Editorial Märzheft 2017 6b-Rücklage treibt die Bodenpreise

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Die Mechanismen der Preisbildung am Bodenmarkt sind komplex. Das zeigte sich einmal mehr bei der mittlerweile 14. Auflage des agrarmanager-Bodenforums, das diesmal Mitte Januar in Berlin unter der Überschrift „Bodenkauf trotz Agrarpreis­krise!?“ stand.

Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur des agrarmanager

Ein entscheidender Preistreiber am Bodenmarkt ist im Steuerrecht angelegt. Viele Landwirte elektrisiert sie regelrecht: die „§ 6b-Rücklage“ aus dem Einkommensteuergesetz. Mit ihr lassen sich Veräußerungsgewinne aus dem ­Flächenverkauf „parken“. Das kann erhebliche Steuerzahlungen sparen. Die Kehr­seite der Medaille: Die steuerfreie Rücklage muss innerhalb von sechs Jahren auf neue Flächen übertragen werden. Das sorgt für Handlungsdruck und eine teils ­absurd hohe Zahlungsbereitschaft.

Das macht die 6b-Rücklage zu einem zweischneidigen Schwert für Landwirte. Um „Druck vom Kessel“ zu nehmen, gibt es einige durchaus pragmatische Reformvorschläge. So könnten der Re-Investitionszeitraum gestreckt oder eine Übertragung der ­steuerfreien Rücklage auch auf bewegliche Güter ermöglicht werden.

Inzwischen mehren sich die Zeichen, dass die Preishausse am Bodenmarkt nach über einem Jahrzehnt zu Ende geht. Ein Frühindikator sind die jüngsten Bodenmarktzahlen der BVVG, die erstmals seit Jahren eine Seitwärtsbewegung zeigen. Aussagen über den Zeitpunkt dieses Richtungswechsels wären aber reine Spekula­tion, warnt Dr. Rüdiger Fuhrmann, der das Agrarbanking der Nord/LB leitet. Er plädiert für Augenmaß bei der Reglementierung von „Share Deals“, die als weitere Ursache für Preisauftrieb am Bodenmarkt gelten.

Mehr Transparenz beim Erwerb von Gesellschaftsanteilen an Agrarbetrieben ist zweifelsohne notwendig. Anteilskäufe durch außerlandwirtschaftliche Investoren am Ende zu versagen, sollte aber die Ausnahme bleiben. Denn das schneidet finan­ziell erschöpfte Agrarbetriebe von frischem Kapital ab, die dann zerschlagen und nicht saniert werden. Das kostet Jobs, vor allem in der arbeitsintensiven Tierhaltung. Und daran kann auch die Politik kein Interesse haben!

Ich wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre.

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