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Pflanzenschutz in der Sackgasse

von , am
06.06.2014

Unter dem Titel: „Ackerbau vor Herausforderungen“ fand am 4. und 5. Juni 2014 in Berlin die zweite DBV-Ackerbautagung statt.

Wolfgang Vogel, Vorsitzender des DBV-Fachausschusses für Getreide und Vorsitzender der UFOP, hält die Grundsatzrede zum Auftakt der Ackerbautagung. © Catrin Hahn/Redaktion Joule
Am ersten Tag ging es nach Begrüßung und Grundsatzrede von Peter Bleser, Parlamentarischer Staatssekretär im BMEL, um das Thema Saatgut und Sortenzulassung. Dr. Kay Roether von der Sortenförderungsgesellschaft SFG mbH hielt ein Plädoyer für das Sortenversuchswesen, von dessen Existenz der Pflanzenbau sehr stark profitiert. Immerhin findet hierzulande seit 150 Jahren eine systematische, wissenschaftlich fundierte Pflanzenzüchtung statt, deren Erfolge seit 1889 schon mit vergleichenden Sortentests überprüft werden.
 
Für einen Wegfall der Sortenprüfungen (z.B. wegen des immer stärker steigenden Kostendrucks) beschrieb Roether einige Alternativen, wie sie in anderen Ländern üblich sind. Darunter auch das amerikanische Zulassungssystem: Sorten werden ohne Wertprüfung zugelassen, es gibt keinen offiziellen Vergleichsanbau, eine Sorte ist mithin genauso erfolgreich wie ihr Werbeetat groß ist.

Regulierung ohne Augenmaß

Am zweiten Vormittag standen gleich zwei ernste Themen auf der Tagesordnung: Pflanzenschutz und Düngung. Volker Koch-Achelpöhler, Hauptgeschäftsführer des Industrieverband Agrar, beschrieb die derzeitige gesellschaftliche Debatte um den Pflanzenschutz und die Auswirkungen der aktuellen europäischen Gesetzgebungsverfahren. Die Realität sehe derzeit so aus: weniger Harmonisierung als vor Jahren versprochen, drohender Verlust von Zulassungen, Regulierung ohne Augenmaß mit ungeeigneten Maßnahmen.
 
Völlig lebensfremd sei auch das Prinzip der Vergleichenden Bewertung, nachdem "zu ersetzende" Wirkstoffe festgelegt werden sollen. Eine erste Liste umfasst beinahe 80 Wirkstoffe, was in mehrfacher Hinsicht eine Katastrophe wäre: Diese Wirkstoffe sind allesamt zuglassen und stünden also für ein ausgewogenes Resistenzmanagement zur Verfügung. Wenn jetzt die EU-Kommission mit dieser Liste ein Drittel aller insgesamt zugelassenen Wirkstoffe streicht, gehört das Wort "Resistenzmanagement" bald der Vergangenheit an. Und es ist auch zukünftig nicht mit Entspannung zu rechnen: In den letzten Jahren kamen immer weniger neue Wirkstoffe auf den Markt. 2012 waren weniger als 30 neue Wirkstoffe in der Entwicklung.

Novelle der Düngeverordnung

Im Anschluss wendete sich die Tagung einem nicht minder vieldiskutierten Thema zu: Die Novellierung der Düngeverordnung. Dr. Hermann Stürmer vom Referat Pflanzenbau des BMEL ist einer von genau vier Mitarbeitern, die mit der Ausarbeitung und Abstimmung mit EU-Vorgaben befasst sind. Er sprach in seinem Vortrag mehrere Punkte an, die zu Kontroversen mit den EU-Kommissionsvorstellungen führten, so zum Beispiel die Sperrzeiten. Die EU fordert ein Ausbringungsverbot von vier Monaten für Acker- und Grünland, das versucht die BMEL-Arbeitsgruppe zu umgehen. Weitere Themen waren die Höchstmenge von 170 kg N und die Lagerdauer für organische Düngemittel, die mit der Kommission diskutiert werden.
 
Stürmer wollte sich zwar nicht auf einen genauen Termin für das Inkrafttreten der Novelle festnageln lassen, er hofft aber, dass der Zeitplan bis Ende dieses Jahres einzuhalten ist.
 
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