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Analyse

Europäische Schweine-Produktion bleibt sehr hoch

von , am
22.05.2015

Am europäischen Schweinemarkt übersteigt die Produktion (Schlachtung) und damit das Angebot an Schlachtschweinen auch im laufenden zweiten Quartal 2015 (April bis Juni) den Wert des Vorjahres.

© Massonforstock/fotolia
 
Am europäischen Schweinemarkt übersteigt die Produktion (Schlachtung) und damit das Angebot an Schlachtschweinen auch im laufenden zweiten Quartal 2015 (April bis Juni) den Wert des Vorjahres. Auch für den Rest des Jahres 2015 bleibt das Angebot an Schlachtschweinen sehr groß. Bereits im ersten Quartal 2015 (Januar bis März) übertraf die Menge an geschlachteten Schweinen den Vorjahreswert und drückte die Schweinepreise kräftig nach unten. Zu diesen Ergebnissen kommt die EU-Kommission in ihrer Ende Mai auf der Grundlage der Schlachtdaten und Prognosen aus den EU-Ländern aktualisierten Produktionsschätzung.
 
Niedrigste Schweinepreise seit 2010
Dabei liegt die Ende Mai erwartete europäische Gesamt-Produktion an Schlachtschweinen für das Jahr 2015 mit 22,53 Mio. t oder 252,7 Mio. Schlacht-Schweinen rund 0,9 % über der Produktionsmenge aus dem Vorjahr (2014). Gleichzeitig wäre dies die bislang größte Produktionsmenge seit 4 Jahren und die letzte europäische Produktionsspitze aus dem Jahr 2011 von 253,3 Mio. Schweinen würde nur sehr knapp um gerade einmal 0,2 % verfehlt. Dieses große Angebot ist auch der Grund für den immensen Preisdruck am europäischen Markt. Die von der Kommission Ende Mai für das Gesamtjahr erwarteten Schweinepreise wären mit 147,8 Euro je 100 kg Schlachtgewicht die niedrigsten Preise seit dem Jahr 2010 (140,2 Euro je 100 kg). Das bereits schwache Niveau des Vorjahres (2014) von 156,6 Euro je 100 kg SG wird um knapp 6 % verfehlt und der Abstand zu den Preisen von 2013 (175,5 Euro/100 kg) beträgt sogar 15 %.
 
Zuwachs der Produktion in fast allen Ländern
Im ersten Quartal 2015 (Januar bis März) betrug die Mehrproduktion (Schlachtung) in der Europäischen Union 2,6 (!!) Prozent auf 63,7 Mio. Schweine. In Deutschland betrug der Produktionszuwachs (Schlachtung) im ersten Quartal 1,1 % auf 14,75 Mio. Schweine. Die Schweinepreise fielen in Deutschland zeitweise bis auf 1,30 Euro/kg SG und der höchste Wochenpreis lag im ersten Quartal bei 1,50 Euro. Von unserem nördlichen Nachbaren Dänemark meldete man eine Zuwachs der Schlachtung von 3,7 % auf 4,92 Mio. Schweine, in Spanien nahm die Zahl der geschlachteten Schweine um 5,0 auf 11,6 Mio. zu und in den Niederlanden betrug der Zuwachs 3,9 % auf 3,73 Mio. Schweine.
 
Mit einem Plus bei der Schweinschlachtung von 2,0 % auf 6,1 Mio. Schweine beendete Frankreich das erste Quartal und auch in Polen lag die Schlachtmenge mit 5,06 Mio. Schweinen rund 2,4 % über dem Vorjahr. Von den großen (und auch für Deutschland) wichtigen europäischen Produktionsländern ging die Schaltung lediglich in Italien um 2,2 % auf 3,3 Mio. Schweine zurück.
 
Zweite Quartal 2015 bringt keine Entlastung
Für das zweite Quartal 2015 (April bis Juli) erwartet die Kommission in der Europäischen Union eine Mehrproduktion (Schlachtung) gegenüber 2014 von rund 1,8 % Prozent auf 61,1 Mio. Schweine. In Deutschland rechnet sogar mit einem Produktionszuwachs (Schlachtung) im zweiten Quartal von 1,8 % auf 14,1 Mio. Schweine. Für Dänemark erwartet man im Unterscheid zu 1ten Quartal nur noch einen ganz moderten Zuwachs der Schlachtung von 0,2 % auf 4,52 Mio. Schweine. Für Spanien geht man hingegen von einem sehr starken Zuwachs bei der Schlachtung von 8,9 % auf 14,4 Mio. aus.
 
Für die Niederlande rechnet die Kommission mit einem Produktionswachstum von 0,7 % auf 3,5 Mio. geschlachtete Schweine. Einen Rückgang der Schweinschlachtung im Vergleich zum Vorjahr von 1,0 % auf 5,67 Mio. Schweine erwartet man für das zweite Quartal in Frankreich, während die Kommission in Polen von 5,02 Mio. geschlachteten Schweinen (+0,2 %) eher von einer stabilen Produktion ausgeht. Für Italien bleibt der rückläufige Trend bestehen und die Schaltung soll im zweiten Quartal um 0,8 % auf 3,08 Mio. Schweine schrumpfen .
 
Angebot bleibt im zweiten Halbjahr 2015 groß
Die derzeitigen Aussichten für das dritte Quartal 2015 sind nur wenig besser. Für den Zeitraum (Juli bis September) rechnet die Kommission mit einem ganz leichten Rückgang der europäischen Produktion (Schlachtung) um 0,4 % auf 61,69 Mio. Schweine und für das auch aus saisonalen Gründen besonders umsatzstarke 4te Quartal soll die Produktion mit 66,12 Mio. Schweinen in etwa auf dem (sehr hohen) Wert des Vorjahres liegen.
Die Schlachtung im 4ten Quartal des Jahres 2014 hatte indessen mit 66,2 Mio. Schweinen einen sehr hohen Wert erreicht und lag sogar deutlich über dem bisherige Spitzenwert aus dem Jahr 2010 (65,75 Mio.). Auch der für 2015 erwartete Wert von 66,1 Mio. Schweinen wird jedoch höher sein als 2010. Damit blieben auch die Aussichten auf eine deutliche Erholung der Schweinepreise in der zweiten Jahreshälfte relativ gering.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter Markt
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