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Mehrwochenpreis für Schlachtschweine

von , am
18.02.2015

Führende Schlachtunternehmen in Deutschland prüfen die Einführung von längerfristig geltenden Preisen für Schlachtschweine. Das wurde auf der diesjährigen Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) gestern in Münster deutlich.

Die Schweinepreise waren in Deutschland im innereuropäischen Vergleich besonders niedrig. Der ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes, Godert Tegelberg von Vion und Clemens Tönnies, Tönnies-Gruppe, können damit nicht zufrieden sein. © Norbert Lehmann
Westfleisch-Vorstand Dr. Helfried Giesen stellte fest, das System der Preisfindung sei nicht "up to date". Er sprach sich für gleitende mehrwöchentliche Preise bei wöchentlichen Notierungen aus. Clemens Tönnies, Geschäftsführer der Tönnies-Gruppe, führte den Gedanken fort und regte an, über Preisangebote an die Erzeuger mit zwei bis drei Monaten Gültigkeit nachzudenken. Steen Sönnichsen, Deutschland-Geschäftsführer von Danish Crown, hält die Idee zwar für interessant, aber unrealistisch. Der Leiter des Unternehmers, das den deutschen Mästern im vorigen Jahr mit 17 Hauspreiswochen viel Kopfzerbrechen bereitete, verwies auf die Bedeutung des Exportmarktes für die Preisfindung in Deutschland und Europa. Da auf die Exportpreise kein Einfluss genommen werden könne, sei allenfalls eine Preiszusage für die Dauer von bis zu vier Wochen machbar, glaubt Sönnichsen.

Niederländer diskutieren Dreimonatspreis

Godert Tegelberg, beim Schlachtkonzern Vion für die Sparte Schwein verantwortlich, kann sich langfristig vereinbarte Erzeugerpreise durchaus vorstellen. "Wir sprechen in den Niederlanden auch darüber, Preise für eine Laufzeit von bis zu drei Monaten anzubieten", berichtete Tegelberg. Eine Möglichkeit sei, differenzierte Preise mit unterschiedlicher Gültigkeitsdauer anzubieten, so dass die Erzeuger je nach persönlicher Risikobereitschaft die Wahl zwischen verschiedenen Modellen haben.

Lehren aus extremen Schwankungen

Die Manager der vier führenden Schlachtunternehmen repräsentieren 60 Prozent der Schweineschlachtungen in Deutschland und haben damit beträchtlichen Einfluss auf das Marktgeschehen. Der ISN zufolge war der Schlachtschweinemarkt im vergangenen Jahr von ungewöhnlich starken Preisschwankungen geprägt. Nach einem verhältnismäßig guten ersten Halbjahr sackte der Preis innerhalb von 26 Wochen um 50 Cent je kg Schlachtgewicht ab. Ursache war vor allem das seit Sommer geltende Russland-Embargo.
 
Bei überraschend hohen Anlieferungen im Herbst wichen die wöchentlichen Notierungen nach oben und nach unten um jeweils 15 Prozent vom Preismittel ab. Giesen zufolge waren die Schwankungen nie zuvor so groß mit Ausnahme von Jahren mit Seuchengeschehen. Für das laufende Jahr äußerten sich die vier Spitzenmanager der Schlachtbranche vorsichtig optimistisch. Sie rechnen mit einem Anstieg der Notierungen, die sich laut Sönnichsen im Sommer zwischen 1,40 Euro bis 1,60 Euro je kg Schlachtgewicht bewegen könnten. Viel wird davon abhängen, ob das auf ein Jahr befristete Russland-Embargo tatsächlich aufgehoben wird.
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