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Analyse

Schwein/EU: Markt bleibt auch 2014 gut versorgt

von , am
01.04.2014

Die Produktion von Schlachtschweinen in der EU geht im Jahr 2014 nur leicht zurück.

© Mühlhausen/landpixel
 
Die Produktion von Schlachtschweinen in der EU geht im Jahr 2014 nur leicht zurück. Ob dieser moderate Rückgang den Markt entlastet und den Preisen hilft, ist fraglich, zumal der stärkste Produktionsrückgang erst am Ende des Jahres erwartet wird. Zudem schrumpft die Erzeugung in Ländern mit großen Exportüberschüssen nicht. Für Dänemark, die Niederlande und Belgien geht die Kommission in ihrer aktuellen Prognose nämlich von einem Produktionszuwachs aus. Auch in Deutschland wird nur ein (sehr) moderater Rückgang der Produktion erwartet.
 
EU-Produktion kaum kleiner als 2013
Insgesamt erwartet die Kommission in ihrer aktuellen Marktprognose für 2014 auf Basis der bis dahin vorliegenden Daten aus 25 EU-Ländern einen Produktionsrückgang von -0,5 % auf 206,8 Mio. Tiere. Dabei ist die Korrektur in den ersten beiden Quartalen 2014 mit -0,5 % und -0,3 % sehr gering und auch im dritten Quartal (-0,4 ) bleibt der Abstand zum Jahr 2013 klein. Erst im letzten Quartal des Jahres 2014 soll die Produktion etwas stärker um -1,4 % schrumpfen. Der derzeit von den Kommissionsexperten erwartete Produktionsrückgang dürfte (vor dem Hintergrund einer schwierigen Absatzlage im Drittlandexport) allerdings wenig Spielraum für eine deutliche Preiserholung/Marktentlastung bieten, zumal eine Reihe exportorientierter Länder wie Dänemark, die Niederlande und Belgien ihre Produktion sogar ausweiten.
 
Deutsche Produktion knapp unter Vorjahr
Für Deutschland rechnet die Kommission im ersten Quartal 2014 mit einem marginalen Rückgang der Inlandsproduktion von etwa 0,6 %. Die Produktionsprognose für das zweite Quartal geht dann sogar schon wieder von einem Produktionszuwachs von 0,9 % aus. In den beiden letzten Quartalen 2014 soll die Erzeugung dann wieder leicht um -0,8 und -0,9 % zurückgehen. Insgesamt wird für 2014 eine deutsche Inlandsproduktion von 46,27 Mio. Schweinen erwartet. Das ist im Vergleich zum Jahr 2013 ein Rückgang von gerade einmal -0,4 % oder 0,2 Mio.
 
Über 12 Mio. Schweine/Ferkel aus dem Ausland
Die Anzahl der insgesamt in Deutschland geschlachteten Schweine ist mit 58,6 Mio. Tieren (2013) allerdings um gut 12 Mio. Tiere oder 27 % (!!) größer als die deutsche Inlandsproduktion (46,3 Mio. Tiere). Die meisten der zusätzlich an deutschen Schlachthöfen geschlachteten Schweine (4,8 Mio. Tiere) kommen aus den Niederlanden oder es sind importierte und dann in Deutschland gemästete Ferkel aus Dänemark oder den Niederlanden. Diese Konstellation macht deutlich, welchen Einfluss die Produktionsentwicklung in unseren beiden Nachbarländer auf die Angebotslage und die Preise in Deutschland hat. Die deutsche Inlandsproduktion ging von 2011 bis 2014 sogar um etwa 3 % bzw. 1,42 Mio. Schweine/Ferkel zurück.
 
Dänische Produktion wächst
Bei unserem nördlichen Nachbarn Dänemark, einem der wichtigsten Lieferanten von Schweinen (Ferkeln) und Schweinefleisch für den deutschen Markt, rechnet die EU-Kommission für das Gesamtjahr 2014 mit einem Zuwachs der inländischen Produktion von 1,5 % auf 29,4 Mio. Schweine. Dabei fällt die dänische Produktion im ersten Quartal 2014 sogar deutlich größer aus (+4,3 %) als 2013, während die Produktion im zweiten Quartal 2014 leicht unter die Vorjahreslinie sinken soll und im dritten Quartal (2,6 %) dann wieder deutlich darüber liegt. Die Zahl der in Dänemark geschlachteten Schweine ist mit 19,1 Mio. Stück gut 10 Mio. Tiere kleiner als die Zahl der im Land erzeugten Schweine. Ursache für die Differenz sind vor alle die starken Ferkelexporte nach Deutschland und in den letzten Jahren auch nach Polen.
 
Niederlande mit mehr Schweinen
Der wichtigste Lieferant von Schlachtschweinen (ohne Ferkel) für den deutschen Markt sind die Niederlande. Bei unserem nordwestlichen Nachbarn werden nach den Schätzungen der Kommission im laufenden Jahr 2014 mit 24,2 Mio. Tieren rund 1,3 % mehr Schweine erzeugt als 2013. Dabei gehen die EU-Experten für das erste Quartal 2014 mit 3,3 % vom stärksten Produktionsanstieg aus. Danach soll die Produktion dann im zweiten und dritten Quartal in etwa auf der Vorjahreslinie liegen und diese Linie dann im letzten Quartal 2014 erneut um 1,2 % übertreffen. Die Zahl der geschlachteten Schweine ist in den Niederlanden mit 13,7 Mio. Schweinen um rund 10 Mio. Tiere kleiner als die Erzeugung.

Kräftiger Produktionsrückgang in Polen
Der nach Italien und den Niederlanden wichtigste Absatzmarkt für deutsches Schweinfleisch in der EU ist Polen. Nach Einschätzung der Kommission soll die polnische Produktion (nach dem starken Rückgang der Vorjahre) auch 2014 weiter deutlich um 5,1 % auf dann 14,8 Mio. Tiere schrumpfen. Allein seit dem Jahre 2011 ist die polnische Schweineproduktion um 25 % eingebrochen. Für die deutschen Exporteure ist der anhaltende Produktionsrückgang jedoch von Vorteil, denn die Ausfuhren nach Polen können weiter ausgebaut werden. Dabei geht die Kommission für das erste Quartal 2014 für Polen von einem Produktionsrückgang von 5,1 % aus und für das zweite Quartal 2014 sogar von 7,5 %. Die Zahl der in Polen geschlachteten Schweine lag zuletzt mit 19,1 Mio. deutlich über der Erzeugung und lässt einen Import von etwa 4,3 Mio. lebenden Schweinen/Ferkeln erkennen.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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