Landwirtschaft 4.0 Digital macht sexy

Podiumsdiskussion © Norbert Lehmann Bild vergrößern
Jörg Migende (BayWa), Karl-Heinz Krudewig (365FarmNet), Kristina Sinemus (Genius GmbH), MdB Kees de Vries (CDU) und Peter Pascher (DBV) diskutieren über die Landwirtschaft 4.0.
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Die Digitalisierung kann dazu beitragen, das Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit wieder zu verbessern. Dafür muss auf dem Land aber zuerst schnelles Internet flächendeckend verfügbar sein.

Das hat eine Diskussionsrunde unter der Überschrift „Farming 4.0“ gezeigt, die von der Kommunikationsagentur Genius zusammen mit dem Netzwerk sitzungswoche.de in der Berliner Zentrale des US-Internetunternehmens Google veranstaltet wurde.

Nach Einschätzung von Jörg Migende, Leiter der Abteilung „Digitale Landwirtschaft“ bei der BayWa AG, birgt die Digitalisierung beispielsweise die Chance, die Nitratproblematik teilweise in den Griff zu bekommen. Die Stoffströme könnten schon in der Entstehung durch eine genauere Fütterung reduziert und bei der anschließenden Verwertung genauer kontrolliert und gezielter ausgebracht werden.

Damit die Digitalisierung auf den Betrieben Einzug halte, dürften die Kosten einer vernetzten Lösung 400 € jährlich für einen 50-Hektar-Betrieb nicht überschreiten, nannte Migende als Faustzahl.

Vernetzung steigert den Nutzen

Karl-Heinz Krudewig, der Leiter des Produktmanagements bei 365FarmNet, geht davon aus, dass erst auf etwa einem Drittel der Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland die Digitalisierung begonnen hat, wobei einfache Desktop-Anwendungen die Regel seien.

Den Schwachpunkt der vorhandenen Lösungen sieht Krudewig darin, dass die Produkte für sich stehende „Datensilos“ seien, die nicht miteinander vernetzt seien. Dadurch stünden Aufwand und Ertrag in keinem wirtschaftlichen Verhältnis.

Krudewig sieht in digitalisierten Prozessen eine sehr große Chance für die Landwirtschaft, sich als Branche in der Gesellschaft wieder in ein besseres Licht zu rücken. Als Beispiele wurden eine bessere Tierkontrolle und Gesundheitsüberwachung, eine gezieltere Düngung oder Einsparungen im Pflanzenschutz genannt.

Einfach und kompatibel muss es sein

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Kees de Vries forderte die Unternehmensvertreter in der Diskussion nachdrücklich auf, leicht zu bedienende und kompatible Anwendungen zu entwickeln. Sonst könne selbst die Generation der heute zwischen 35 und 45 Jahre alten Betriebsinhaber der Entwicklung nicht folgen.

Für den Deutschen Bauernverband (DBV) beklagte Dr. Peter Pascher, die Kosten der Digitaltechnik seien zu hoch. Und wenn „viele es schon nicht mehr hören können“, so Pascher, auf dem Land fehle noch immer eine flächendeckende Breitbandversorgung. Zugang zum schnellen Internet sei aber die Grundvoraussetzung für die Nutzung der Digitaltechnik.