG und auch als in den Niederlanden mit 2,85 Euro. In Polen kosteten Schlachtkühe (O3) sogar nur 2,61 Euro/kg. Polen ist nach den Niederlanden und Österreich und noch vor Frankreich und Dänemark der drittwichtigste Lieferant von Rindfleisch für den deutschen Markt.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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