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Schluss mit bravem Faktenaufzählen!

von , am
31.07.2015

Das Buch "Don't Go Veggie!" von Udo Pollmer, Georg Keckl und Klaus Alfs ist eine Provokation. Und noch dazu eine, die Spaß macht beim Lesen. Das allein wäre schon eine Empfehlung. Aber vor allem bietet "Don't Go Veggie" schlagkräftige Argumente gegen NGO-Parolen.

© fotolia/schantalia
Medizin muss bitter schmecken, sagte meine Oma. Und Sachbuchinhalte müssen trocken sein, schlussfolgern Schüler und Studenten aus qualvoller Erfahrung. Wäre ja auch noch schöner, wenn man beim Klügerwerden Spaß hat!
 
Wenn Sie das widerstandslos unterschreiben, ist "Don't Go Veggie!" eher nichts für Sie. Das Buch gegen den vegetarischen Wahn, das der Lebensmittelchemiker und Vollblutprovokateur Udo Pollmer, der Agrarstatistiker Georg Keckl und der Landwirt und Sozialwissenschaftler Klaus Alfs gemeinsam verfasst haben, ist böse, überspitzt, streitbar und polemisch. Und ungemein gut zu lesen, selbst für jemanden, dessen ausgefeilteste Ernährungsstrategie bisher in "Was-immer-aus-dem-Kühlschrank-noch-nicht-selber-heraussteigt" bestand. Aber der ist ja auch nicht das primäre Ziel der Argumente-Artillerie der spitzen Federn: Wer bislang Essen vor allem für genussvolles Sattwerden hielt, hat nicht allzu viel auszustehen bei den 75 kurzen Abhandlungen in "Don't Go Veggie". Aufs Korn genommen haben die drei Autoren stattdessen die kleine, aber sehr laute Fraktion der tofuschnitzelvertilgenden "Besser-Esser". Um geschmackliche Prämissen geht es dabei allerdings weniger. Da gilt auch für Pollmer, Keckl und Alfs der alte Spruch: Na ja, wer's mag ...
Doch Vegetarier und deren - so Kabarettist Vince Ebert - "hisbollahartige Splittergruppe", die Veganer, sind in den letzten Jahren von Nahrungsspezialisten zu missionierenden Weltrettern mutiert. Und werden dabei nicht müde, ihre Ideologie jedem ungefragt aufs angeblich ethisch unkorrekte Wurstbrot zu schmieren:
  • Fleisch verbraucht Unmengen von Wasser, und in Afrika verdursten die Kinder,
  • für den Futterbau werden gnadenlos Flächen verschwendet, mit denen Millionen Hungernde weltweit ernährt werden könnten,
  • der Mensch hat kein Recht, Tiere zu töten,
  • unser Fleischkonsum steigt seit Jahren unaufhaltsam,
  • für Tierfutter stirbt der Regenwald,
  • Fleisch und Milch machen uns alle krank ...
Haben Sie alles schon gehört, oder? Und wer ein bisschen Sendungsbewusstsein und mindestens einen Vegetarier/Veganer in der Verwandtschaft hat, dürfte die bittere Erfahrung gemacht haben, dass sachliche Argumente gegen diese Sprüche spätestens beim dritten erklärenden Satz wie Wind in einem löchrigen Segel verpuffen, während die Parolen aus Veggie-Kreisen und von NGO-Flyern sich nahezu unauslöschlich in der mentalen Takelage festsetzen.
Das Geheimnis dahinter ist relativ simpel: Der Ton macht die Musik. Man muss wichtige Informationen und kluge Argumente auch marktkonform verkaufen können. Pollmer, Keckl und Alfs können das. Dass sie dabei gelegentlich überspitzen, gehört zum Konzept und sorgt dafür, dass das Buch niemals öde wird - und dass es seine Leser fast unweigerlich in zwei Gruppen spaltet: in glühende Fans und wütende Hasser. Für Landwirte und vor allem für Tierhalter, die sich dank veganer Propaganda in letzter Zeit zunehmend wie Umweltschänder, Hungerstifter und Drogendealer fühlen, ist "Don't Go Veggie!" jedenfalls ein Muss - sozusagen Seelenbalsam und Argumentationshilfe in einem.
Jetzt wäre nur noch wünschenswert, dass das Buch auch dort gelesen wird, wo Essenskasteiungen zunehmend zum Lebensinhalt werden, vor allem bei jungen Leuten in Großstädten. Unter Hardcore-Veganern und -Tierrechtlern stößt es erwartungsgemäß auf wenig Gegenliebe, so manche Amazon-Rezension malt ein Bild davon. Aber dort, wo "Veggiesein" vor allem erstmal total hipp und das verbale Eindreschen auf Nutztierhalter unglaublich cool ist, könnte "Don't Go Veggie!" vielleicht doch noch den einen oder anderen Denkanstoß geben.
Sie haben nicht zufällig ein künftiges Geburtstagskind im Haus, das für seine diesjährige Party Tofu-Grillwürstchen und vegane Limonade eingefordert hat?

"Don't Go Veggie!"
Udo Pollmer, Georg Keckl, Klaus Alfs
S. Hirzel Verlag, 2015
ISBN 978-3-7776-2416-7
19,80 Euro
zu bestellen im Buchhandel oder bei amazon.de
 
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