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Analyse

Entlastung für den deutschen Schweinemarkt?

von , am
08.07.2015

Die EU-Kommission hat Ende Juni auf Basis der Ländermeldungen die Produktionserwartungen zum europäischen und auch zum deutschen Schweinemarkt aktualisiert.

© Mühlhausen/landpixel

 
Die EU-Kommission hat Ende Juni auf Basis der Ländermeldungen die Produktionserwartungen zum europäischen und auch zum deutschen Schweinemarkt aktualisiert. Für die Europäische Union ist das Schweineangebot im Jahr 2015 offenbar erheblich größer als ursprünglich erwartet wurde. Für Deutschland erwartet die EU-Kommission in ihrer Ende Juni aktualisierten Produktionsschätzung ab dem zweiten Halbjahr 2015 jedoch weiterhin einen relativ deutlichen Rückgang der Produktion unter das Niveau des Vorjahres.
 
Damit wäre Deutschland auch im Gesamtjahr 2015, neben Frankreich, das einzige der großen Produktionsländer mit einem (leichten) Rückgang der Schlachtung. Bislang ist davon jedoch noch nichts zu spüren, auch wenn die letzte Viehzählung im Mai einen leicht rückläufigen Bestand an Zuchtsauen und Schweinen zeigt. Im ersten und zweiten Quartal 2015 war die Zahl der in Deutschland geschlachteten Schweine jedenfalls deutlich größer als im gleichen Zeitraum des Vorjahres (2014) und drückte die Schweinepreise kräftig nach unten.
 
Ab dem dritten Quartal 2015 (Juli bis September) und vor allem im vierten Quartal (Oktober bis Dezember) soll die Schlachtmenge in Deutschland dann jedoch deutlich kleiner ausfallen als 2014, was auch die Schweinepreise hierzulande etwas stützen dürfte.
 
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Kräftiger Rückgang im zweiten Halbjahr?
Die Ende Juni von der Kommission für das Jahr 2015 für Deutschland erwartete Gesamtschlachtung liegt bei etwa 58,34 Mio. Schlacht-Schweinen. Damit würde die Schlachtung aus dem Vorjahr von 58,74 Mio. Schweinen um 0,7 % verfehlt. Gleichzeitig wäre dies die kleinste deutsche Schlachtmenge seit dem Jahr 2012 (58,2 Mio. Schweine). Allerdings lag die deutsche Schweineschlachtung in den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 deutlich (2,7 %) über den Vorjahreswerten.
 
Der von der Kommission erwartete Rückgang der Schlachtung soll sich jedoch erst ab dem zweiten Halbjahr vollziehen. Ob diese Prognose eintrifft, hängt jedoch auch von der  Marktentwicklung in unseren Nachbarländern ab, denn rund 20 % der jährlich in Deutschland geschlachteten Schweine kommen entweder bereits als Ferkel oder dann als Schlachtschweine aus Dänemark und den Niederlanden.
 
Produktion im ersten Halbjahr deutlich größer
Im ersten Quartal 2015 (Januar bis März) betrug die Zuwachs der Schlachtung in Deutschland immerhin 3,0 % auf 14,98 Mio. Schweine. Für das zweite Quartal 2015 (April bis Juni) ermittelte die Kommission  dann immer noch einen Zuwachs (Schlachtung) von 1,8 % auf 14,35 Mio. Schweine.
 
Die derzeitigen Aussichten für das dritte Quartal 2015 (Juli bis September) lassen für Deutschland  dann jedoch eine  Marktentlastung erwarteten. Derzeit rechnet die Kommission mit einem Rückgang der deutschen Schlachtung um 2,8 % auf 14,29 Mio. Schweine.
 
Am kräftigsten soll die Schlachtung jedoch in dem aus saisonalen Gründen besonders umsatzstarken 4ten Quartal schrumpfen. Für die letzten drei Monate des Jahres 2015 geht die Kommission  bislang von einem sehr kräftigen Rückgang der Schlachtung in Deutschland von 4,4 % auf 14,71 Mio. Schweine aus.
 
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Europäische Produktion bleibt sehr hoch
Europaweit bleibt das Angebot jedoch auch im dritten und vor allem vierten Quartal 2015 sehr hoch. Das könnte die Entwicklung in Deutschland maßgeblich beeinflussen und einer Marktstabilisierung entgegenwirken. Für Dänemark rechnet die Kommission für das Gesamtjahr mit einem Produktionszuwachs von 3,9 % und für das vierte Quartal mit einer Zunahme der Schlachtung um 3,7 %.
 
Der Produktionszuwachs für die Niederlande liegt im Gesamtjahr 2015  bei 2,3 % und im dritten und vierten Quartal zwischen 0,7 und 0,9 %. Am stärksten wächst die Produktion 2015 jedoch bei dem nach Deutschland zweitgrößten europäischen Schweineproduzenten Spanien, mit mehr als 5,0 %.
 
Auch bei unseren polnischen Nachbarn werden 2015 etwa  1,1 % mehr Schweine geschlachtet als 2014 und aus dem Vereinigten Königreich meldet man für 2015 eine Mehrschlachtung von 3,0 %. Unverändert zum Vorjahr ist lediglich die Produktion in Italien und einen leichten Rückgang von -0,6 % erwartet man 2015 in Frankreich.
 
Europaweit geht die Kommission für das dritte Quartal 2015 jedenfalls von einem Produktionsanstieg von 1,6 % aus und für das vierte Quartal von 1,9 %. Für das Gesamtjahr 2015 beträgt der Produktionszuwachs sogar 2,6 % . Die für 2015  von der Kommission erwartete Produktionsmenge übersteigt damit den letzten Spitzenwert von 2011 recht deutlich (siehe Grafik)  und erreicht möglicherweist fast den bisherigen Produktionsrekord aus dem Jahr 2007.
 
Damit sind jedoch auch die Möglichkeiten einer deutlichen Erholung der Schweinepreise in der zweiten Jahreshälfte begrenzt.
 
Dr. Olaf Zinke
 
Analyse zur europäischen Produktionsemtwicklung:
Schwein: Produktion übertrifft alle Erwartungen

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