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Analyse

Schwein: Produktion übertrifft alle Erwartungen

von , am
23.06.2015

Das Schweineangebot in der Europäischen Union ist im Jahr 2015 offenbar erheblich größer als bislang gedacht.

© Mühlhausen/landpixel
 
Das Schweineangebot in der Europäischen Union ist im Jahr 2015 offenbar erheblich größer als bislang gedacht. Nach den Mitte Juni von der EU-Kommission aktualisierten Länderdaten, übersteigt die Schweineschlachtung in der Europäischen Union in allen vier Quartalen 2015 sehr deutlich den Vorjahreswert. Im Gesamtjahr könnten nach der derzeitigen Einschätzung sogar mehr Schweine geschlachtet werden als zur letzten Produktionsspitze im Jahr 2011 und möglichweise ähnlich viele Schweine wie im bisherigen Rekordjahr 2007.
 
Diese Konstellation erklärt auch den (trotz der überraschend gut laufenden Exporte) enormen Druck auf die Schweinepreise. Bereits nach der vorigen Prognose der Kommission sollten die Schweinepreise im Jahresmittel 2015 auf den niedrigsten Wert seit 2010 fallen. Diese Einschätzung scheint der bisherigen Preisverlauf zu bestätigen, wobei die Preise durch den witterungsbedingt stockenden Absatz von Grillfleisch zusätzlich unter Druck gerieten.
 
Produktion übertrifft bisherige Prognosen
Mitte Juni liegt von der Kommission für das Jahr 2015 erwartete Gesamt-Produktion an Schlachtschweinen rund 2,5 % über dem Wert aus dem Vorjahr. Das entspricht einer Jahresschlachtung von etwa 256,6 Mio. Schweinen. Bislang hatte die Kommission „nur“ einen Produktionszuwachs von 0,9 % auf 252,7 Mio. t erwartet und im dritten und vierten Quartal 2015 sogar mit einem moderaten Rückgang der Produktion gerechnet. Davon ist jetzt jedoch nicht mehr die Rede, denn die Schlachtung übersteigt in allen vier Quartalen 2015 den Vorjahreswert deutlich.
 
Auch die letzte Produktionsspitze aus dem Jahr 2011 mit 253,3 Mio. geschlachteten Schweinen würde nun recht deutlich um 1,3 % übertroffen. Möglichweise erreicht das Schachlachtaufkommen 2015 sogar fast den bisherigen Rekordwert aus 2007 (256,8 Mio. Schweine). Damals (2007) waren die Schweinepreise im Jahresmittel auf den bislang niedrigsten Wert von 135,2 Euro/100 kg SG gefallen.
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Weiter sehr niedrigere Preise zu erwarten
Im Rahmen der Produktionsprognose von Mitte Juni hat die Kommission keine aktualisierte Preisschätzung abgegeben. Mitte Mai hatten die Kommissionexperten die Schweinepreise für das Gesamtjahr 2015 jedoch noch auf 147,8 Euro je 100 kg Schlachtgewicht geschätzt. Das war bereits der niedrigste Schweinepreis seit dem Jahr 2010 (140,2 Euro je 100 kg). Das bereits schwache Niveau des Vorjahres (2014) von 156,6 Euro je 100 kg SG würde um etwa 6 % verfehlt und der Abstand zu den Preisen von 2013 (175,5 Euro je 100 kg) beträgt sogar 15 %.
 
Angesichts des nun noch größeren Angebotes, könnten die Preise auch noch stärker unter Druck geraten, wie die aktuelle Entwicklung der Markpreise zeigt. Mitte Juni hat die witterungsbedingt sehr schwache Grillfleischnachfrage jedenfalls zu einem erneuten Rückgang der ohnehin schon niedrigen Schweinepreise geführt. Bis Mitte Juni 2015 lag der Durchschnittspreis nur bei 1,43 Euro je kg SG und damit erheblich niedriger als in den vier Jahren zuvor.
 
Rekordschlachtung schon im ersten Quartal
Nach den aktualisierten Daten der EU-Kommission betrug die Mehrproduktion (Schlachtung) im ersten Quartal 2015 (Januar bis März) immerhin 4,7 (!!) Prozent, auf 65,2 Mio. Schweine. Erwartet hatte die Kommission zuvor einen Anstieg der Produktion von 2,4 % auf 63,7 Mio. Schweine. Dieser bereits hohe Wert wird nun deutlich übertroffen und ebenso die Quartalsschlachtungen aus den Jahren davor. Für das zweite Quartal 2015 (April bis Juni) rechnet die Kommission mit einer Mehrproduktion (Schlachtung) gegenüber 2014 von rund 1,8 % Prozent auf insgesamt 61,1 Mio. geschlachtete Schweine. Diesen Zuwachs hatte die Kommission auch bei der vorigen Prognose erwartet.
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Angebot auch im zweiten Halbjahr sehr groß
Das Produktionswachstum für das dritte und das vierte Quartal 2015 ist ebenfalls deutlich höher als zuvor erwartet wurde. Für den Zeitraum (Juli bis September) rechnet die Kommission jetzt mit einer Zunahme der der Produktion (Schlachtung) um 1,6 % auf 62,9 Mio. Schweine. Erwartet hatte man zuvor noch einen leichten Rückgang von -0,4 % auf 61,7 Mio. Schweine. Dieser Wert wird nun jedenfalls deutlich übertroffen.
 
Für das besonders sehr umsatzstarke vierte Quartal soll die Produktion nun um 1,9 % auf 67,5 Mio. Schweinen wachsen. Das wäre nach den vorliegenden Daten mindestens der höchste Wert seit 2009. Erwartet hatte die Kommission zuvor eine fast unveränderte Produktion zum Vorjahr (-0,1 %) von 66,1 Mio. Schweinen. Damit bleiben wohl auch die Möglichkeiten für eine spürbare Erholung der Schweinepreise in der zweiten Jahreshälfte relativ gering.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter Markt
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