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Analyse

Schwein: Russlands Importstopp belastet den Markt

von , am
16.09.2014

Der europäische Export von Schweinefleisch ist den ersten 6 Monaten des Jahres 2014 um 9 % zurückgegangen. Deutschland hat 2014 sogar 17 % weniger Schweinefleisch in Drittländer exportiert.

© Mühlhausen/landpixel
Der Export von Schweinefleisch aus der Europäischen Union in Drittländer ist den ersten 6 Monaten (Januar bis Juni) des Jahres 2014 um 9 % zurückgegangen. Deutschland hat 2014 sogar 17 % weniger Schweinefleisch in Drittländer exportiert. Hauptursache für diesen Rückgang ist das Importverbot durch den bislang wichtigsten Importeur Russland. Auch in die Ukraine und nach Weißrussland haben die Europäer im ersten Halbjahr 2014 deutlich weniger Schweinefleisch verkauft als 2013. Hinzu kommt, dass die (auch für Deutschland) ausgesprochen wichtigen Ausfuhren nach China bis Juni leicht zurückgingen bzw. stagnierten. Diese Rückgänge konnten bislang (zumindest für Deutschland) nicht durch die zum Teil sehr kräftig wachsenden Exportmengen nach Südkorea, nach den Philippinen und Japan aufgefangen werden. Im letzten Jahr (2013) war Russland deutlich vor China, Honkong sowie Japan der wichtigste Exportmarkt für Schweinefleisch aus der EU. In diesem Jahr (2014) waren China, Honkong und Japan die mit Abstand wichtigsten Abnehmer von europäischem Schweinefleisch.
 
Etwas weniger Schweinefleisch nach China
Der mit Abstand wichtigste Exportmarkt für Schweinefleisch war in den ersten 6 Monaten des Jahres 2014 China. Allerdings haben auch die Ausfuhren nach China moderat um 3 % abgenommen und sind damit erstmals seit 4 Jahren nicht mehr gewachsen. Zuvor hatte die chinesische Importe wesentlich zu dem dynamischen Exportwachstum der Europäer beigetragen, denn Russlands Importe waren (wegen der wachsenden eigenen Produktion) bereits zuvor rückläufig. Im letzten Jahr (2013) hatten die europäischen Exporte nach China noch um 13 % zugenommen und im Jahr davor (2012) betrug der Zuwachs bei den europäischen Chinaexporten sogar 50 %. Der chinesische Anteil an allen europäischen Schweinefleischausfuhren lag im ersten Halbjahr 2014 bei etwa 24 (!!) %. Die Nummer zwei unter den wichtigsten europäischen Abnehmern ist 2014 weiterhin Honkong, mit einem moderaten Zuwachs bei den Ausfuhren gegenüber dem Vorjahr von 3 % und einem Anteil an den Gesamtausfuhren von 14 %.
 
Japan und Südkorea kaufen deutlich mehr
Sehr kräftig um 43 % gewachsen ist in den ersten 6 Monaten des laufenden Jahres der Export nach Japan. Auf die Japaner entfallen 12 % der europäischen Ausfuhren und damit ist das asiatischen Land derzeit der drittwichtigste Exportmarkt der Europäer. Die stärksten Zuwächse gegenüber dem Vorjahr verzeichnete mit 85 % die Ausfuhr nach Südkorea und mit 78 % der Export nach den Philippinen. Die beiden asiatischen Länder sind ebenfalls wichtige Absatzmärkte, mit einem Anteil an den Gesamtexporten der Europäer von jeweils etwa 7 %. Weitere wichtige Exportländer mit starken Zuwächsen bei Ausfuhren waren in den ersten 6 Monaten des aktuellen Jahres die USA mit 39 % und Angola mit 18 % und Australien mit 17 %. Hier liegen die Anteile an den Gesamtausfuhren allerdings zwischen 3 % (USA) und 2 % (Angola).
 
Einbruch nach Russland, in die Ukraine und Weißrussland
Dramatisch eingebrochen ist erwartungsgemäß der europäische Export nach Russland. Aber auch die Ukraine und Weißrussland importierten 2014 bisher deutlich weniger Schweinefleisch aus der EU als 2013. Der russische Anteil an allen europäischen Schweinefleischausfuhren lag wegen der im Januar noch möglichen Lieferungen zuletzt noch bei 4 % der gesamten Ausfuhrmenge (Vj. 24 %). Deutlich um 33 % eingebrochen sind auch die Lieferungen in Ukraine und der Rückgang der Exporte nach Weißrussland beträgt 89 %. Damit kommt die Ukraine auf einen Anteil an den Gesamtausfuhren von knapp 3 % und Weißrussland von weniger als 1 %.
 
Deutscher Export in Drittländer bricht um 17 % ein
Größter Schweinefleischexporteur der Europäischen Union war im Zeitraum Januar bis Juni 2014 Deutschland vor Dänemark. Dabei ging der deutsche Export gegenüber dem Vorjahr jedoch kräftig um etwa 17 % zurück, während die dänischen Ausfuhren nur um etwa 5 % abnahmen. Der deutsche Anteil an den europäischen Gesamtexporten lag dennoch bei rund 23 % also fast bei einem Viertel. Der Anteil der Exporte Dänemarks an den Gesamtausfuhren der Europäer lag bei knapp 20 %, Spanien kommt als drittgrößter Exporteur auf 12 %, die Niederlande auf 9 %, Frankreich auf 8 % und Polen liegt bei etwa 6 %. Im letzten Jahr (2013) wurden etwa ein Viertel aller deutschen Schweinefleischexporte in Drittländer verkauft, während drei Viertel der ausgeführten Menge in andere EU-Staaten gingen. Auf Russland entfielen 2013 etwa 4 % der deutschen Gesamtexporte (EU und Drittländer) und damit weniger als nach China (7 %) oder nach Honkong (4,3 %). Der Anteil Russlands an allen deutschen Drittlandsexporten lag 2013 allerdings bei etwa 17 %. In die 2014 stark gewachsenen Märkte Japan, Korea und die Philippinen hat Deutschland bisher relativ wenig Schweinefleisch verkauft.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass.
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