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Analyse

Schwein: Produktionsboom bestimmt Preisentwicklung

von , am
08.09.2015

Im Gesamtjahr 2015 könnten nach der aktuellen Prognose sogar mehr Schweine geschlachtet werden als zur letzten Produktionsspitze im Jahr 2011 und möglichweise wird auch der bisherige Produktionsrekord aus dem 2007 übertroffen.

© Mühlhausen/landpixel
 
Zum Monatswechsel hat die EU-Kommission ihre Daten zur europäischen Schweineproduktion aktualisiert. Danach übersteigt die Schweineschlachtung in der Europäischen Union auch in den letzten beiden Quartalen 2015 den Vorjahreswert. Im Gesamtjahr 2015 könnten nach der aktuellen Prognose sogar mehr Schweine geschlachtet werden als zur letzten Produktionsspitze im Jahr 2011 und möglichweise wird auch der bisherige Produktionsrekord aus dem 2007 übertroffen. Dieses Produktionswachstum erklärt auch den enormen Druck auf die europäischen Schweinepreise. Nach der letzten Preis-Prognose der Kommission liegen die europäischen Schweinepreise im Jahresmittel 2015 auf dem niedrigsten Stand seit 2010. Diese Einschätzung wird durch den bisherigen Preisverlauf bestätigt.
 
Neuer Produktionsrekord scheint möglich
Ende August lag die von der EU-Kommission für das Jahr 2015 ermittelte europäische Gesamt-Produktion an Schlachtschweinen rund 2,5 % über dem Wert aus dem Vorjahr. Das entsprach einer Jahresschlachtung von insgesamt 256,5 Mio. Schweinen. Auf einen ähnlichen Wert hatte die Kommission die Schlachtung bereits bei der vorigen Prognose Mitte Juni geschätzt. Dabei übersteigt die Anzahl der geschlachteten Schweine in allen vier Quartalen 2015 den Vorjahreswert deutlich.
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Im dritten und vierten Quartal 2015 ist der Vorsprung jedoch etwas geringer als im ersten Halbjahr 2015. Die letzte Produktionsspitze aus dem Jahr 2011, mit einer Jahresschlachtung von 253,3 Mio. Schweinen, würde im Jahr 2015 recht deutlich um 1,3 % übertroffen. Gleichzeitig verfehlt die erwartete Anzahl der im Jahr 2015 insgesamt geschlachteten Schweine nur ganz knapp den bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2007 von etwa 256,8 Mio. Schweinen. Jedoch sind die Schlachtgewichte im aktuellen Jahr etwas höher als 2007, so dass die der Fleischanfall 2015 mit insgesamt 22,95 Mio. t am Ende sogar etwas größer sein könnte als im bisherigen Rekordjahr 2007 mit 22,86 Mio. t.
 
Rekordschlachtung im ersten Halbjahr
Nach den Ende August von der EU-Kommission aktualisierten Daten, betrug der europäische Produktionszuwachs (Schlachtung) im ersten Quartal 2015 (Januar bis März) 4,3 Prozent und die Zahl der im ersten Quartal geschlachteten Schweine lag bei 64,96 Mio. Tieren. Damit wurden die vergleichbaren Quartalsschlachtungen aus den Jahren zuvor durchweg deutlich übertroffen. Für das zweite Quartal 2015 (April bis Juni) meldet die Kommission immerhin noch eine Mehrproduktion (Schlachtung) gegenüber 2014 von 2,2 % auf insgesamt 61,54 Mio. Schweine. Damit wurden für die beiden ersten Quartale 2015 die höchsten Produktionsmengen seit mindestens 2009 erreicht.
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Produktion auch zum Jahresende sehr groß
Die europäische Produktion (Schlachtung) im dritten und vierten Quartal 2015 liegt ebenfalls deutlich über den Vorjahreswerten. Für das dritte Quartal (Juli bis September) ermittelte die Kommission eine Zunahme der Produktion (Schlachtung) um 1,5 % auf 63,0 Mio. Schweine. Diese Produktionsmenge wurde zuletzt im Jahr 2011 mit 63,2 Mio. geschlachteten Schweinen übertroffen. Für das üblicherweise besonders umsatzstarke vierte Quartal soll die Produktion im Jahr 2015 um 1,9 % auf insgesamt 67,5 Mio. Schweinen steigen. Das wäre nach den vorliegenden Daten mindestens der höchste Wert für das vierte Quartal seit dem Jahr 2009.
 
Schweinepreise sind sehr niedrig
Im Rahmen der aktuellen Produktionsprognose von Ende August hat die Kommission keine ihre Schätzung zu weiteren Preisentwicklung nicht aktualisiert. Ende Mai hatten die Kommissionexperten die Schweinepreise für das Gesamtjahr 2015 jedoch auf 147,8 Euro je 100 kg Schlachtgewicht geschätzt. Das war bereits der niedrigste Schweinepreis seit dem Jahr 2010 (140,2 Euro je 100 kg). Das keineswegs überragende Niveau des Vorjahres (2014) von 156,6 Euro je 100 kg SG würde mit der EU-Prognose um etwa 6 % verfehlt und der Abstand zu den Preisen von 2013 (175,5 Euro je 100 kg) beträgt sogar 15 %.
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Die bisherige Preisentwicklung am europäischen und deutschen Markt hat die Kommissions-Prognose mehr als bestätigt. Von Juni bis August fielen die Kurse in Deutschland sogar wieder unter die Marke von 1,40 Euro je kg, um sich dann erst Anfang September wieder etwas zu erholen. Bis Anfang September 2015 lag der bis dahin in Deutschland erzielte Durchschnittspreis für Schlachtschweine nur bei 1,43 Euro je kg SG und war damit deutlich niedriger als in den vier Jahren zuvor und auch etwas niedriger als die schon sehr pessimistische Prognose der Kommission.
 
Am europäischen Terminmarkt geht man derzeit auch für die verbleibenden Monate nicht von einer durchgreifenden Preiserholung aus, sondern die Preise liegen ab Oktober 2015 wieder nur bei 1,40 Euro und später sogar darunter.
 
Dr. Olaf Zinke
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