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Analyse

Niederlande: Abzüge für Eber häufen sich

von , am
08.04.2015

Der niederländische Exportschlachthof Gosschalk hat den Abschlag für Eber nach Ostern von 3 auf 4,50 Euro erhöht. Abgelieferte Sauen und Börge werden hingegen mit je 1 Euro Aufschlag honoriert.

Für den typischen Ebergeruch sind die Geschlechtshormone Androstenon sowie Skatol verantwortlich. © landpixel
Wie die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) unter Hinweis auf einen Bericht des niederländischen Fachblatts Boerderij erläutert, haben in den vergangenen Monaten viele niederländische Schlachtunternehmen die Basispreise für Eber gekürzt. Gosschalk begründet den Schritt mit dem zunehmend schwierigeren Absatz von Eberfleisch auf den Exportmärkten. Das Schlachtunternehmen aus Epe ist auf den Export spezialisiert. Vor allem nach dem Wegfall des russischen Marktes lässt sich Eberfleisch schlechter platzieren.
 
Der Vion-Konzern hatte den Abzug für Eber im Oktober 2014 von 0,02 Euro/kg Schlachtgewicht (SG) auf 0,03 Euro angehoben. Das Schlachtunternehmen Compaxo zieht seitdem ebenfalls 4 Euro statt 3 Euro je Eber ab. In Folge der Kürzungen der niederländischen Schlachter wurden am Tönnies Standort Sögel (Weidemark) immer mehr Eber aus den Niederlanden angeliefert. Tönnies kürzte daraufhin den Basispreis für Eber von niederländischen Schweinehaltern um 0,03 Euro/kg SG. Deutsche Lieferanten sind nicht betroffen.
 
Die ISN kritisierte, die Marktspaltung, vor der Schweinehalter in Deutschland immer gewarnt hätten, sei in den Niederlanden Realität. Sauen und Börge werden finanziell bevorzugt, Masteber dagegen abgestraft. Zugleich naht der gesetzlich festgelegte Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration Ende 2018. Die ISN betont, die Landwirte hätten ihre Hausaufgaben gemacht und in der Praxis bewiesen, dass die Ebermast machbar sei. Jetzt seien die nachgelagerten Stufen an der Reihe. Viel Zeit bleibe nicht mehr.
 
Aktuell schlachten in Deutschland laut ISN nur die großen drei Schlachtunternehmen Tönnies, Vion und Westfleisch in nennenswertem Umfang Jungeber. Der Marktanteil in Deutschland dürfte unter 5 Prozent aller Schweineschlachtungen liegen. Insbesondere der Mittelstand hält sich zurück, da die Absatzmöglichkeiten für Eberfleisch begrenzt sind.
 
Der Grund hierfür liegt nach Darstellung der ISN im Lebensmitteleinzelhandel (LEH): Obwohl der LEH vollmundig Tierwohl fordere, spreche die Einkaufspraxis der Supermärkte und Discounter eine andere Sprache: In den meisten Fällen werde Fleisch von Jungebern immer noch kategorisch ausgeschlossen.
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