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Analyse

Schweine: Absatzprobleme und Preisdruck

von , am
14.02.2014

Im Februar sind die Schweinepreise in Deutschland überraschend deutlich unter Druck geraten.

© www.landpixel.de
 
Im Februar sind die Schweinepreise in Deutschland überraschend deutlich unter Druck geraten, nachdem in der zweiten Januarhälfte zunächst nach einer Preiserholung aussah. Ein Grund für den Preisrückgang sind sicherlich die Probleme der Europäer beim Export von Schweinefleisch nach Russland. Die Russen hatten wegen des in litauischem Schweinefleisch gefundenen Erregers der afrikanischen Schweinepest ein Importstopp für die gesamte EU verhängt.
 
Russland ist wichtigster Drittlandsmarkt der EU
Im letzten Jahr gingen etwa Viertel aller deutschen Schweinefleischexporte in Drittländer, während drei Viertel in andere EU-Staaten verkauft wurde. Auf Russland entfallen etwa 5 % der deutschen Gesamtexporte und damit etwas weniger als nach China oder Honkong. Der Anteil Russlands an den deutschen Drittlandsexporten liegt allerdings bei etwa 20 %. Bei den gesamteuropäischen Exporten (EU 28) erreicht Russland sogar einen Anteil von fast 25 %. Damit ist das Land noch vor China, Hongkong und Japan der wichtigste Drittlandsmarkt der Europäer. Gleichzeitig waren die russischen Importe aus der EU im letzten Jahr relativ stabil, während die einfuhren Chinas um 15 % zunahmen.
 
Deutschland mit Abstand größter EU-Exporteur
Ohne Frage wirken sich auch die Exportprobleme der anderen EU-Länder (wie etwa Polen) indirekt auf den deutschen Markt und die deutschen Absatzmöglichkeiten aus. Dabei sind die deutschen Drittlandsexporte schon 2013 leicht zurückgegangen. Nach den vorläufigen Daten der EU-Kommission war Deutschland 2013 zwar deutlich vor Dänemark, Polen und Spanien der größte Drittlandsexporteur der EU, aber die Ausfuhrmenge war bis November 2013 etwa 5 % kleiner als im Jahr zuvor. Dagegen haben Dänen und Polen 2013 mehr Schweinefleisch in Drittländer exportiert. Auch insgesamt haben die EU-Exporte 2013 leicht zugenommen.
 
Schlachtung (Angebot) weiter hoch
Problematisch für den deutschen Markt und die Stabilität der Preise ist zudem das anhaltend große Angebot (Schlachtung). In den ersten vier Januar-Wochen 2014 war die Zahl der geschlachteten Schweine in Deutschland etwa ähnlich groß wie 2013. Damit werden in Deutschland auch 2014 etwa so viele Schweine geschlachtet wie im Rekordjahr 2013. Im Vergleich zum Januar vor zwei Jahren (2012) ist die abgerechnete Schlachtmenge der ersten vier Wochen fast 4,0 % größer, gegenüber dem Januar 2011 beträgt der Zuwachs sogar 18 %. Gleichzeitig waren die Schweinepreise im Januar 2014 rund 12 Ct niedriger als 2013, jedoch in etwa so hoch wie 2012.
 
Preise deutlich unter Vorjahr
Von Ende Januar bis Anfang Februar sind die Schweinepreise wegen der Probleme im Export und der anhaltend hohen Schlachtzahlen dann weiter von knapp 1,60 Euro/kg bis auf 1,52 Euro gefallen und liegen damit deutlich unter dem Niveau der letzten beiden Jahre. Angesichts der aktuellen Marktentwicklung hat sich auch die Preiserwartung am Terminmarkt deutlich verschlechtert. An der Eurex lagen die Kontraktpreise für den Februar und den März zuletzt nur noch bei 1,50 Euro/kg und damit 14 Ct niedriger als vor vier Wochen. Eine moderate Preiserholung erwarte man am Terminmarkt derzeit erst im April mit Preisen von gerade einmal 1,58 Euro/kg.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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