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Speeddating im Pflanzenbau

von , am
27.02.2015

Ein seit einigen Jahren gern angebotenes Format für Journalisten ist das Speeddating. Doch halt – es ist nicht ganz das, was Sie sich jetzt vielleicht vorstellen. Es ist schlicht eine gemeinsame Veranstaltung verschiedener Unternehmen aus der Branche, um die Fachpresse schnell und umfassend über Neuerungen zu informieren.

Bei diesem Speeddating ging es um Neuerungen im Pflanzenbau - so auch um neue Ackerbohnen-Sorten. © Saaten-Union
Ein solches Speeddating fand am 26. Februar in Frankfurt statt. Erstes Thema an diesem Tag waren Leguminosen und ihre möglicherweise aus politischen, gesellschaftlichen, klimatischen und ackerbaulichen Gründen demnächst zunehmende Bedeutung auf deutschen Feldern.
 
Die Saaten-Union, die über ihren Gesellschafter NPZ seit über 30 Jahren Leguminosen-Züchtungsprogramme betreibt, konzentriert sich in der Entwicklungsarbeit auf Winter- und Sommerformen von Erbsen und Ackerbohnen für die Kernländer Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Ertragreiche, standfeste, gesunde Sorten mit definierten Inhaltsstoffen stehen im Fokus, erklärt Silke Hadenfeldt, Produktmanagerin Körnerleguminosen bei der NPZ. Thomas Wegert, Vertriebsleiter Öl-, Eiweiß-, Futterpflanzen bei der Saaten-Union, schätzt, dass die Anbaufläche für Erbsen und Bohnen in Deutschland zur Ernte 2015 um 45 bis 50 Prozent zunehmen könnte. Dabei sei der Anstieg in den Marktfruchtregionen höher als in den Futterbauregionen. Die Saaten-Union bietet dafür aus ihrem Portfolio die Ackerbohnensorten Fanfare und Fuego sowie die Erbsensorten Astronaute und Navaro an.
 

Ackerbaulich und wirtschaftlich eine gute Wahl

Prof. Schäfer (links), Silke Hadenfeldt und Thomas Wegert informierten über die neuesten Themen im Pflanzenbau. © C. Hahn
Den Hauptgrund für den erwarteten Anstieg der Anbaufläche sieht Prof. Dr. Bernhard C. Schäfer von der Fachhochschule Südwestfalen in den aktuellen Greening-Verpflichtungen. Sie lassen sich über Leguminosen entweder im Hauptfruchtanbau (Anrechnungsfaktor 0,7) oder durch Zwischenfruchtgemenge (Anrechnungsfaktor 0,3) erfüllen. Schäfer schätzt, dass der Hauptfruchtanbau auf größeres Interesse stößt.
 
Anschließend erläuterte er ein inzwischen fast abgeschlossenes Forschungsprojekt namens LeguAN, an dem die Fachhochschule Südwestfalen beteiligt war: Es galt dem Anbau und der Wirtschaftlichkeit dieser Kulturen. Es zeigte unter anderem, dass erfahrene konventionelle Betriebe Ackerbohnen und Erbsen vor allem aufgrund der Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, der Auflockerung der Fruchtfolge und der Stickstofffixierung anbauen.
 
Zur Wirtschaftlichkeit gab es auch erfreuliche Neuigkeiten: Laut der Kalkulation der direkt- und arbeitserledigungskostenfreien Leistung schnitten rund 2/3 der beteiligten Ackerbohnenbetriebe und 50 bis 75 Prozent der Erbsenbetriebe mit der Leguminose besser ab als mit der von ihnen ausgewählten Vergleichsfrucht.
 

Ausbringung von Wirtschaftsdüngern im Frühjahr

Die EuroChem Agro informierte anschließend über das Thema effiziente Düngung mit N-Stabilisatoren. Rechtzeitig zum Ende der Sperrfrist für die Gülle und Gärrest-Ausbringung wird ein neuer N-Stabilisator für Wirtschaftsdünger angeboten, wie Jürgen Berwinkel, Application Advice NW-Europe bei der EuroChem Agro GmbH, darlegte: der Nitrifikationsinhibitor Entec FL.
 
Aus den verschärften Anforderungen an Wirtschaftsdünger, die sich aus der neuen Düngeverordnung ergeben werden, leiten sich zum Beispiel eine Steigerung der Nährstoffausnutzung, veränderte Ausbringtermine und neue Applikationstechniken ab. Vor allem werden solche N-Stabilisatoren arbeitswirtschaftliche Vorteile mit sich bringen, ergänzt Ulrich Foth, Director Sales bei EuroChem, wenn zukünftig 90 Prozent der flüssigen Wirtschaftsdünger in einem kurzen Zeitraum im Frühjahr ausgebracht werden müssen. Die Aufwandmenge liegt zwischen vier und acht Liter pro Hektar, je nach Ausbringungs- und Einarbeitungsverfahren. 
 

Neues Zeitalter im Pflanzenbau

Peer Leithold von Agri Con läutete in seiner Präsentation das Zeitalter des Informationsgeleiteten Pflanzenbaus ein. © C. Hahn
Peer Leithold, Agri Con, läutete in seiner anschließenden Präsentation das Zeitalter des Informationsgeleiteten Pflanzenbaus ein. Je länger er sich damit beschäftige, sagte er, um so mehr sei er davon überzeugt, dass der Ackerbau der Zukunft für viele Teilflächen mit jeweils eigenem Behandlungsoptimum zu erledigen sei.
 
Seine Schlussfolgerung aus der Forschungsarbeit von AgriCon in den vergangenen Jahren: Es gibt eine neue Kategorie für Behandlungsentscheidungen, die N-Aufnahme. Sie ist - viel eher als der zu erwartende Ertrag - eine Bestimmungsgröße für alle Entscheidungen. Sie kann mit dem Yara N-Sensor gemessen werden und beeinflusst neben der N-Düngung auch die Wachstumsreglergabe, die Fungizidbehandlung oder die Sikkation. Zahlreiche Regelfunktionen für alle Anwendungen und Kulturen sind für den N-Sensor erarbeitet worden.
 
Zur ersten N-Gabe im Winterraps leitete Leithold Empfehlungen aus Sensorscans im vergangenen Herbst ab. Auf inzwischen 39.000 ha in mehreren Bundesländern wurde die aktuelle N-Aufnahme zum Vegetationsende bonitiert. Durch das automatische Abstreuen der daraus resultierenden N-Streukarten im Frühjahr kann sich der Anwender darauf verlassen, optimal zu düngen. Wie stark die Schwankungen auch innerhalb kleiner Schläge sein können, zeigen die Ergebnisse der Scans: schon Felder unter 10 ha wiesen eine Schwankungsbreite von 44 bis 117 kg N/ha auf.
 
Für die kommende erste N-Gabe müssen nun nur noch relevante Vorgaben, wie der Sollwert für die N-Aufnahme, eingegeben werden, dann erzeugt das Programm automatisch die N-Streukarten. In der Düngestrategie wird zur ersten Gabe ein Zielwert von 160 kg N/ha angestrebt.
 
Haben wir Sie neugierig gemacht? In der nächsten Ausgabe des agrarmanager lesen Sie mehr zu diesem spannenden Thema. 

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