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Sicherung der Welternährung

von , am
15.05.2013

Fünf Studien rund um das Thema "Sicherung der Welternährung bei knappen Ressourcen" regten am 15. Mai bei einem Symposium in Berlin zum Nachdenken an und führten zu einer lebendigen Diskussion.

Bei der Diskussion ihrer Studien (v.r.n.l.): Prof. Harald Grethe, Prof. Martina Brockmeier, Prof. Awudu Abdulai, Prof. Theodor Fock, Prof. Cramon-Taubadel. © Klaus Böhme
Die Edmund Rehwinkel-Stiftung der Landwirtschaftlichen Rentenbank hatte 2012 die Forschungen zum Thema angeregt und unterstützt, jetzt wurde Bilanz gezogen. Die Wissenschaftler bekräftigten Bekanntes, hatten aber auch eine Reihe überraschender Aussagen zu bieten.
 
So zeigen Modellberechnungen der Forscher um Prof. Dr. Martina Brockmeier, Universität Hohenheim, dass die globale Nahrungsmittelproduktion von 2004 bis 2020 jährlich um 2,1 Prozent steigen wird, allerdings in den Entwicklungsländern deutlich stärker (+ 3 Prozent) als in den Industrieländern (+ 1,4 Prozent). Angetrieben wird diese Entwicklung vor allem durch Einkommenssteigerungen. Auch 2020 wird in den am wenigsten entwickelten Ländern der kritische Wert von 1.800 Kalorien pro Kopf und Tag im Durchschnitt nur um wenig überschritten.
 
Die Neubrandenburger Wissenschaftler um Prof. Dr. Theodor Fock zeigten, dass die Rindfleischproduktion in Deutschland im Vergleich zu Argentinien und Brasilien keinesfalls Ressourcenvergeudung ist. Die Struktur des Ressourcenverbrauchs ist anders, aber bei intensiverer Produktion wird weniger Fläche genutzt und weniger Kohlendioxyd je kg Fleisch ausgestoßen.
 
Interessante Ergebnisse legten auch die Forscher um Prof. Dr. Harald Grethe und Prof. Dr. Achim Spiller aus Hohenheim und Göttingen zu den Auswirkungen eines verminderten Fleischverbrauchs vor. Die Modellberechnungen zeigten, dass bestenfalls bei einer Gruppe von 22 Prozent der Bevölkerung mit einer ins Gewicht fallenden Reduzierung des Fleischverbrauchs zu rechnen sei. Die Gruppe wurde als "nachhaltigkeitsaffine Fleischliebhaber" bezeichnet und isst im Schnitt 163 g Fleisch am Tag. Die erwarteten Veränderungen der Verzehrgewohnheiten würden sich nur sehr wenig auf eine Veränderung der Getreidepreise auswirken.
 
In der Diskussion betonte Prof. Dr. Awudu Abdulai aus Ghana (Universität Kiel), dass man bei dem oft kritisierten Landgrabbing differenzieren müsse: Es gebe auf der einen Seite ausländische Direktinvestitionen in die Landwirtschaft von Entwicklungsländern, die positive Auswirkungen für die Menschen und die Länder hätten. Auf der anderen Seite komme es auch zu negativen Folgen. Das hänge aber sehr davon ab, wie die Investoren herangingen und wie die betroffenen Staaten und vor allem die lokalen Behörden mit ihnen umgingen und ihre eigenen Ziele durchzusetzen vermögen. Der Tagungsband mit den Studien kann von der Landwirtschaftlichen Rentenbank bezogen werden.
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