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Norwegen saniert gegen MRSA-Keime in Schweinebetrieben

von , am
08.07.2014

Norwegen will gegen MRSA-Erreger in Schweinebeständen sanieren. Dafür werden gegenwärtig das zweite Jahr in Folge Sauenbetriebe mit mehr als zehn Tieren beprobt. Wird der Erreger festgestellt, folgt eine Totalsanierung. So will das norwegische Landwirtschaftsministerium multiresistente Keime in der Tierhaltung ausmerzen.

© travelwitness - Fotolia
Das norwegische Landwirtschaftsministerium ließ diese Woche wissen, dass in dem skandinavischen Land rigoros gegen Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Erreger in schweinehaltenden Betrieben saniert werden soll. Damit folge das Agrarministerium dem Rat der Lebensmittelsicherheitsbehörde Mattilsynet.
 
Die Behörde habe seit März dieses Jahres 986 von insgesamt 2.400 norwegischen Schweinebetrieben mit mehr als zehn Sauen auf MRSA-Keime untersucht. Die Ergebnisse waren dabei eher wenig beunruhigend: Nur eine einzige Herde sei infiziert gewesen. Allerdings seien im Jahr zuvor bei einer ähnlichen Untersuchung noch in 24 Betrieben multiresistente Staphylokokken gefunden worden. Diese Schweinefarmen, so das Ministerium, wurden im Verlaufe der letzten zwölf Monate saniert bzw. sind noch in der Sanierungsphase und seien nun „überwiegend frei“ von MRSA-Erregern.
 
Die norwegische Ministerin für Landwirtschaft und Ernährung, Sylvi Listhaug, erklärte ihre vollkommene Übereinstimmung mit der Empfehlung von Mattilsynet. Sie konstatierte, die schnelle Verbreitung multiresistenter Keime in vielen anderen Ländern gebe Grund zur Besorgnis.
Die speziell in Tierbeständen festgestellte Unterart LA-MRSA, so eine Veröffentlichung des norwegischen Veterinärinstitutes, mache zwar das Tier selber nicht krank, stelle aber eine Bedrohung für die Humanmedizin dar (Anm. d. Red.: englische Untersuchungen haben diesen Verbreitungsweg allerdings kürzlich in Frage gestellt, die betreffenden Wissenschaftler vermuteten anhand genetischer Vergleichstests eher, dass der Erreger aus dem Human- in den Tierbereich verschleppt wurde).
 
Unter MRSA versteht man Staphylococcus aureus-Stämme, die gegen alle bisher marktverfügbaren β-Lactam-Antibiotika (z. B. Penicillin) resistent sind. Sie weisen allerdings meist auch Resistenzen gegenüber anderen Antibiotikaklassen – so gegen Chinolone, Tetracycline, Aminoglykoside, Erythromycin oder Sulfonamide – auf. Das macht ihre Bekämpfung so schwierig.
Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass der weit überwiegende Teil (über 98%) der beim Menschen auftretenden MRSA-Keime seinen Ursprung im humanmedizinischen Bereich hat.
(Quellen: pig progress, animal epidemics, BfR, Wikipedia)



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