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Profiteure der Krise

von , am
29.08.2014

Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel will aus dem russischen Einfuhrverbot für europäische Molkereiprodukte Profit schlagen. Große Einzelhandelsketten versuchen, den Preisdruck auf dem Milchmarkt auszunutzen. Aus Kreisen der Milchindustrie wird berichtet, der Einzelhandel dränge auf Preisnachlässe. Teilweise werden vorgezogene Kontraktverhandlungen verlangt. Regulär werden die Kontrakte für Trinkmilch im November erneuert.

© Werkbild
Die Spotmarktpreise für Rohmilch sind in Deutschland von Ende Juni bis Mitte August sehr kräftig gefallen. In der dritten Augustwoche kostet die am Spotmarkt gehandelte Rohmilch sowohl im Süden als auch im Norden Deutschlands weniger als 30 Ct/kg. Molkereien wie Arla Foods stimmen ihre Lieferanten auf sinkende Auszahlungspreise ein. Arla-CEO Peder Tuborgh sprach gestern bei der Vorlage der Halbjahreszahlen der Genossenschaft von einer Phase der Ungewissheit von 18 bis 24 Monaten, in der die Preise stark unter Druck stehen dürften.

Hilfen beschlossen

Die Europäische Kommission hatte gestern in Brüssel wegen des russischen Einfuhrstopps Hilfen für den Milchmarkt angekündigt. So soll die private Lagerhaltung für Butter, Magermilchpulver und bestimmte Käsesorten geöffnet werden. Außerdem soll die öffentliche Intervention von Butter und Milchpulver bis zum Jahresende verlängert werden. EU-Agrarkommissar Dacian Cioloş erklärte, der russische Importbann beginne den Sektor zu treffen; das zeigten die Preise auf dem europäischen Milchmarkt. In den nächsten Tagen will Cioloş eine vollständige Analyse der kurz- und mittelfristigen Auswirkungen des russischen Einfuhrstopps auf alle wesentlichen Bereiche der europäischen Agrar- und Ernährungswirtschaft vorlegen.
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