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Analyse

Ferkelerzeuger in Not, Preise drastisch abgestürzt

von , am
25.09.2014

Nicht nur am Schweinemarkt sind die Preise abgestürzt und der wirtschaftliche Druck ist gewaltig. Auch die Ferkelpreise sind bis Mitte September auf den niedrigsten Stand seit Juli 2012 gefallen.

© Mühlhausen/landpixel
Nicht nur am Schweinemarkt sind die Preise abgestürzt und der wirtschaftliche Druck ist gewaltig. Auch die Ferkelpreise sind bis Mitte September auf den niedrigsten Stand seit Juli 2012 gefallen und offensichtlich ist die Talfahrt der Ferkelpreise noch nicht beendet. Das zeigen zumindest die Preiserwartungen für die aktuelle vierte Septemberwoche, die deutschlandweit neue Preistiefs markieren. Dabei gehen die Notierungen erneut um 3 bis 5 Euro zurück. Erstmals seit langem könnten die Preise für 25-kg-Ferkel wieder unter die 40-Euro-Marke rutschen. Diesen Trend bestätigen auch die Preiserwartungen am europäischen Terminmarkt, wo die Preise bis Oktober weiter rückläufig sind und sich erst zum Jahresende etwas erholen. Ferkelpreise deutlich unter 40 Euro gab es in Deutschland zuletzt im Jahr 2011. Die Ursache für den massiven Preisverfall bei Ferkeln ist der dramatische Absturz bei den Schweinepreisen sowie die Erwartung des Marktes, dass sich die Schweinepreise in den nächsten Monaten kaum deutlich erholen werden.
 
Ferkelpreise seit Juni um 40 Prozent gefallen
In Deutschland haben sich die Ferkelpreise (25 kg) bis Mitte Juni zum Teil deutlich über der Marke von 60 Euro/Tier bewegt. So hoch waren die Ferkelpreise zuletzt im April 2012. Auch damals folgte dann ein drastischer Absturz der Ferkelpreise (und der Schweinpreise) um etwa 27 % auf rund 46 Euro. Derzeit sind die Ferkelpreise jedoch schon erheblich niedriger. Von Juni bis Anfang September 2014 gaben die Notierungen für Ferkel in Deutschland um 23 % oder 14 Euro bis auf 46 Euro/Tier nach. Ursachen waren die sich immer weiter verschlechternden Preisaussichten am Schweinemarkt und der wachsende Angebotsdruck bei Schweinen und Ferkeln Zum Beginn der dritten Septemberwoche (22.09) fiel der Nordwestpreis für 25-kg-Ferkel dann bis auf 41 Euro und für die die letzte Septemberwoche rechnet man mit einem weiteren Rückgang um 3 bis 5 Euro unter die Marke von 40 Euro (36 bis 38 Euro). Das ist seit Juni ein Rückgang um 40 Prozent. So niedrig waren die Ferkelpreise zuletzt in der zweiten Jahreshälfte 2011. Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden hat der scharfe Rückgang der Schweinepreise einen noch stärkeren Preissturz bei Ferkeln ausgelöst. Dort hat sich das Preisniveau in den letzten Monaten etwa halbiert. Dagegen haben sich die Ferkelpreise in Dänemark zumindest bis Mitte September einigermaßen behauptet.
 
Umfangreiche Ferkelimporte nach Deutschland
Der deutsche Schweinemarkt ist auf umfangreiche Ferkelimporte angewiesen, um die laufende Nachfrage der Mäster zu decken. Von 2005 bis 2012 ist die Zahl der nach Deutschland importieren Ferkel von etwa 4,5 auf knapp 11 Mio. Tiere gestiegen. In den letzten drei Jahren importierte Deutschland jeweils zwischen 10 Mio. und 11 Mio. Ferkel. Im letzten Jahr (2013) ging die Importmenge erstmals seit 9 Jahren wieder leicht auf 10,2 Mio. Tiere zurück. Der größte Teil der nach Deutschland importierten Ferkel kommt mit 6,3 Mio. Tieren aus Dänemark. Weitere knapp 4,0 Mio. Ferkel wurden in den Niederlanden gekauft. Diese Handelsströme machen die sehr enge Verknüpfung des deutschen Schweinemarktes mit den Niederlanden und Dänemark deutlich. Zusätzlich zu den Ferkeln kommen jährlich (2013) noch 4,8 Mio. Schlachtschweine aus unseren europäischen Nachbarländern auf den deutschen Markt, davon allein 4,4 Mio. Tiere aus den Niederlanden. Von den 58,6 Mio. im letzten Jahr in Deutschland geschlachteten Schweinen wurden also insgesamt 10,2 Mio. Tiere als Ferkel aus dem Ausland zugekauft und hier weiter gemästet. Hinzu kommen noch die 4,8 Mio. t Schlachtweine aus unseren Nachbarländern. Demgegenüber steht eine deutsche Produktion von etwa 46 Mio. Tieren (Ferkeln).
 
Zuchtsauen- und Ferkelbestand hatte sich stabilisiert
Seit 2013 hat sich die deutsche Ferkelproduktion nach Jahren des Rückgangs stabilisiert bzw. wieder leicht zugenommen, wie die letzten Viehzählungsergebnisse belegen. Dieser Trend könnte nun durch den scharfen Preisrückgang bei Ferkeln gefährdet werden, zumal die Ferkelpreise in den Niederlanden in Relation noch stärker gefallen sind als in Deutschland. Das könnte den Import aus unserem Nachbarland ankurbeln und die Ferkelpreise hierzulande noch stärker drücken. Die Zahl der in Deutschland gehaltenen Zuchtsauen ist seit Mai 2013 moderat um insgesamt 1 Prozent auf 2,07 Mio. Tiere gestiegen. Im gleiche Zeitraum nahm die Zahl Jungschweine bis 50 kg Lebendgewicht um 8 % auf 5,7 Mio. Tiere zu und die Anzahl Ferkel wuchs um etwa 1 % auf 8,25 Mio. Tiere. Gleichzeitig nahm jedoch die Anzahl der Zuchtbetriebe in Deutschland weiter um etwa 7 % auf 10.500 Betriebe ab.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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