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Analyse

Schwein: Versorgt sich Russland bald selbst?

von , am
06.10.2015

Russlands war in der Vergangenheit auf umfangreiche Importe von Schweinefleisch angewiesen um den heimischen Bedarf zu decken.

Greenpeace will die Schweinehaltung in Deutschland verbieten lassen. Ein sogenanntes Rechtsgutachten der Umweltschützer soll dabei helfen. © landpixel
 
Russland war in der Vergangenheit auf umfangreiche Importe von Schweinefleisch angewiesen um den heimischen Bedarf zu decken. Im Jahr 2012 kam noch etwa ein Drittel der russischen Verbrauchsmenge von Schweinefleisch aus dem Ausland. Für die Europäer war Russland bis zum Jahr 2013 der mit Abstand wichtigste Exportmarkt von Schweinefleisch. Rund ein Viertel aller europäischen Ausfuhren von Schweinefleisch gingen bis dahin nach Russland.
 
Diese Situation hat sich jedoch spätestens mit dem russischen Einfuhrverbot für europäisches Schweinefleisch im August 2014 grundlegend geänderten. Allerdings hatte der russische Staat bereits in Jahren zuvor den Ausbau der heimischen Schweineproduktion in den großen und sehr großen Unternehmen massiv gefördert und finanzielle unterstützt und tut dies auch weiterhin.
 
Produktion größer, Importbedarf kleiner
Das Resultat der staatlichen Förderung war eine stetige Expansion der russischen Schweinebestände und der Produktion von Schweinfleisch in großen landwirtschaftlichen Unternehmen, was auch das Wegbrechen vieler kleiner Bauernwirtschaften mehr als ausgeglichen hat. Die Lücke zwischen Produktion und Verbrauch wird damit immer kleiner und wird wohl auch 2016 weiter schrumpfen. Im Jahr 2015 wurden nur noch 10 % der russischen Verbrauchsmenge importiert und im Jahr 2016 werden es wohl nur noch knapp 7 % sein.
 
Das heißt auch, dass der Importbedarf der Russen, unabhängig von den gegenüber der Europäischen Union und auch gegenüber den USA weiterhin bestehenden Import-Verboten, immer kleiner wird. Das zeigen jedenfalls die im September vom US-Landwirtschaftsministerium aktualisierten Daten zum russischen Markt.
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Größter Schweinebestand seit 1995
Russlands Bestand an Schweinen und Zuchtsauen hat 2015 weiter zugenommen und könnte nach den derzeitigen Prognosen im Jahr 2016 den höchsten Wert seit dem Jahr 1995 erreichen. Im Jahr 2015 hatte der Schweinebestand um knapp 2 % auf 19,4 Mio. Schweine zugenommen(dar. 2,25 Mio. Zuchtsauen) und für 2016 erwartet man mit 20,1 Mio. Schweinen (2,42 Mio. Zuchtsauen) einen Zuwachs von 3,7 % und erstmals seit 1995 einen Bestand von mehr als 20 Mio. Schweinen. Seit dem letzten Tiefpunkt der Schweinebestände im Jahr 2004 (13,7 Mio. ) haben die Bestände sogar um 47 % oder 7,4 Tiere zugenommen.
 
Anteil der Hauswirtschaften schrumpft
Die Bestände und die Produktion in den kleinen Haus- und Hofwirtschaften sind zuletzt weiter zurückgegangen. Man rechnet für 2016 nur noch mit einer Produktion in den Hauswirtschaften von 150.000 t bzw. etwa 5 % der russischen Gesamtproduktion. Das Wachstum fand ausschließlich in den Produktionsanlagen der großen Agrarunternehmen und Holdings statt. Hauptursache für den Rückgang in den Kleinbetrieben war das afrikanische Schweinefieber. Dagegen haben Tierbestände in den großen Unternehmen nicht zuletzt weg der verschiedenen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen kräftig zugenommen.
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Weniger als 10 % des Verbrauchs sind Importe
Russland Produktion von Schweinefleisch hat von 2014 bis 2015 um 4,8 % auf 2,63 Mio. t zugenommen. Seit dem Jahr 2005 (1,3 Mio. t) hat sich die Produktion von Schweinefleisch in Russland verdoppelt und erreicht einen Wert wie zuletzt 1990 also vor 25 Jahren. Für 2016 wird auf der Basis der gewachsenen Bestände und der verbesserten Produktivität einen weiteren Zuwachs von 5,7 % auf 2,8 Mio. t erwartet.
 
Dabei sollen die Importe von 300.000 t im Jahr 2015 auf nur noch 200.000 t im Jahr 2016 abnehmen. Dabei lag die Importmenge im Jahr 2013 noch bei als 1,0 Mio. t (dav. 0,74 Mio. t aus der EU) und war damit mehr als 5mal so hoch.
 
Verbrauch nimmt auch wieder zu
Die Verbrauchsmenge war 2015 wegen der hohen Preise am russischen Binnenmarkt indessen von 3,02 Mio. t auf 2,93 Mio. t zurückgegangen. Für 2016 rechnet man wegen er rückläufigen Preise wieder mit einer leichten Zunahme des Verbrauchs auf 2,98 Mio. t. Nur noch 10 % des russischen Verbrauchs wurden 2015 importiert.
 
Der Import von lebenden Schweinen war zwar von den Importstopp gegenüber der EU ausgenommen, veterinärhygienisch begründete Einfuhrrestriktionen wegen des afrikanischen Schweinefiebers erlaubten auch keine Lieferungen von lebenden Schweine aus Europa (und Weißrussland). Aus den USA und aus Kanada ist zudem die Lieferung von Schweinen wegen der dortigen Ferkelkrankheit PED verboten.
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Brasilien ist wichtigster Lieferant
Nach den Daten des USDA waren die wichtigsten Lieferanten von Schweinefleisch für den russischen Markt im Jahr 2015 dieselben wie im Jahr 2014. Bis Mai 2015 hatten die Russen erst 75,5 Tsd. t Schweinefleisch importiert und damit 52 % weniger als im gleichen Zeitraum 2014. Wichtigster Lieferant war in den ersten 5 Monaten des Jahres 2015 Brasilien mit einem Anteil von 70 % an den Gesamtlieferungen.
 
Auf Platz zwei der wichtigsten Lieferländer folgt die Ukraine mit einem Lieferanteil von 14 %. Weirussland lieferte hingegen nur 1 % aller russischen Importe, Chile kommt auf 6,0 % und Serbien auf 3,0 %. Keine Importe von Schweinefleisch erfolgten aus den USA und aus Kanada. Für die Amerikaner bestehen seit 2013 Einfuhrbeschränkungen wegen des Einsatzes des Wachstumsförderers Ractopamin.
 
Dr. Olaf Zinke
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