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Analyse

Schwein/EU: Preisprognosen spiegeln schwierigen Markt

von , am
26.05.2014

Die ersten Monate des Jahres 2014 waren für die deutschen Schweinehalter schwierig.

© Mühlhausen/landpixel
 
Die ersten Monate des Jahres 2014 waren für die deutschen Schweinehalter schwierig. Ein großes Angebot an Schlachtschweinen auf der einen Seite und deutlich kleinere Exporte auf der anderen Seite, drückten auf die Schweinepreise. Wegen des russischen Importstopps rutschten die deutschen Ausfuhren in Drittländer im ersten Quartal 2014 18 % unter den Wert des Vorjahres. Vor diesem Hintergrund erfüllten sich auch die ursprünglichen Erwartungen an die Schweinepreise nicht. Das verdeutlichen auch die aktuellen Prognosen der EU-Kommission zur erwarteten Preisentwicklung am europäischen Schweinmarkt. Zumindest in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2014 bleiben die realisierten Auszahlungspreise dabei deutlich hinter den Erwartungen der Kommission zurück. Gleichzeitig sind die Preise niedriger als im letzten Jahr. Aber auch die Prognose für die nächsten Monate ist relativ verhalten du liegt weiterhin unter den Preise von 2013. Das gilt sowohl für das preislich üblicherweise starke dritte Quartal als auch für die letzten Monate des Jahres 2013.
 
Exportstopp und (zu) großes Angebot
In ihrer Preisprognose vom Herbst 2013 hat die EU-Kommission auf Basis der erwarteten Angebotsentwicklung im ersten Quartal 2014 für Schweine der Handelskasse E einen Preis von 169,02 Euro/100 SG prognostiziert. Wegen des großen Angebots und des russischen Exportstopps wurde die Prognose im April auf 152,5 Euro/kg SG abgesenkt. Der am Ende von den Landwirten für das erste Quartal 2014 realisierte Auszahlungspreis war mit 157,71 Euro/100 kg (Hkl. E) rund 7 % niedriger als im Herbst 2013 geschätzt, jedoch immerhin 3 % höher als im April befürchtet. Im vorigen Jahr (2013) lagen die Schweinepreise im ersten Quartal mit 171 Euro/100 kg allerdings rund 8,5 % höher als 2014. Vor zwei Jahren (2012) war das Niveau mit 157,00 allerdings ähnlich schwach.
 
Nachfrage für Preiserholung zu schwach
Für das noch bis einschließlich Juni laufende zweite Quartal 2014, prognostiziert die Kommission einen Preis von 163,2 Euro/100 kg SG (im Herbst 2013 hatten die EU-Experten sogar noch 171,65 Euro/100 kg für möglich gehalten). Im Jahr 2013 lag das Preisniveau im zweiten Quartal mit 164,7 Euro/100 kg SG kaum höher. Ursachen waren damals das große Angebot und das späte Grillwetter. In diesem Jahr halten nun der fehlende Export nach Russland sowie das nicht viel kleinere Angebot die Preise unten. Auch die Grillsaison hat relativ spät begonnen und setzte bis Mitte Mai auf der Nachfrageseite wenig Akzente. Die Kommission hat das Angebot für das zweite Quartal 2014 rund 1,3 % kleiner eingeschätzt als 2013. Für Deutschland lassen die bisherigen Daten und Prognosen zur Entwicklung der Schlachtung im zweiten Quartal 2014 ein ähnlich großes Angebot erwarteten wie 2013 und damit angebotsseitig kaum Entlastung.
 
Ende des Importstopps und Impulse durch WM?
Im dritten Quartal 2014 (Juli-September) geht die Kommission bislang von einer Preiserholung (Hkl. E) auf 175,5 Euro/100 kg aus. Im letzten Jahr (2013) bekamen die Landwirte im dritten Quartal mit 187,40 Euro/100 kg für ihre Schweine allerdings rund 7 % höhere Preise. Das Angebot (Schlachtung) erwartet die Kommission im dritten Quartal 2014 nur unwesentlich kleiner als im letzten Jahr (-0,7 %). Auch in Deutschland könnte die Zahl der geschlachteten Schweine nach den Daten der Kommission im dritten Quartal lediglich 0.8 % unter den Rekordwerten aus dem Vorjahr liegen. Von der Nachfragseite könnt es allerdings durchaus noch Impulse  geben und damit auch Chancen auf etwas höhere Preise. Zum einen beginnt Mitte Juni die Fussballweltmeisterschaft und die Nachfrage nach Grillfleisch könnte sich stärker als erwartet beleben. Zum andern hat Russland zuletzt eine mögliche Aufhebung des Importstopps für ausgewählte/überprüfte EU-Länder angekündigt und der Export könnte die Preise ankurbeln.
 
Schweinepreise niedriger als 2013 und als 2012
Für das abschließende vierte Quartal 2014 (Oktober- Dezember) rechnet die Kommission mit dem saisonal üblichen Preisrückgang auf 168,0 Euro(100 SG. Im vierten Quartal 2013 erzielten die Schweinemäster mit 174,0 Euro/100 kg SG allerdings rund 3,5 % höhere Preise. Das Angebot sieht die Kommission im letzten Jahresquartal immerhin 1,2 % unter dem Vorjahr. Auch in Deutschland könnte sich die Schlachtmenge nach den derzeitigen Schätzungen etwa 1 % unter dem Vorjahresrekord bewegen. Für das gesamte Jahr 2014 ergeben sich nach den Schätzungen der Kommission dann Schweinepreise (Hkl. E) von 165,8 Euro/100 kg (und für S-Schweine von 171 Euro/100 kg). Die Preise von 2013 würden damit um rund 10 Ct oder gut 5 % verfehlt und auch der Preis aus dem Jahr 2012 von 170,6 Euro/100 kg SG würde nicht erreicht.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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